Begleitet von Protesten ist der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke in Reutlingen aufgetreten. Rund 4000 Menschen protestierten vor dem Beginn des AfD-Programms mit Sprechchören vor der Veranstaltungshalle. Die Teilnehmer hatten Transparente mit den Botschaften „Wer AfD wählt weiß, dass er Nazis wählt“ und „Björn Höcke ist ein Nazi“ dabei.
Laut Polizei wurden elf Personen, die sich während der Versammlung vermummt hatten, vorübergehend festgenommen. Ihnen wurden Platzverweise erteilt. Dabei kam es in einem Fall zum Widerstand gegen die Einsatzbeamten. Einmal wurde demnach Pfefferspray eingesetzt. Ein Polizeibeamter wurde bei der Abwehr einer Fahnenstange leicht verletzt, konnte seinen Dienst aber fortsetzen. Strafverfahren seien eingeleitet worden. Ein Teil der Teilnehmer – größtenteils aus dem linken politischen Spektrum – zogen unter Polizeibegleitung in Richtung Bahnhof.
Die Polizei war auf Konflikte vorbereitet. Die Zahl der eingesetzten Kräfte bezifferte die Polizei im „deutlich dreistelligen Bereich“. Auch mit Pferden und Hunden waren Beamte unterwegs. Flutlicht wurde aufgebaut.
Der Thüringer AfD-Chef ist umstritten. Zweimal wurde er wegen der Verwendung einer verbotenen Nazi-Parole rechtskräftig verurteilt. In Thüringen wird die AfD vom dortigen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.
Der Kreisverband hatte Höcke eingeladen
Der AfD-Kreisverband Reutlingen um den Direktkandidaten Maximilian Gerner hatte Höcke in die Wittumhalle im Ortsteil Rommelsbach eingeladen. AfD-Landeschef Markus Frohnmaier war nicht anwesend. Neben Höcke sprachen auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Zaum aus NRW und der AfD-Landtagsabgeordnete Sandro Scheer aus Stuttgart. Ihre Beiträge wurden in der mit mehr als 700 Menschen voll besetzten Veranstaltungshalle immer wieder von starkem Applaus begleitet.
Die Wittumhalle wurde vor wenigen Tagen von Unbekannten beschädigt und mit Farbbeuteln beworfen. Der Schaden beläuft sich nach Schätzungen der Polizei auf mehrere Tausend Euro. Gerner veröffentlichte auf Instagram Fotos und schrieb dazu: „Wer uns einschüchtern will, erreicht das Gegenteil.“
Am Samstagabend machte Gerner unter anderem auf Instagram einen neuen Fall öffentlich und stellte einen zeitlichen Zusammenhang mit der Höcke-Veranstaltung her. An einer Anschrift Gerners habe es eine Sachbeschädigung mit Farbschmierereien und beleidigendem Inhalt gegeben, bestätigte ein Sprecher der Polizei am Sonntag. Es sei eine Anzeige aufgenommen worden und es werde nun entsprechend ermittelt. Die genaue Tatzeit sei nicht bekannt, sagte der Sprecher der Polizei.
Zuletzt hatte es in Nordrhein-Westfalen große Proteste gegen einen Auftritt Höckes in Düsseldorf gegeben. Tausende Menschen demonstrierten dort unter anderem mit einem Motivwagen des aus dem Karneval bekannten Künstlers Jacques Tilly und Chören. Zu den Protesten hatte ein „Bündnis Gemeinsam und Solidarisch gegen Rechts – in Reutlingen und Tübingen“ und „Reutlingen bleibt BUNT“ aufgerufen.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.