Die Berliner CDU-Fraktion hat sich in der Debatte um das Agieren des Regierenden Bürgermeisters im längsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte hinter Kai Wegner gestellt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur nach der digitalen Schalte am Morgen von mehreren Teilnehmern. Demnach gab es sehr viel Unterstützung für Wegners Krisenmanagement und auch keine Kritik an seinem einstündigen Tennismatch am Samstag – wenige Stunden nach Beginn des Blackouts.
„Er hat die Krise gut gemanagt, hat sich gekümmert, er war vor Ort“, sagte ein Fraktionsmitglied. Mehrere Abgeordnete betonten, dass die Stromkrise nun aufgearbeitet und daraus die notwendigen Lehren gezogen werden müssten. „Das ist unser Fokus und nicht ein Tennisspiel.“ Wegner räumte demnach gegenüber der Fraktion ein, dass er rückblickend die Öffentlichkeit besser bereits am Wochenende über seine sportliche Pause informiert hätte.
„Weil ich einfach den Kopf freibekommen wollte“, begründete Wegner seine Auszeit
Am Mittwochabend hatten RBB und später auch WELT gemeldet, dass der Regierende Bürgermeister nach dem Anschlag auf die Berliner Stromversorgung nicht ausschließlich mit Krisenmanagement beschäftigt war. Kai Wegner spielte an jenem Samstag, als noch über 40.000 Berliner Haushalte ohne Strom waren, zwischen 13 und 14 Uhr eine Stunde lang Tennis – „weil ich einfach den Kopf freibekommen wollte“, wie Wegner im WELT-Talk „BURGARD.“ erklärt.
Mit dabei war seine Lebenspartnerin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), was die Senatskanzlei am Mittwoch gegenüber „Focus“ und „Tagesspiegel“ bestätigte. Beide Politiker sind offiziell seit dem Jahr 2023 ein Paar.
Die Empörung in der Hauptstadt, aber auch in den sozialen Medien ist aktuell groß: Als der Regierende Bürgermeister Tennis spielte, nach Mitteilungen des Netzbetreibers Stromnetz Berlin bereits klar gewesen, dass der Blackout länger dauern würde. „Der wichtigste Bürger der Stadt hat die Prioritäten seiner Stadt und auch seines Amtes falsch eingeschätzt“, schreibt etwa der „Tagesspiegel“.
Über die Fraktions-Sondersitzung in Berlin hatte zunächst die „Bild“-Zeitung berichtet. Diese wurde dem Bericht zufolge am Mittwoch um 19.45 Uhr einberufen – also kurz nach der Nachricht, dass auch Günther-Wünsch bei der Tennis-Partie dabei war.
Zu dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke vom 3. Januar 2026, der vier Tage dauerte, 45.000 Einwohner und 2200 Unternehmen betraf, hatte sich die linksextremistische „Vulkangruppe“ bekannt. Die vollständige Versorgung wurde am Mittwoch, dem 7. Januar 2026 schrittweise wiederhergestellt, allerdings sind laut WELT-Informationen vereinzelt noch Stromgeneratoren im Einsatz.
Auf einer Pressekonferenz am Sonntag hatte der Regierende Bürgermeister auf Reporterfragen, wo er am Samstag gewesen sei, noch geantwortet: „Zu Hause. Ich habe mich in meinem Büro zu Hause eingeschlossen.“ Zudem habe er sich „weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt“. Im Interview bei WELT TV präzisierte Wegner seinen Tagesablauf und die Stunde auf dem Tennisplatz dann so: Er habe „einfach mal den Kopf freikriegen“ müssen, nachdem er „seit 8.07 Uhr“ am Telefon gesessen und Behörden abtelefoniert habe. Er sei jedoch, so der 53-Jährige „die ganze Zeit am Handy erreichbar gewesen“ – auch während des Tennisspiels.
„Den Strom hätte er auch nicht wieder anstellen können“, mahnt die GdP
Aus der Opposition gibt es derweil Rücktrittsforderungen. Berlins früherer Regierender Bürgermeister Walter Momper (SPD) etwa übte deutliche Kritik am Verhalten des jetzigen Regierungschefs. „Er hat die Dimension der ganzen Geschichte nicht erkannt“, sagte der Sozialdemokrat Momper der Nachrichtenagentur dpa über den CDU-Politiker.
„Er wusste ja, dass inzwischen für Tausende von Haushalten der Strom unterbrochen war, und ich nehme an, er wusste auch, wie lange das dauern würde. Und da hat er nicht angemessen reagiert“, sagte der 80-Jährige, der von März 1989 bis Ende Januar 1991 Regierender Bürgermeister war.
„Ich würde nicht sagen, das ist unentschuldbar, aber es bedarf der Aufklärung, wie der Tag für ihn verlaufen ist und wie er sich da angestellt hat“, so Momper. „Und dass er zum Tennis gegangen ist, das erscheint mir schon ein bisschen abwegig gewesen zu sein.“
Unterstützung bekam Wegner von der Berliner Landesgruppe der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Deren Vorsitzender Stephan Weh hält die Kritik an der kurzen Auszeit des Regierenden Bürgermeister während des Stromausfalls für überzogen.
„Es hat für die Bewältigung derartiger Einsatzlagen für Polizei und Feuerwehr keinerlei Mehrwert, wenn Politiker draußen sind“, sagte er laut „T-Online“ zu der Kritik am Tennisspiel. „Den Strom hätte er auch nicht wieder anstellen können.“
„Natürlich nagt so etwas an der Glaubwürdigkeit eines Politikers, gerade weil jeder Satz auf die Goldwaage gelegt wird“, so der GdP-Landeschef. „Aber mal ganz ehrlich, der Regierende ist ein Mensch und der braucht Pausen.“ Wichtig sei nun doch vor allem, dass Kai Wegner und der Senat jetzt Maßnahmen ergreifen müssten, um die kritische Infrastruktur Berlins insgesamt besser zu schützen.
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