Inhalt des Artikels:
- Welche Schwachstellen hat der Anschlag von Berlin offengelegt?
- Umspannwerke, Trafohäuschen und Stromleitungen können ja nicht rund um die Uhr bewacht werden?
- Sollte man Leitungspläne wie bislang veröffentlichen oder geheim halten?
- Nicht nur Stromleitungen sind von Anschlägen betroffen. Auch die Bahn. Was hilft hier für mehr Sicherheit?
- Welche Forderung haben Sie an die Politik?
Welche Schwachstellen hat der Anschlag von Berlin offengelegt?
Johannes Rundfeldt: Es gab in Berlin neuralgische Punkte, die nicht ausreichend geschützt waren. Grundsätzlich kann man nicht alles schützen. Aber man kann dafür sorgen, dass es eine zweite Leitung gibt, über die der Strom fließen kann. Die gab es in Berlin sogar, aber blöderweise über die gleiche Strombrücke. Als es da gebrannt hat, sind beide ausgefallen. Das kann man jetzt verbessern.
Umspannwerke, Trafohäuschen und Stromleitungen können ja nicht rund um die Uhr bewacht werden?
Das ist richtig. Im Allgemeinen kann man, wo es sich um Privatgelände der Stromnetzbetreiber handelt durch Kameras und Alarmanlagen und einen Wachschutz ein bisschen was bewirken. Aber im Allgemeinen ist die vollständige Überwachung dieser Anlagen eigentlich nicht wirklich möglich.
Außerhalb dieser Anlagen ist es erst recht nicht möglich. Was wir tun können, ist dafür zu sorgen, dass die Netze so gebaut sind, dass selbst wenn eine einzelne Störung an einer einzelnen Stelle auftritt, diese Störung nicht zum Versorgungsausfall wird. Und das muss das Ziel sein.
Sollte man Leitungspläne wie bislang veröffentlichen oder geheim halten?
Es bringt nichts, Pläne geheim halten zu wollen. Es gibt hier drei Gruppen zu bedenken, die dem Stromnetz zu schaffen machen: Die Tiefbauer mit ihrem Bagger brauchen die Pläne, damit die Anlagen geschützt bleiben. Sie müssen wissen, wo die Kabel im Boden sind. Zweitens: Unwetter und Naturkatastrophen. Denen sind die Pläne egal. Und zuletzt Saboteure und Terroristen: Die können ohne die im Internet veröffentlichten Pläne auch mit den eigenen Augen sehen, wo die Anlagen im Stadtbild sind.
Nicht nur Stromleitungen sind von Anschlägen betroffen. Auch die Bahn. Was hilft hier für mehr Sicherheit?
Wir brauchen ein Netz, das genügend Maschen hat. Was beim Strom gilt, gilt auch bei der Bahn, hier durch mehr Gleise.
Das Ziel muss sein, dass die einzelne Störung nicht zum Versorgungsausfall wird. Dann ist es auch für Terroristen nicht attraktiv, etwas zu versuchen.
Welche Forderung haben Sie an die Politik?
Wir müssen im Bundestag endlich so weit kommen, dass das Gesetz zum Schutz der Stromanlagen, das KRITIS-DachGesetz, erlassen wird. Das ist seit über zwei Jahren in der Mache. Für manche Teile des Stromnetzes ist eine doppelte Leitungsführung bereits Pflicht, aber eben nicht für alle. Was bisher nicht vorgeschrieben ist, dass die andere Leitung räumlich getrennt von der ersten sein sollte - das war der Schwachpunkt, den die Saboteure in Berlin ausgenutzt haben.
Was jetzt reingeschrieben werden muss, sind viele konkrete Maßnahmen - wie zum Beispiel das Bauen von Zäunen, das Betreiben von Alarmanlagen, das Aufdoppeln von Infrastruktur, damit wir immer einen zweiten Weg haben, wenn eine Störung auftritt. Das Ziel muss sein, dass die einzelne Störung nicht zum Versorgungsausfall wird. Dann ist es auch für Terroristen nicht attraktiv, etwas zu versuchen.
MDR (cbr)
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