Im Streit um Grönland hat US-Präsident Donald Trump am Samstag Zölle gegen Dänemark, Deutschland, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland angekündigt. Sie sollen ab dem 1. Februar zehn Prozent betragen und ab dem 1. Juni auf 25 Prozent steigen. Aufgehoben werden sollen sie, wenn ein Abkommen zustande kommt, das den USA den Kauf der strategisch wichtigen und an Rohstoffen reichen Insel ermöglicht.
Sicherheitsexperte Nico Lange analysiert im Gespräch mit WELT TV die Eskalation zwischen Trump und Europa. Das Interview führte Carsten Hädler.
WELT TV: Guten Morgen Herr Lange! Für wie bedenklich halten Sie denn die Eskalationsspirale, die mit den weiteren Drohungen durch Trump jetzt in Gang gekommen ist?
Nico Lange: Ja, einen Handelskrieg und einen rhetorischen Eskalationskrieg mit Trump können wir vermutlich nicht gewinnen. Darauf sollten wir uns auch nicht einlassen. Und vielleicht war es auch so, dass man ein bisschen zu lautstark in den letzten Tagen so getan hat, als würde man da Gott weiß was machen mit dieser Erkundungsmission in Grönland, sodass Trump sich zum Reagieren genötigt fühlte.
Wenn jetzt aber die Europäer, die NATO-Europäer, die EU, Dänemark und Grönland alle zusammenhalten, und die Europäische Union auch Gegenzölle aufruft, dann kann man, das glaube ich jedenfalls, es für Trump unattraktiv machen, das weiterzuverfolgen. Das finde ich auch wichtiger als jetzt den Wettbewerb, wer die kräftigsten Worte spricht.
WELT TV: Glauben Sie das wirklich, dass Europa in dieser Situation endlich mal einig ist?
Lange: Ja, wir haben doch gesehen, dass China mit der harten Gegenreaktion gegen Zölle sofort erreicht hat, dass Trump zurückrudert. Das war aber auch deshalb der Fall, weil China die hochprozentige Abhängigkeit der USA von bestimmten Rohstoffen ausnutzen konnte. Wir sind nicht China, und wir haben auch diese direkten Abhängigkeiten nicht. Aber auch wir können es kompliziert und teuer für Trump machen.
Aber Sie haben recht, die Einigkeit zwischen Grönland und Dänemark, aber auch die der Europäer mit Grönland, Dänemark und den Staaten im hohen Norden, die ist jetzt ganz entscheidend. Und wenn es da irgendwo Spaltungslinien geben sollte, dann wird Trump da sofort hineingehen. Man darf Dänemark jetzt nicht allein lassen – aber eben auch nicht über die Köpfe der Dänen hinweg jetzt aufgeregt irgendwas machen.
WELT TV: Noch ist die Lage eine, ich sage es mal zugespitzt, wirtschaftliche Kriegserklärung. Könnte es noch konfrontativer werden, wenn es um Grönland geht?
Lange: Ja, diese Zölle sind in der Tat eine Kriegserklärung wirtschaftlicher Art. Sie treffen aber die Amerikaner auch selbst. Also einen gehörigen Teil von Zöllen zahlen ja immer die US-Verbraucher. Das sind etliche Bundesstaaten in den USA ganz konkret betroffen. Bestimmte Industrien in den USA haben deshalb auch überhaupt kein Interesse an solchen Zöllen. Diese ganze „Grönlandkiste“ ist in den USA sehr unpopulär.
Insofern glaube ich, dass man eher weiterkommt, wenn man sich als Europäer im Kongress und in den USA Verbündete sucht, und mit Ruhe und Zusammenhalt die Dinge angeht. Was Trump dann machen wird, ist schwer zu sagen. Für irgendwelche militärische Aktionen gibt es aber meiner Meinung nach überhaupt keine Anzeichen, mal abgesehen von der scharfen Rhetorik eines Stephen Miller, den Trump da wohl ein bisschen laufen lässt für eine Art Drohkulisse. Aber ich sehe da keine ernsthafte Gefahr.
WELT TV: Warum kann der US-Präsident nicht mit Europa zusammenarbeiten? Warum ist Trump so laut? Warum kann er nicht ein dezenter, im Hintergrund agieren? Möglicherweise hätte er dann schon längst das erreicht, was er momentan nicht schafft.
Lange: Ja, das ist eine gute Frage. Zumal ja das Abkommen, das Dänemark und Grönland mit den USA abgeschlossen haben, aus dem Jahr 1951 stammt. Und es wäre ja eine vernünftige Idee, zu sagen, lass uns das doch mal neu verhandeln. Das ist jetzt wirklich schon sehr lange her, fast 75 Jahre. Da könnte man doch etwas finden, was den USA nutzt, was die Sicherheitsinteressen berücksichtigt, was Dänemark und Grönland stärkt, sodass sich alle miteinander einig werden?
Aber Donald Trump wählt eben immer wieder diesen konfrontativen Stil, vielleicht, weil er den Eindruck hat, die Europäer sind schwach. Und wenn er Schwäche spürt, dann versucht Trump sofort nachzutreten. Ich glaube, das war auch jetzt seine Intuition. Ihm erschienen die Europäer in der vergangenen Woche schwach. Und dann hat er gesagt, gucke ich doch mal, ob ich da jetzt noch mehr herausholen kann. Aber kann er seine Position auch wieder verändern. Man muss jetzt nicht alles, was er sagt, für eine Gesetzmäßigkeit halten.
Dieses Transkript des Interviews bei WELT TV entstand mithilfe Künstlicher Intelligenz. Für bessere Lesbarkeit wurde das gesprochene Wort leicht redaktionell bearbeitet.
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