Hass-Kommentare gegen Sportler sind nach Ansicht des Vereins "Athleten Deutschland" ein weitreichendes Problem. Geschäftsführer Johannes Herber, ehemaliger deutscher Basketballspieler, sagte MDR AKTUELL, vor allem in Sportarten, die medial sehr präsent sind, würden Athletinnen und Athleten unter Anfeindungen im Netz leiden. Diese reichten von persönlichen Abwertungen nach schlechten Leistungen über verbale sexualisierte Gewalt gegen Frauen bis hin zu Morddrohungen. Herber bezog sich dabei auf den Fall des Eishockey-Nationalspielers Moritz Müller, der vor zwei Jahren eine Morddrohung gegen seine Familie öffentlich gemacht hatte.
Voigt macht aufmerksam – und Social-Media-Pause
Auch zuletzt hatten mehrere Olympia-Athleten auf Hass-Botschaften aufmerksam gemacht, darunter die Thüringerin Vanessa Voigt, die bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo zum deutschen Biathlon-Kader gehört. Die Athletin aus Rotterode gewann zum Auftakt der Spiele die Bronzemedaille mit der Mixed-Staffel. Nun verordnete sie sich jedoch eine Social-Media-Pause. "Hier wird es jetzt ruhig – mein Fokus liegt woanders. Die Menschen, die wirklich zählen, wissen, wie sie mich erreichen", schrieb sie.
Auch Ski-Rennfahrerin Emma Aicher und Skisprung-Olympiasieger Philipp Raimund hatten auf Hass-Kommentare hingewiesen. Nach Ansicht des Vereins "Athleten Deutschland" sind Sportler fast gezwungen, soziale Medien zu nutzen, weil das mitunter auch von Sponsoren und Verbänden gefordert werde. Social Media sei ein fast unerlässliches Werkzeug, um sich bekannter zu machen. Geschäftsführer Herber nahm deshalb die Verbände in die Pflicht: Diese müssten eine Fürsorgepflicht einnehmen.
DOSB nutzt Künstliche Intelligenz gegen Hass-Kommentare
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) setzt derweil wie schon vor zwei Jahren bei den Sommerspielen in Paris auf Künstliche Intelligenz, um Hass-Kommentare schnell herauszufiltern. Herber sagte, in Paris habe man auf diese Weise über 4.000 Kommentare herausgefiltert, jetzt seien es schon 1.300. Laut Olaf Tabor, Leistungssport-Vorstand des DOSB, werden nun einige der Hass-Kommentare von der Staatsanwaltschaft untersucht: "Unsere Befürchtungen, dass sich dieses Thema weiter verschärfen wird, sind leider wahr geworden."
MDR/SID/dpa (mze)
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