Der Vorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, will seine Partei auch für Verbrenner-Fahrer und Fleischesser attraktiver machen. In einem Interview mit der Februar-Ausgabe des „Playboy“ sprach der Politiker darüber, von Teilen der Gesellschaft als „moralisierend“ wahrgenommen zu werden.

„Viele haben das Gefühl: Die Grünen mögen uns nicht. Die nehmen uns nicht so, wie wir sind“, sagte der 36-Jährige im Gespräch. Politik ohne Moral habe zwar nach seiner Auffassung keine Basis, aber bei dieser Moral gehe es nicht um den einzelnen Bürger und seine Entscheidungen. „Es geht darum, Strukturen zu verändern“, so Banaszak.

„Wie soll ich denn jemandem vorwerfen, in den Urlaub oder zu Verwandten zu fliegen, wenn die Deutsche Bahn nicht zuverlässig funktioniert? Wie will ich denn Menschen zum Vorwurf machen, dass sie ihren alten Verbrenner so lange wie möglich weiterfahren, wenn es keine ausreichende Ladeinfrastruktur für Elektroautos gibt?“, fragte er im „Playboy“. Es sei der „Job von Politik“, so etwas zu verändern.

Banaszak beklagte auch Angriffe des politischen Gegners. „Man darf nicht unterschätzen, wie wirksam einige Kampagnen waren, die gegen uns gespielt wurden“, sagte er. „Markus Söder behauptet ja immer noch, die Grünen wollten irgendwem das Fleisch verbieten, dabei gibt und gab es diesen Plan nicht. Die selbstkritische Frage, die wir uns zumuten müssen, ist, warum verfängt das?“

Der Grünen-Chef kritisierte die Selbstinszenierung von Söder in den sozialen Medien: „Dieser Food-Porn, dieses obsessive Wurstessen, darüber versucht er den Eindruck zu erwecken, dass das der zentrale Konfliktpunkt in unserer Gesellschaft sei. (...) Aber das ist doch nicht Politik. Wer Politik als Ego-Inszenierung missversteht, nimmt die Leute nicht ernst, für die er Verantwortung trägt“. Schon der ehemalige Vize-Kanzler und Parteikollege Habeck hatte Söder „fetischhaftes Wurstgefresse“ vorgehalten.

Sorgen bereitet Banaszak laut eigener Aussage der Social-Media-Erfolg des AfD-Politikers Maximilian Krah. Mit Videos über Männlichkeitsbilder („Echte Männer sind rechts“) ist Krah zu einem der prominentesten politischen Gesichter unter jungen Menschen geworden.

„Für mich ist moderne Männlichkeit breit gefächert, und vor allem ist sie Freiheit: Du kannst im Fitness-Studio pumpen gehen oder dir die Fingernägel lackieren. Von mir aus geh‘ mit lackierten Fingernägeln pumpen“, entgegnete Banaszak. „Du kannst Lastenrad fahren oder BMW X3. Alles fein, der zentrale Punkt ist doch: Sei kein Arschloch!“

Laut „Playboy“ hatten Grünen-Politiker Interviews mit dem Magazin in den vergangenen 13 Jahren stets abgelehnt. Banaszak begründete den Schritt damit, Leute außerhalb seiner „Bubble“ ansprechen zu wollen. „Als feministisches Speerspitze ist Ihr Magazin ja nicht bekannt“, sagte er.

Zuvor hatte seine Parteikollegin Ricarda Lang unter ihren Followern für Rätselraten gesorgt, als sie Werbung für das Gespräch machte. In einem von ihr veröffentlichten Video betrat sie einen Kiosk und fragte „Haben Sie zufällig den ‚Playboy‘?“, bevor sie das Geschäft mit dem Heft in der Hand verlässt.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.