Nachdem US-Präsident Donald Trump erneut den Anspruch seines Landes auf Grönland bekräftigt hat, stehen seine transatlantischen Partner vor einer schwierigen Aufgabe: Was tun, wenn ein Verbündeter das Territorium eines EU- oder Nato-Mitgliedstaates für sich beansprucht?

Der Chef des Reservistenverbandes der Bundeswehr, Patrick Sensburg (54), fordert eine Art Dauerpräsenz deutscher Soldaten. „Wir müssen davon ausgehen, dass Trump mit Grönland Ernst macht“, sagte Sensburg der „Bild“. „Europa muss daher viel stärker Präsenz zeigen. Wir müssen in kurzer Zeit mindestens eine europäische Brigade unter der Führung von Dänemark dorthin verlegen. Auch Deutschland wird hier besonders in der Pflicht stehen.“

Er sieht auch einen strategischen Nutzen für die Bundeswehr, denn sie könnte eine Dauerpräsenz mit Ausbildungsstätten auf Grönland errichten. „Das birgt auch Chancen: Wir könnten neben der Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald auch in Grönland trainieren und ausbilden. Das wird Europa stärker zusammenschweißen.“

Bundeskanzler Friedrich Merz ging bisher nicht auf die Drohungen von US-Präsident Donald Trump ein, die Insel gegen den Willen der Grönländer ‍und Dänemarks zu kaufen oder ‍zu annektieren. Er zeigte sich optimistisch, dass sich die USA an Gesprächen über einen ‍verstärkten Nato-Schutz für die dänische Arktis-Insel beteiligen.

„Wir sprechen mit der dänischen Regierung sehr ausführlich und wollen einfach die Sicherheitslage für Grönland gemeinsam verbessern“, sagte Merz am Montag bei einem Indien-Besuch in Ahmedabad. „Ich ⁠gehe davon aus, dass ⁠die Amerikaner sich daran auch beteiligen. In welchem Umfang, das werden die Gespräche der nächsten Tage und Wochen zeigen.“

Außenminister Johann Wadephul spricht heute in Washington mit seinem amerikanischen Amtskollegen, um über die Angelegenheit zu beraten. Insidern zufolge will Deutschland eine Nato-Mission mit dem Namen „Arctic Sentry“ vorschlagen, die die Region absichern soll. Als Vorlage soll dabei die „Baltic Sentry“-Mission dienen, die vor einem Jahr zum Schutz kritischer Infrastruktur in der Ostsee ins Leben gerufen wurde.

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