Politiker mehrerer Fraktionen haben die AfD im Bundestag mit Vorwürfen der Vetternwirtschaft konfrontiert. Der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz beklagte ein „hochgradig illegitimes und in weiten Teil wahrscheinlich auch illegales umfassendes Versorgungssystem für Angehörige“. Es gebe Abgeordnete der AfD, „die stellen ernsthaft halbe Fußballmannschaften ein“. Von Notz sprach von „Organisierter Kriminalität“ und „Missbrauch von Steuergeld als Fall für die Staatsanwaltschaft“. Die AfD sei „garantiert keine Alternative für irgendwas“, sondern „ein krimineller Skandalnudel-Verein erster Kategorie“.
Johannes Fechner (SPD) sprach ebenfalls von einem „Skandal“. Er gab zu, dass es in anderen Parteien in der Vergangenheit schwarze Schafe gegeben habe. Der Unterschied sei: „Wir ziehen die Konsequenzen. Wir schmeißen Straftäter aus den Fraktionen raus. Wir greifen durch, während sie bei Ihnen noch wichtige Posten bekommen.“ Fechner warf der AfD vor, sich den „Staat zur Beute“ zu machen. „Das werden wir verhindern. Und das Ausmaß, wie sehr Sie hier unsere Verwandten versorgt haben, das grenzt an Clan-Kriminalität.“
In der AfD gelte das Prinzip „Family and friends first, Steuerzahler second“, urteilte der CDU-Abgeordnete Martin Plum: „Das alles sind keine Einzelfälle, das alles sind keine Zufälle, das alles hat System. In der AfD werden Steuergelder systematisch in die Taschen der eigenen Familien gelenkt. Was wir hier erleben, das sind Clan-Strukturen in deutschen Parlamenten.“ Es gebe ein „eklatantes Führungsversagen“. Die Parteispitze spiele die Vorwürfe herunter und fasele von Diskriminierung, statt für Aufklärung zu sorgen. „Die AfD ist keine Alternative. Sie ist und sie bleibt einfach nur zum Fremdschämen.“
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Bernd Baumann, wies die Vorwürfe zurück. In seiner Fraktion seien alle Beschäftigungsverhältnisse legal, es gebe rechtlich „nicht das Geringste“ einzuwenden, so Baumann. „Unsere Bundestagsfraktion ist die bei Weitem leistungsstärkste hier im Haus“, sagte er zudem und erntete dafür Gelächter aus anderen Fraktionen. „Wir stellen nur Leute ein, die was leisten, die verlässlich sind und loyal“, so Baumann.
Sein Fraktionskollege Enrico Komning warf anderen Parteien ihrerseits Vetternwirtschaft vor. Der CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, habe den Vater seines Patenkindes angestellt. Der Trauzeuge von Hubertus Heil sei Abteilungsleiter in dessen damaligem Ministerium geworden. „Soll ich weitermachen? Ich hab‘ hier einen Zettel ,Vetternwirtschaft in anderen Parteien und Fraktionen‘“, rief Komning und hielt sein Manuskript in die Höhe. Mehr als 20 Fälle stünden darauf.
Seit mehreren Wochen sieht sich die AfD mit Vorwürfen der Vetternwirtschaft in den eigenen Reihen konfrontiert. Bundesweit werden immer mehr Fälle bekannt, in denen Familienangehörige von AfD-Politikern bei anderen AfD-Abgeordneten beschäftigt worden sind. Kritik war auch aus der Partei selbst gekommen. So hatte der Bundestagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt aus Sachsen-Anhalt Parteikollegen Vetternwirtschaft vorgeworfen und von einer „Beutegemeinschaft“ gesprochen. Gegen Schmidt läuft ein Parteiausschlussverfahren. Die Bundestagsfraktion hat zudem zum Wochenbeginn ein Ordnungsverfahren eingeleitet, das zu seinem Ausschluss aus der Fraktion führen könnte.
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