Die Kriminalitätsstatistik für 2025 bietet für Nordrhein-Westfalen keinen Grund zum Aufatmen: Zwar sank die Zahl aller erfassten Straftaten um drei Prozent auf knapp 1,4 Millionen Fälle im Vergleich zu 2024. Weniger Gewalt-, Diebstahls- und Einbruchdelikten stehen allerdings höhere Fallzahlen bei Totschlag und Sexualdelikten gegenüber. Besonders besorgt äußerte sich NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zu steigenden Zahlen bei sexuellem Missbrauch sowie Missbrauchsabbildungen von Kindern.
Im Folgenden wesentliche Punkte der Kriminalitätsentwicklungen:
Entgegen dem allgemeinen Trend stieg die Zahl der Mord- und Totschlagsdelikte insgesamt um 29 auf 508 Fälle. Totschlag kostete 130 Menschen ihr Leben, weitere 52 wurden ermordet (2024: 58). Bei einem Großteil der Fälle blieb es beim Versuch. Fast alle Taten (93 Prozent) werden aufgeklärt.
49 Menschen sind im vergangenen Jahr durch Messer getötet worden – ein Todesopfer mehr als 2024. „Keine Entwarnung: Messerkriminalität ist und bleibt ein Problem“, räumt der Innenminister ein. Fast 7200 Mal sei ein Messer als Tatmittel eingesetzt worden – ein leichter Rückgang von 1,5 Prozent. Rund 9000 Opfer wurden erfasst – 67 Prozent von ihnen blieben unverletzt, weitere 26 Prozent leicht verletzt. „Ein Messer ist kein Statussymbol, das einen männlicher macht“, betonte Reul. Eine solche Waffe gehöre nicht in die Hosentasche.
Die Zahl aller Gewaltdelikte ist insgesamt um 1,8 Prozent auf 159.000 gesunken - 84 Prozent konnten aufgeklärt werden. „Auch, weil sich die Beteiligten oft gegenseitig anzeigen“, erklärte Reul.
Dagegen ist die Zahl der Sexualdelikte um 5,2 Prozent auf mehr als 32.000 gestiegen – mehr als doppelt so viele wie 2019. „3784 Menschen sind im vergangenen Jahr Opfer dieser abscheulichen Taten geworden“, sagte der CDU-Politiker laut des „Kölner Stadtanzeigers“ – rund ein Drittel in der Ehe oder Partnerschaft.
Eine Ursache für Vergewaltigungen sieht Reul in „toxischer Männlichkeit“. Er mahnt: „Ein Übergriff ist ein Übergriff, kein Flirt“. Niemand müsse das ertragen – „nicht vom Partner, nicht vom Chef, nicht vom Lehrer.“ Wer betroffen sei, solle sich melden. Immerhin kläre die Polizei vier von fünf Vergewaltigungen auf.
Beim sexuellen Missbrauch von Kindern registrierte die Polizei ein Plus von 2,7 Prozent auf mehr als 4.500 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt hier bei etwa 83 Prozent.
Bei Missbrauchsabbildungen von Kindern verzeichnete die Polizei mit mehr als 9800 Fällen neun Prozent mehr. Im Sechs-Jahres-Vergleich haben sich die Zahlen in diesem Deliktbereich sogar verdoppelt. Dabei sei aber auch zu berücksichtigen: „Wer in diesem Bereich tief wühlt, findet auch mehr.“ Als besonders besorgniserregend wertete Reul, dass von rund 7700 ermittelten Tatverdächtigen mehr als 20 Prozent Kinder und weitere rund 22 Prozent Jugendliche gewesen seien.
Rückläufig sind auch Fälle von Raub und Straßenkriminalität. „Unsere Straßen und Plätze sind sicherer geworden“, folgert Reul daraus. „Das entspricht nicht immer der Gefühlslage, aber die Fakten sind klar.“
Die Zahl der Wohnungseinbrüche sinkt ebenfalls weiter – im Jahresvergleich um drei Prozent auf rund 27.500 Fälle – fast eine Halbierung gegenüber 2016. Homeoffice, Aufklärung und Prävention zeigten ihre Wirkung, analysierte Reul. Der Wermutstropfen: Die Aufklärungsquote liegt hier nur bei zwölf Prozent. „Da müssen wir besser werden.“
Nahezu eine halbe Million und damit gut ein Drittel aller Straftaten sind Diebstähle. Beim Ladendiebstahl gibt es ein Minus von rund acht Prozent auf etwa 92.000 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt über 90 Prozent.
Beim Taschendiebstahl gibt es ein erfreuliches Minus von elf Prozent: etwa 4400 Fälle weniger als 2024. Weniger erfreulich ist die maue Aufklärungsquote von sechs Prozent, „weil die Täter über alle Berge sind, bis man feststellt, dass die Geldbörse fehlt“, erläuterte Reul. Gründe für den statistischen Rückgang: Die Leute achteten besser auf ihre Taschen und da weniger Bargeld unterwegs sei, sei dieses Delikt nicht mehr so lohnend.
Polizei in NRW wertet seit Sommer zweite Staatsangehörigkeit aus
Seit Sommer 2025 wertet die Polizei in NRW auch aus, welche Tatverdächtigen neben der deutschen noch eine zweite Staatsangehörigkeit haben. Das treffe auf jeden sechsten zu, berichtete Reul. Die drei häufigsten Doppelstaatsangehörigkeiten seien die türkische, polnische und die russische.
Bei Sexualstraftaten hatten rund 27 Prozent keinen deutschen Pass, schreibt der „Kölner Stadtanzeiger“. „Vorne dabei sind Tatverdächtige aus Syrien, der Türkei, Afghanistan und aus dem Irak. Auch das gehört zur Wahrheit“, erklärte Reul demnach. „Wer vergewaltigt, wer sexuell übergriffig ist, wer nicht weiß wohin mit seinem Testosteron und seine Triebe nicht im Griff hat, hat auf unseren Straßen nichts verloren“, fügte der NRW-Innenminister hinzu.
NRW geht mit seiner besonders detaillierten Erfassung einen bundesweiten Sonderweg. „Wer sachlich über Kriminalität sprechen möchte, braucht eine präzise Datengrundlage“, argumentierte Reul. Wer bei bestimmten Delikten Muster erkenne, müsse sie ohne Scheuklappen benennen.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die SPD-Opposition sehen in den Zahlen keinen Anlass, sich zurückzulehnen. Die GdP forderte mehr Personal in den Wachen und Kommissariaten. Ähnlich äußerte sich die SPD-Fraktion, die „keinen Grund zur Entwarnung“ sieht.
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