Die Bemühungen der US-Regierung, die Grönländer von einem Beitritt zu den Vereinigten Staaten zu überzeugen, laufen ins Leere. Das zeigt eine neue Umfrage des dänischen Meinungsforschers Sune Steffen Hansen, die WELT vorliegt. Für die repräsentative Erhebung wurden 600 Grönländer im Zeitraum von 16. bis 28. Januar online und telefonisch befragt.
Das Ergebnis ist eindeutig: Nur acht Prozent der Teilnehmer sind der Meinung, es wäre für Grönland von Vorteil, ein Teil der USA zu werden. Eine deutliche Mehrheit von 76 Prozent sprach sich dagegen aus. Die restlichen 17 Prozent sagten, sie seien sich nicht sicher. Zudem gaben knapp zwei Drittel der Befragten an, dass Grönland ihrer Meinung nach lieber stärker mit der EU als mit den USA zusammenarbeiten sollte. Nur fünf Prozent befürworten eine stärkere Kooperation mit den USA.
Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Grönland vor 40 Jahren aus der EU ausgetreten ist – und vor Donald Trumps Drohungen eine engere Bindung an Amerika noch als möglicher Weg zur Unabhängigkeit von Dänemark diskutiert wurde. Washington hatte Berichten zufolge versucht, diese Erwägungen gezielt zu stärken, etwa durch den Besuch von Vizepräsident J.D. Vance oder die öffentliche Debatte über die Zahlung großer Geldbeträge an jeden Grönländer.
Doch mit seinem Vorgehen habe Trump offenbar genau das Gegenteil erreicht, sagt Meinungsforscher Hansen im Gespräch mit WELT. „Die Grönländer stehen den Vereinigten Staaten sehr negativ gegenüber. Sie sehen keinen Vorteil darin, Teil der USA zu werden und wollen nicht einmal eine engere Zusammenarbeit. Das zeigt, dass der Trump-Effekt negativ war: Statt die Grönländer anzuziehen und dazu zu bewegen, Teil der USA zu werden, hat er sie weggestoßen.“
Mit seiner scharfen Rhetorik und den Drohungen, im Zweifel selbst militärische Mittel nicht auszuschließen, scheint der US-Präsident die Menschen in Grönland abgeschreckt zu haben. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, sehr besorgt (24 Prozent) oder etwas besorgt (30 Prozent) zu sein, dass die USA versuchen könnten, militärisch die Kontrolle über Grönland zu übernehmen. Nur 15 Prozent sagten, sie machten sich überhaupt keine Sorgen darüber.
Ein zweiter Aspekt, der den Ergebnissen der Umfrage zufolge eine Rolle bei der Ablehnung der US-Avancen spielt, ist der Wohlfahrtsstaat. Kopenhagen subventioniert den Haushalt der grönländischen Regierung mit umgerechnet einer halben Milliarde Euro jährlich, um auf der hauptsächlich vom Fischfang lebenden Insel einen ähnlichen Lebensstandard wie in Dänemark zu ermöglichen.
Fast 70 Prozent der Teilnehmer gaben in der Umfrage an, zufrieden oder zumindest nicht unzufrieden mit dem Wohlfahrtssystem in Grönland zu sein. Dagegen bewertete eine Mehrheit das amerikanische System als „größtenteils negativ“ (20 Prozent) oder „sehr negativ“ (39 Prozent). Mehr als die Hälfte der Teilnehmer äußerte in der Umfrage die Sorge, dass die Grönländer bei einer Abspaltung von Dänemark einen niedrigeren Lebensstandard in Kauf nehmen müssten.
Insgesamt stehen die Grönländer einer Unabhängigkeit von Dänemark eher zögerlich gegenüber. Nur jeder Vierte gab an, die Insel solle sich seiner Meinung nach sofort unabhängig machen. 62 Prozent sprachen sich dagegen aus, 13 Prozent waren unsicher. Dass das Ergebnis so deutlich ausfällt, habe ihn überrascht, sagt Meinungsforscher Hansen, weil der Wunsch nach Autonomie schon so lange in Grönland präsent sei. „Aber aktuell scheint die Bewegung an Schwung verloren haben.“
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