Der Liberalismus in Deutschland ist tot – zumindest im Parteienspektrum. Man hält es kaum für möglich, dass es erst wenige Jahre her ist, als die Freien Demokraten vor Kraft kaum laufen konnten und mit Christian Lindner an der Spitze von der Verstetigung ihrer Regierungsmacht träumten.

Nun überfällt einen angesichts mancher verunglückter Auftritte der neuen Parteiführung eher Fremdscham als Aufbruchstimmung. Im europäischen Vergleich ein deutscher Sonderweg des Scheiterns.

Der Politikwissenschaftler Frank Decker sieht im Januar-Heft der „Neuen Gesellschaft/Frankfurter Hefte“ dennoch eine „letzte Chance für die FDP“ gekommen. Er erinnert daran, dass die Partei stets dann am besten abschnitt, wenn sie aus der (außer-)parlamentarischen Opposition heraus gegen Schwarz-Rot antrat. Mit „Säuselliberalismus“, wie Decker Kritiker des jetzigen Kurses zitiert, dürfte der FDP ein solches Comeback allerdings kaum gelingen.

Der Autor rät der Partei vielmehr zum anderen Extrem, nämlich sich von ihrer facettenreichen Ausdeutung des Liberalismus zu verabschieden und sich auf ihr Kerngebiet zu konzentrieren: den Markt. Oder wie Lindner einst sagte: „Mehr Musk und Milei wagen.“

Doch darin liegt mehr Schein als Sein. Denn im verzweifelten Umschlag ins Libertäre die letzte Chance der FDP zu sehen, ist kühn – aber nicht realistisch.

Politikredakteurin Hannah Bethke ist bei WELT zuständig für die SPD und innenpolitische Debatten.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.