• Füllstand in Gasspeichern nur noch bei rund 32 Prozent – Bundeswirtschaftsministerin Reiche sieht keinen Grund zur Beunruhigung.
  • Verordnung schreibt Füllstände vor – Bundesnetzagentur spricht sich stattdessen für Gasreserve aus.
  • EU-Energiekommissar Jörgensen zeigt sich besorgt über eine wachsende Abhängigkeit von US-Flüssiggas.

In den deutschen Gasspeichern ist momentan deutlich weniger Erdgas als in den Vorjahren. Der Füllstand beträgt aktuell nur noch rund 32 Prozent. Zum Vergleich: Ende Januar 2025 lag der Wert bei 58 Prozent, Ende Januar 2024 waren es sogar 76 Prozent. Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sind die relativ niedrigen Stände allerdings kein Grund zur Beunruhigung. Die CDU-Politikerin sagte, man beobachte die Lage täglich. Sorgen seien nicht angebracht. Die Versorgung sei abgesichert durch Möglichkeiten zum Import von Flüssiggas. Reiche betonte, sie sei überzeugt, dass das Land gut durch den Winter komme.

Auch die Bundesnetzagentur geht nicht von einer Mangellage in diesem Winter aus. Präsident Klaus Müller sagte, die Erdgasspeicher seien weiterhin wichtig, aber nicht mehr der allein entscheidende Indikator.

Kritik kommt von den Grünen. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, sagte, die Bundesregierung habe schlecht vorgesorgt, obwohl die kritische Lage schon lange von vielen Seiten vorhergesagt worden sei. Die Füllstände fielen rapide, die Preise stiegen und die Situation könne schnell akut für die Menschen in Deutschland werden. Es sei nötig, Gas zu sparen.

Verordnung schreibt Füllstände vor – Netzagentur für Gasreserve

Eine 2027 auslaufende Verordnung schreibt vor, dass die meisten Speicher am 1. November zu mindestens 80 Prozent und am 1. Februar zu mindestens 30 Prozent gefüllt sein müssen. In der Kritik stehen jedoch nicht nur die aktuellen Speicherstände, sondern auch die Vorgaben selbst. Netzagentur-Chef Müller sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Füllstandsvorgaben hätten sich als eher sperriges Instrument erwiesen, was den Markt verzerre. Weil es aber dennoch eine Absicherung brauche, sprach sich Müller für eine strategische Gasreserve als Alternative aus.

Bei Deutschlands größtem Speicherbetreiber Uniper hingegen hält man nicht viel von einer solchen Reserve. Der Staat solle grundsätzlich nicht als Akteur im Speichermarkt auftreten, sondern nur Leitplanken setzen, hieß es. Marktmechanismen müssten Anreize für eine Speicherbefüllung schaffen, nicht politisch festgelegte Vorgaben.

Laut Bundeswirtschaftsministerium sollen die bestehenden Füllstandsvorgaben weiterentwickelt werden. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es zu dem Thema: "Wir werden geeignete Instrumente auf den Weg bringen, um eine versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher sicherzustellen."

Energiekommissar besorgt über wachsende Abhängigkeit von USA

EU-Energiekommissar Dan Jörgensen zeigte sich unterdessen besorgt über eine wachsende Abhängigkeit Europas von Flüssiggas (LNG) aus den USA. "Wir suchen nach Alternativen", sagte Jörgensen in Brüssel und kündigte Verhandlungen mit Kanada, Katar und nordafrikanischen Staaten an. Noch im vergangenen Jahr hatte die EU der US-Regierung massive LNG-Einkäufe zugesagt. Hintergrund ist der gesetzlich beschlossene Ausstieg der EU aus russischen Gaslieferungen bis spätestens November 2027. Jörgensen warnte: "Wir risikieren, die eine Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen."

Lieferungen aus den USA machten 2024 rund 16,5 Prozent der europäischen Gasimporte und fast 45 Prozent der Flüssiggaslieferungen aus. Die Einfuhrmenge hat sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt. Jörgensen betonte, der Streit mit US-Präsident Donald Trump um die Forderung des Anschlusses von Grönland an die USA sei "ein Weckruf" gewesen.

dpa/AFP/rtr (mze)

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