Bei der Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau haben Überlebende vor einem Wiedererstarken von Hass und Gewalt in der Gesellschaft gewarnt. Der 96 Jahre alte Auschwitz-Überlebende Bernard Offen sagte, er beobachte Entwicklungen, die ihn an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg erinnerten. Er sehe zunehmenden Hass, eine Rechtfertigung von Gewalt und Menschen, die ihre Wut über das Leben anderer stellten.

Ziel der Gedenkfeier sei es gewesen, die Aufmerksamkeit vollständig auf die Aussagen der ehemaligen Häftlinge zu lenken, erklärte Gedenkstättenleiter Piotr Cywinski im Vorfeld der Veranstaltung. Die Stimmen der Überlebenden hätten eine besondere Bedeutung, da viele von ihnen hochbetagt seien und die Zahl der Zeitzeugen weiter abnehme.

An der Gedenkfeier nahm auch Polens Präsident Karol Nawrocki teil. Der rechtskonservative Staatschef legte zunächst einen Kranz an einer Gedenktafel für den ersten Transport polnischer Häftlinge nach Auschwitz nieder. In einer Ansprache bezeichnete er das Lager als Symbol der nationalsozialistischen Barbarei und als Ausdruck einer Ideologie, die aus Deutschland hervorgegangen sei. Auschwitz stehe zugleich für die Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod Unschuldiger, sagte Nawrocki.

Der Präsident nutzte den Jahrestag zudem für eine erneute Forderung nach deutschen Kriegsreparationen. Polen habe bis heute keine angemessene Entschädigung für die im Zweiten Weltkrieg erlittenen Verluste und Verbrechen erhalten, erklärte er. Eine friedliche Welt könne nur entstehen, wenn für jedes Verbrechen Verantwortung übernommen werde. Dazu gehörten Entschädigung und Entschuldigung.

Bereits bei einem Antrittsbesuch in Berlin im vergangenen September hatte Nawrocki Entschädigungszahlungen in Billionenhöhe gefordert. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wiesen diese Forderungen zurück. Steinmeier erklärte damals, die Reparationsfrage sei aus deutscher Sicht rechtlich abschließend geklärt. In Polen befürwortet laut Umfragen jedoch weiterhin eine Mehrheit der Bevölkerung zusätzliche Entschädigungszahlungen Deutschlands.

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau steht weltweit symbolhaft für den Holocaust und die Verbrechen des Nationalsozialismus. Zwischen 1940 und 1945 wurden dort rund 1,1 Millionen Menschen ermordet, die meisten von ihnen Juden. Die Opfer starben in Gaskammern, durch Erschießungen, Hunger, Krankheiten oder Zwangsarbeit.

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