Nach dem Zollurteil in den USA und neuen Ankündigungen von Präsident Donald Trump will das Europaparlament die Arbeit an der Umsetzung einer zuvor geschlossenen Handelsvereinbarung mit Washington pausieren. Die Abgeordneten einer breiten Mehrheit der Fraktionen sprachen sich vor einer Sitzung am Montag für einen solchen Schritt aus. Das Parlament stimmt damit vorerst nicht über eine Abschaffung der EU-Zölle auf US-Industrieprodukte ab.

Trump hatte am Samstag angekündigt, seine vom Obersten Gerichtshof der USA gekippten Zölle durch einen neuen Sonderzoll von 15 Prozent zu ersetzen. Der US-Präsident löste damit Unsicherheit aus: Der neue Aufschlag könnte zusätzlich zum bestehenden Zöllen greifen, die es schon vor Trump gab. Der effektive Zollsatz wäre damit höher als 15 Prozent.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD), sprach bereits am Sonntag von „reinem Zollchaos seitens der US-Regierung“. Es sei unklar, ob Trump mit seinen Ankündigungen gegen eine Vereinbarung verstoße, welche die EU und die USA im vergangenen Sommer geschlossen hatten. Die USA hatten damals einen Zollsatz von 15 Prozent zugesagt, die EU versprach im Gegenzug eine Abschaffung der Zölle auf US-Industrieprodukte.

Die EU hat ihr Versprechen bislang allerdings nicht eingelöst, derzeit verhandelt das EU-Parlament über die Umsetzung. Die Abgeordneten wollen diese Arbeit auf Langes Vorschlag nun auf Eis legen. Die Kommission solle zunächst „klarstellen, welche Bedingungen unter dem neuen Zollsatz gelten“, sagte die zuständige konservative Abgeordnete Zeljana Zovko der Nachrichtenagentur AFP.

Auch die zuständigen Abgeordneten von Liberalen und Grünen sprachen sich dafür aus, vorerst nicht über die Abschaffung der Zölle zu entscheiden. „Zu befürchten steht, dass Trump seine Befugnisse so lange überdehnt, bis er einen neuen rechtlichen Weg für seine ungerechtfertigten Zölle gefunden hat“, warnte die Grünen-Abgeordnete Anna Cavazzini.

Die Bundesregierung forderte die EU auf, eine gemeinsame Position zu den ⁠neuen US-Zöllen finden. Unternehmen bräuchten Planungssicherheit. „Deswegen brauchen wir Klarheit“, sagt Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. Die Beratungen mit den EU-Partnern und der Europäischen Kommission liefen. Es gehe zunächst darum, die US-Position zu verstehen. Es brauche eine schnelle Klärung.

Der deutsche Ökonom Daniel Stelter wertete die Entwicklung als eher positiv: „Ein Deal ist besser als kein Deal. Vor dem Hintergrund bin ich mir nicht so sicher, ob es wirklich so smart ist, den Deal platzen zu lassen. Ich würde eher versuchen, den Deal auf unserer Seite weiter voranzutreiben, statt jetzt zu sagen: Wir brechen es quasi ab“, sagte Stelter WELT TV. Trump werde weitermachen: „Das größte Problem, das wir zurzeit haben, sind nicht unbedingt Zölle als solches, sondern die erhebliche Unsicherheit, die die Wirtschaft belastet.“ Hier wäre Sicherheit besser als „ein weiteres Hin und Her“.

Die EU-Abgeordneten wollten sich bei einem Treffen am frühen Montagnachmittag offiziell auf eine Pause bei der Umsetzung verständigen. Auch ohne eine Unterbrechung hätten die Verhandlungen noch mehrere Monate gedauert: Es wären noch Verhandlungen im Handelsausschuss sowie mit den 27 EU-Ländern nötig.

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