Donald Trump tritt so auf, als sei er über jeden Zweifel erhaben. „Nein, MAGA liebt es“, sagte er auf die Frage, ob seine Basis seine von militärischen Eingriffen und Drohungen geprägte Außenpolitik gutheiße. „MAGA liebt alles, was ich tue, und ich liebe es auch“, schob er hinterher. Damit versucht der US-Präsident, die Debatte darüber, ob ihm seine Anhänger noch so bedingungslos folgen wie in seiner ersten Amtszeit, zu beenden.
Aber viele reiben sich verwundert die Augen über die Außenpolitik ihres Präsidenten. Mit Trumps Wiederwahl verbanden sie die Hoffnung, dass er sich um die Probleme im eigenen Land kümmere. „America first“, hieß schließlich sein Wahlkampfslogan. Doch innerhalb eines Jahres im Amt hat Trump Militärschläge gegen die Huthis im Jemen, das iranische Atomprogramm, IS-Terroristen in Syrien, Boko-Haram-Terroristen in Nigeria und Boote vor Venezuela vollstreckt. Venezuelas Staatspräsident Nicolás Maduro wurde festgenommen, ein russischer Tanker geentert, und nun steht ein erneuter Angriff auf den Iran im Raum.
Inzwischen beschwert sich ein Teil des MAGA-Bündnisses entsprechend laut. Das führt zu einem handfesten Streit mit jenem Flügel, der die Außenpolitik des Präsidenten gutheißt. Ein Schlag gegen Teheran könnte den vollends eskalieren lassen. Schon die Verhaftung Maduros hat die Risse in Trumps Anhängerschaft zutage treten lassen.
Auf der einen Seite steht der isolationistische Flügel, der eine wörtliche Auslegung des Mottos „America first“ bevorzugt. Einer seiner lautesten Vertreter ist der ehemalige Fox-News-Moderator und jetzige Podcaster Tucker Carlson. Vor seinem Millionenpublikum kritisierte er die Intervention in Venezuela mit dem Argument, es handele sich bei Maduro um einen gesellschaftlich konservativen Politiker. „Das ist mir viel wert“, so Carlson, und zählte dessen Verdienste auf. Maduro habe Abtreibungen, Pornografie, gleichgeschlechtliche Ehen und Geschlechtsoperationen verboten. Dem entgegen steht etwa der Podcaster und Medienunternehmer Ben Shapiro, der Trump für die Intervention lobte. Dass Carlson Maduro als gesellschaftlich konservativ einstuft, kommentiert er mit den Worten: „Wen interessiert das schon? Der Mann ist ein kommunistischer Diktator“.
Aber Shapiro vertritt einen immer kleiner werdenden Flügel innerhalb der MAGA-Bewegung. Erst kürzlich mündete dieser Richtungsstreit in einem Schlagabtausch auf offener Bühne, als sich Vertreter beider Seiten bei einer Tagung der Organisation Turning Point USA des ermordeten Aktivisten Charlie Kirk vorwarfen, „keine echten Konservativen“ zu sein.
Gegner von Militärinterventionen werden lauter
Im Zentrum stand die Frage, ob eine Unterstützung Israels im Interesse der USA und ob der US-Angriff auf den Iran im Juni 2025 gerechtfertigt gewesen seien. Vertreter des isolationistischen Flügels argumentierten teils antisemitisch und behaupteten, Israel kontrolliere das politische Establishment in Washington. Einige gingen sogar so weit, eine Verwicklung des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad in Kirks Ermordung zu unterstellen. Shapiro, der selbst Jude ist, warf unter anderem Tucker Carlson vor, solche Falschbehauptungen zu verbreiten.
Auch die inzwischen zurückgetretene republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene, die sich mit Trump wegen der Epstein-Akten überworfen hatte, unterstellte ihm, mehr im Interesse Israels zu handeln als im Interesse der USA. „Ein Verräter ist ein Amerikaner, der fremden Ländern und sich selbst dient“, sagte Greene, nachdem Trump sie seinerseits als Verräterin bezeichnet hatte.
In der Debatte um einen weiteren Schlag gegen das Regime in Teheran wirft ihm der rechte Rand der MAGA-Basis erneut vor, im Sinne Israels handeln zu wollen. „Wann immer Benjamin Netanjahu involviert ist, fangen die Medien an uns zu erzählen, wie frei die Iraner sein wollen“, sagte etwa die Influencerin Candace Owens am Mittwoch in ihrem Livestream auf Youtube. Auch die Podcasterin Megyn Kelly debattierte diese Woche in ihrer Show mit der konservativen Medienpersönlichkeit Emily Jashinsky, ob die Zahlen der getöteten Demonstranten überhaupt echt seien. „Sie sind ein Vorwand für eine Intervention“, behauptet Jashinsky.
Dieser immer größer werdende isolationistische Flügel der MAGA-Basis ist der Auffassung, dass Trump seine Energie lieber auf die Probleme im Land konzentrieren solle. „Mit dem Iran wären das zwei Interventionen in ein fremdes Land in einer Woche. Wir sollten unsere eigenen Probleme lösen“, sagte Kelly.
Gemeint ist damit vor allem die Inflation. Trumps ehemaliger Stabschef und Architekt seines ökonomischen Populismus, Steve Bannon, kritisiert regelmäßig den mangelnden Fokus seines Ex-Chefs auf die wirtschaftliche Lage. Seine Drohungen gegen den Iran bezeichnete er als „direkt aus dem Hillary-Clinton-Playbook“. Zwar war die Teuerungsrate in den USA mit 2,7 Prozent in den vergangenen Monaten stabil, doch die Menschen spüren keine Verbesserung. Laut dem „New York Times“-Ökonomen Thomas Edsall betrug der Mittelwert des Netto-Kaufkraftverlusts der Haushalte im vergangenen Jahr 2250 Dollar.
Trump begegnete dem Problem bislang mit einer Mischung aus Lob für seine bisherige Politik und Leugnung des Phänomens. „Bezahlbarkeit“ („Affordability“) sei eine „Verschwörung der Demokraten“, sagte er im Dezember. Dabei waren es Banner auf seinen Wahlkampfveranstaltungen, die den Slogan „Make America Affordable Again“ trugen.
Im Weißen Haus ringen beide Flügel der Basis um das Ohr des Präsidenten. Die Interventionisten rund um Shapiro, der einen Angriff auf den Iran als „geopolitische Umwälzung“ bezeichnete, die gar zu einem Beitritt des Irans zu den Abraham Accords führen könne, verlassen sich dabei vor allem auf Außenminister Marco Rubio und Senatoren wie Lindsey Graham. Die Isolationisten werden von Vizepräsident J.D. Vance vertreten. Wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider berichtet, ist Vance eine der einflussreichen Stimmen im Weißen Haus, die bereits Anfang der Woche für eine diplomatische Lösung plädierten. Dabei hat er gewichtige Unterstützer: Katar und Saudi-Arabien, zu denen US-Präsident Trump enge Beziehungen unterhält, haben im Laufe der Woche in Washington gegen einen US-Militärschlag gegen Teheran lobbyiert – bisher mit Erfolg.
Gregor Schwung berichtet als außenpolitischer Korrespondent über transatlantische Beziehungen, internationale Entwicklungen und geopolitische Umbrüche mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Ukraine und den USA.
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