B undesgesundheitsministerin Nina Warken will die Regelungen zur telefonischen Krankschreibung überprüfen. Die Regierungsparteien hätten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, Missbrauch auszuschließen, sagte die CDU-Politikerin dem „Tagesspiegel“. „Genau das werden wir angehen und die aktuellen Regelungen auf den Prüfstand stellen. Wir brauchen praktikable Lösungen“, sagte Warken.

Friedrich Merz hatte zuvor seine Kritik am hohen Krankenstand in Deutschland bekräftigt. Bei den durchschnittlich 14,5 Krankentagen, die er am Wochenende genannt habe, seien die kurzfristigen Krankmeldungen von ein oder zwei Tagen noch gar nicht dabei, sagte der Bundeskanzler nach einer Sitzung des CDU-Bundesvorstandes. „Wenn die einbezogen würden, dann läge die Zahl noch deutlich höher. Und damit ist der Krankenstand im Durchschnitt in den Unternehmen in Deutschland zu hoch.“

Merz: Krankenstand auch im öffentlichen Dienst zu hoch

Das gelte auch für den öffentlichen Dienst, betonte der CDU-Vorsitzende. Man suche gerade nach den Ursachen für diese Entwicklung und nach Lösungen. „Eine der Ursachen ist sicherlich auch die leichte Krankschreibung durch telefonische Krankschreibungen.“ Auch Ärzte sagten, sie könnten gar nicht beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig sei, wenn sie den Patienten nicht gesehen hätten. Er habe im Übrigen für seine Äußerungen vom Wochenende sehr viel Zustimmung bekommen.

Merz hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau bei Heilbronn erklärt, dass die Beschäftigten in Deutschland im Schnitt auf 14,5 Krankentage kämen, „Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“

Warken gab Merz recht. Im internationalen Vergleich sei der Krankenstand in Deutschland hoch. „Darauf hinzuweisen ist in keiner Weise gegen diejenigen gerichtet, die aufgrund von Krankheit arbeitsunfähig sind“, machte die Ministerin deutlich. Sie betonte aber: „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die niedrigschwellige Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung missbräuchlich ausgenutzt werden kann.“

„Teilkrankschreibung“ als neues Modell?

Aktuelle Zahlen scheinen die Aussagen der Ministerin zu bestätigen. Laut einer Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit waren die Zahlen auch im vergangenen Jahr auf einem hohen Niveau.

Im Schnitt waren Beschäftigte 19,5 Kalendertage krankgeschrieben – annähernd so lange wie 2024 mit 19,7 Fehltagen, wie die Kasse nach eigenen Versichertendaten ermittelte. Wichtigster Grund für eine ärztlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit waren demnach Atemwegserkrankungen, psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Problemen wie Rückenschmerzen.

DAK-Chef Andreas Storm sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Analysen zeigten, dass sich der Krankenstand auf einem hohen Niveau einpendele. „Deswegen ist es richtig und notwendig, eine fundierte Ursachenforschung voranzutreiben.“ Storm forderte einen Gipfel im Kanzleramt, der Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzte und Krankenkassen dazu an einen Tisch bringen sollte.

Es gehe darum, neue Lösungswege zu entwickeln, sagte der Kassenchef. „Ein wichtiger Baustein kann die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen sein.“ Gemeint ist damit, nur für einen Teil der täglichen Arbeitsstundenzahl krankgeschrieben zu werden.

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