Donald Trump hat nach etwas mehr als einem Jahr im Amt eine extrem positive Bilanz gezogen. In der jährlichen Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress bezeichnete der US-Präsident sein Land als so erfolgreich und stark wie nie zuvor. Seinen Wählern stellte er für die anstehenden Midterms wirtschaftliche Entlastungen in Aussicht.

„Unsere Nation ist größer, besser, reicher und stärker als je zuvor“, sagte Trump. „Sie haben noch nichts gesehen“, fuhr er fort. „Wir werden immer besser und besser werden. Das ist das goldene Zeitalter Amerikas.“ Schon in der Rede zu seiner Amtseinführung hatte er ein goldenes Zeitalter der USA ausgerufen.

Trump begann seine Rede mit einer Beschreibung einer Nation, die seiner Meinung nach floriert. „Heute ist unsere Grenze sicher, unser Geist ist wiederhergestellt. Die Inflation sinkt, die Einkommen steigen schnell“, sagte Trump. „Die Wirtschaft brummt wie nie zuvor, und unsere Feinde haben Angst. Unser Militär und unsere Polizei sind gut aufgestellt, und Amerika wird wieder respektiert, vielleicht wie nie zuvor.“

Mehrfach verwies der US-Präsident auf die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli, auf die Ausrichtung Fußball-WM in diesem Sommer und auf die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles – Großereignisse, auf die sich Trump freut und die seiner Ansicht nach zu seinem boomenden Land passen.

Trump: „Bitte, bitte, bitte, Herr Präsident, wir gewinnen zu viel“

„Unser Land gewinnt wieder. Tatsächlich gewinnen wir so sehr, dass wir gar nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen. Die Leute sagen zu mir: Bitte, bitte, bitte, Herr Präsident, wir gewinnen zu viel. Wir halten das nicht mehr aus“, sagte Trump. Dann begrüßte er das US-amerikanische Herrenhockeyteam, das bei den Olympischen Winterspielen Gold gewonnen hatte, unter Applaus auf der Zuschauertribüne des Repräsentantenhauses.

Immer wieder erntete Trump während seiner Rede Applaus und „USA-USA“-Rufe der Republikaner. Demokratische Abgeordnete blieben sitzen oder boykottierten die Rede ganz, indem sie an Gegenveranstaltungen teilnahmen. Der demokratische Abgeordnete Alexander „Al“ Green hielt zu Beginn ein Plakat mit der Aufschritt „Schwarze Menschen sind keine Affen“ hoch, um gegen ein rassistisches Video zu protestieren, das Trump geteilt hatte.

In der mit 108 Minuten historisch längsten Rede zur Lage der Nation (im vergangenen Jahr sprach Trump 100 Minuten) widmete der 79-Jährige sich den meisten derzeit entscheidenden Politikfeldern. Eine Übersicht.

Wirtschaft und Zölle

„Die Wirtschaft boomt wie nie zuvor“, sagte Trump. Er lobte die niedrigen Benzinpreise, Hypothekenzinsen, Preise für verschreibungspflichtige Medikamente und den boomenden Aktienmarkt: „Millionen und Abermillionen Amerikaner profitieren davon. Alle sind im Aufwind, und zwar ganz oben.“

Einmal mehr pries der Präsident seine „Big Beautiful Bill“ aus dem vergangenen Jahr. Damit habe er die Steuern für viele Amerikaner gesenkt und Trinkgelder sowie Überstundenzuschläge steuerfrei gestellt. Mit sogenannten Trump-Depots unterstütze seine Regierung den Vermögensaufbau für Kinder am Aktienmarkt – inklusive Startkapital von 1000 Dollar.

Die Bürger könnten noch mehr von seiner Politik profitieren, wenn der Oberste Gerichtshof seine Zollpolitik am Freitag nicht gekippt hätte, sagte Trump. Er sprach von einem „unglücklichen Urteil“, einem „sehr unglücklichen Urteil“.

Vier der neun Richter waren bei der Rede zur Lage der Nation anwesend, darunter auch Amy Coney Barrett. Trump begrüßte die Richter und auch Coney Barrett, die 2020 von Trump ernannt worden war, nun aber gegen die Zölle geurteilt hatte.

Iran und Atomverhandlungen

Seine Rede zur Lage der Nation fokussierte sich vor allem auf Innenpolitik. Wohl auch deshalb machte er den Amerikanern klar, warum er nur acht Monate nach einem US-Angriff auf iranische Atomanlagen erneut über einen Militärschlag nachdenkt. „Wir haben sie ausgelöscht, und sie wollen wieder von vorne anfangen. Und gerade jetzt verfolgen sie wieder ihre finsteren Ambitionen“, sagte Trump.

Die Iraner hätten „bereits Raketen entwickelt, die Europa und unsere Stützpunkte in Übersee bedrohen können, und sie arbeiten daran, Raketen zu bauen, die bald die Vereinigten Staaten von Amerika erreichen werden.“ Er wolle verhindern, dass Teheran die USA bedrohe und eine Atommacht werde.

„Ich werde niemals zulassen, dass der weltweit größte Förderer des Terrors, der sie bei weitem sind, eine Atomwaffe besitzt. Das kann ich nicht zulassen“, sagte er. Und weiter: „Wir befinden uns in Verhandlungen mit ihnen. Sie wollen einen Deal machen.“ Allerdings habe er noch keine Zusage der iranischen Regierung erhalten, auf Atomwaffen zu verzichten.

Nato, Grönland und Ukraine

Den nunmehr seit vier Jahren andauernden Ukraine-Krieg streifte Trump nur für einige Sekunden, über Grönland sprach der US-Präsident gar nicht.

Das Fünf-Prozent-Ziel der Nato verbuchte Trump als sein Erfolg. „Unsere Freunde und Verbündeten“ hätten auf seine dringende Bitte hin zugestimmt, fünf Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für militärische Verteidigung auszugeben. Beim Nato-Gipfel im vergangenen Juni wurde vereinbart, mindestens 3,5 Prozent des BIP für Verteidigung auszugeben und 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Ausgaben – beispielsweise für Infrastruktur.

Migration

„Die erste Pflicht der amerikanischen Regierung ist es, amerikanische Bürger zu schützen“ – und nicht Ausländer, die sich illegal in den USA aufhielten, sagte Trump. Er forderte die Demokraten auf, ein Budget für das US-Heimatschutzministerium zu billigen. Wegen der Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE konnten sich Demokraten und Republikaner bisher nicht auf einen Haushalt für das Ministerium einigen.

Mexiko

Auch auf die Tötung des mexikanischen Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, besser bekannt als „El Mencho“, spielte Trump an. „Wir haben auch einen der finstersten Kartellbosse überhaupt ausgeschaltet. Das haben Sie gestern gesehen.“ Oseguera Cervantes war am Sonntag getötet worden, Kartellmitglieder überzogen Mexiko mit einer Welle der Gewalt.

Venezuela

Fast zwei Monate nach der Festnahme von Nicolás Maduro durch das US-Militär bezeichnete Trump Venezuela als Verbündeten. „Wir haben von unserem neuen Freund und Partner, Venezuela, gerade mehr als 80 Millionen Barrel Öl erhalten“, sagte er. Trump will die riesigen Ölvorkommen Venezuelas zugunsten der USA nutzen.

Politische Gewalt

Der US-Präsident forderte sein Land auf, politische Gewalt jeder Art abzulehnen. In Erinnerung an den erschossenen rechten Aktivisten Charlie Kirk müssten alle zusammenkommen, um zu bekräftigen, dass „Amerika eine Nation unter Gott“ sei, sagte Trump. Witwe Erika Kirk war als Gast anwesend. Als Trump auf Kirk im Publikum hinwies und die Aufmerksamkeit auf sie richtete, hörte man „Charlie“-Rufe.

Künstliche Intelligenz

Große Techkonzerne sollen verpflichtet werden, ihren wachsenden Strombedarf für KI künftig selbst zu decken. Die Firmen könnten Kraftwerke für ihre Rechenzentren direkt an den jeweiligen Standorten errichten, sagte Trump. So solle verhindert werden, dass die Strompreise für Verbraucher steigen – in manchen Regionen könnten sie sogar sinken, mutmaßte er.

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