Der Berliner Landesvorsitzende der Jungen Union, Harald Burkart, hat Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) in der Debatte um dessen Verhalten während des Stromausfalls im Südwesten der Hauptstadt vor allem mangelnde Selbstkritik vorgeworfen. Wegner habe weder im Krisenmanagement noch in der Kommunikation überzeugend reagiert und versäume es, eigene Fehler offen einzugestehen, sagte Burkart im Gespräch mit WELT TV.

„Sich einfach einen Tag wegzusperren und dann zu behaupten, er sei den ganzen Tag in der Koordination gewesen – das geht heutzutage nicht mehr“, sagte der JU-Landeschef. Gerade in Ausnahmesituationen erwarte die Öffentlichkeit sichtbare Führung und eine klare Ansprache. „Und wenn dann auch noch herauskommt, dass er Tennis spielen war und es dazu widersprüchliche Aussagen gibt, dann ist das auch ein Problem des Krisenmanagements in der Kommunikation.“

AfD und FDP hatten Wegner bereits am Mittwochabend einen Rücktritt nahe gelegt, nachdem bekannt geworden war, dass der Regierende Bürgermeister mit seiner Lebensgefährtin – der Berliner Bildungssenatorin – am Samstag für eine Stunde Tennis gespielt hatte, während gleichzeitig fast 100.000 Menschen vom Stromausfall betroffen waren.

Von der Linken hieß es dazu, wer lieber Tennis spiele, statt in der größten Not bei den Menschen zu sein, solle sich überlegen, ob der Job noch der richtige sei. „Während die einen frieren, spielen die anderen Tennis – mehr muss man nicht wissen.“ Der Grünen Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Werner Graf, sagte: Wer in dieser Situation sage, er sperre sich im Büro ein, gehe dann aber Tennis spielen, erfülle die Kriterien nicht, die es als Bürgermeister brauche.

Auch aus Sicht Burkarts hätte Wegner die Situation anders bewältigen und in den betroffenen Bezirken Präsenz zeigen müssen. „Ich hätte es besser gefunden, er wäre sofort dorthin gefahren. Er ist sonst immer sehr schnell dabei, in Berlin öffentlichkeitswirksame Bilder zu machen, wo er sofort zur Sonnenallee gefahren ist.“ Stattdessen sei der Eindruck entstanden, dass Inszenierung wichtiger gewesen sei als konkrete Hilfe.

So kritisierte Burkart auch Wegners Auftritt mit einer hochbetagten Betroffenen: „Statt sich mit dieser 97-jährigen alten Frau ablichten zu lassen, die wirklich alles in ihrem Leben erlebt hat, hätte er sich auch mal überlegen können, ob man sie nicht zum Beispiel bei sich in Kladow irgendwo an einem warmen Plätzchen unterbringt.“

Besonders schwer wiege für Burkart, dass Wegner die Kritik nicht offensiv aufgegriffen habe. Wegner fehle es an der Bereitschaft, eigenes Fehlverhalten klar zu benennen. „Ich nehme aber auch Kai Wegner als jemanden wahr, dem es irgendwie fehlt – und das würde ich ihm mitgeben, tatsächlich mal zu sagen: ,Ich kann an meinem Verhalten immer mal wieder festmachen, das hättest du besser machen können‘.“

Gleichzeitig warnte Burkart davor, die Debatte allein auf das Tennisspiel des Regierenden Bürgermeisters zu verkürzen. „Diese ganze Diskussion, die lenkt natürlich ab von dem, was in Berlin entscheidend ist“, sagte er. Man solle „nicht zu sehr auf dem Tennisspiel rumhacken“. Im Mittelpunkt müsse vielmehr stehen, dass Zehntausende Menschen nach einem Anschlag von Linksextremisten im Winter ohne Strom und Wärme gewesen seien und der Staat seine Schutzfunktion nicht erfüllt habe.

Ob Wegner noch der richtige Mann an der Spitze des Senats sei, ließ Burkart offen. Er regte jedoch an, dass der Regierende Bürgermeister sein Verhalten selbstkritisch überprüfen soll – im Umgang mit Krisen ebenso wie in der öffentlichen Kommunikation.

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