- Eltern erhalten durch die Mütterrente einen Zuschlag zur regulär nach dem Lebensleistungsprinzip berechneten Rente.
- Wirtschaftswissenschaftler Raffelhüschen fordert eine stärkere Kopplung der Rente an die Kinderzahl und sieht wegen der hohen Kinderkosten ein Gerechtigkeitsproblem zulasten von Familien.
- SPD-Politiker Rützel warnt vor einer Spaltung zwischen Eltern und Kinderlosen und plädiert für ein solidarisches Rentensystem.
Es ist bereits jetzt schon so: Wer Kinder hat, wird später bei seiner Rente bessergestellt. Das regelt die sogenannte Mütterrente. Sie ist keine eigenständige Rente, sondern ein Zuschlag zur Altersrente. Die Höhe hängt vom Geburtsjahr des Kindes ab. Ist es beispielsweise nach 1992 geboren, erhält die Mutter für drei Jahre Erziehungszeit drei Entgeltpunkte extra. Das entspricht etwa 120 Euro zusätzlich.
Abgesehen davon werde Rente nach dem Lebensleistungsprinzip ausgezahlt, so der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen: "Das heißt: Wer viel zahlt, bekommt viel. Wer wenig zahlt, bekommt wenig. Wer durchschnittlich zahlt, kriegt eine durchschnittliche Rente und das wird dann aufgestockt durch die Mütterrente. Das ist unser Familien-Komponententeil in der Rentenversicherung."
Förderung von Familien mit Kindern
Der Wirtschaftswissenschaftler findet, dass man den Familien-Komponententeil weiter stärken sollte, indem man die Auszahlung an die Kinderzahl knüpft. Das aber sei politisch schwer durchzubekommen, sagt Raffelhüschen.
Die Förderung von Familien mit Kindern, erfolge vor allem durch das Steuersystem: "Man kann sich sicher darüber streiten, ob wir mehr Familienförderung brauchen. Aber die Familienförderung gestalten wir eigentlich durch das Steuersystem. Im Steuersystem ist es so: wir alle zahlen ein. Der Reiche zahlt mehr ein und der Arme weniger und alle zusammen finanzieren die familienpolitischen Leistungen." So würden die starken Schultern für die Kinder aller immer mehr zu schultern haben.
Dennoch, so Raffelhüschen, bedeute das Großziehen von Kindern erhebliche finanzielle Ressourcen, und er sieht darin ein Gerechtigkeitsproblem. "Man muss sich klarmachen: Ein Kind kostet in Deutschland im Durchschnitt, bis es selbst auf den Beinen steht, 150.000 Euro. Das heißt, Kinderlose haben im Verhältnis zum Durchschnitt, der 1,5 Kinder hat, im Prinzip über 200.000 Euro mehr. Kinderlose habe Möglichkeiten, Ersparnisse zu bilden, die weit über das hinausgehen, was Familien sparen können. Denn die knapsen oftmals am Rand."
Solidarisches System
Bernd Rützel, Mitglied SPD-Bundestagsfraktion und Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales, möchte nicht, dass Eltern und kinderlose Menschen gegeneinander ausgespielt werden: "Denn alle leisten ihren Beitrag in unseren Sozialversicherungen. Kinderlose Menschen können oftmals auch mehr arbeiten und dadurch zahlen sie auch mehr in die Sozialversicherungen ein. Auf der anderen Seite pflegen auch sie Angehörige. Unser Rentensystem erkennt besondere Leistungen von Eltern an. Drei Entgeltpunkte gibt es zusätzlich pro Kind."
Er wolle ein Rentensystem, dass für alle Menschen, die arbeiten und Kinder erziehen, anständige Renten auszahle. Ohne Spaltung, betont der SPD-Politiker.
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