Der Iran-Krieg wird bisher aus der Luft und auf See geführt, doch bald könnte im Nordwesten der islamischen Republik eine Bodenoffensive bevorstehen. Kurdische Gruppen im Nordirak bereiten sich nach Angaben der Nachrichtenagentur AP, des Portals „Axios“ und der „New York Times“ auf einen möglichen Militäreinsatz im Iran vor.

Besonders kampfbereit sind offenbar kurdisch-iranische Dissidentengruppen in der halbautonomen kurdischen Region im Nordirak. Gegenüber WELT sprachen Vertreter kurdisch-iranischer Gruppen von einer „Offensive auf breiter Front und einer unerwartet großen Streitmacht“. Kurdisch-irakische Vertreter hingegen sind noch zurückhaltend, was eine mögliche Bodenoffensive angeht.

Ein Vertreter der kurdisch-iranischen Partei für die Freiheit Kurdistans (PAK), Chalil Nadiri, sagte am Mittwoch, Teile ihrer Truppen seien in Gebiete nahe der iranischen Grenze in der Provinz Suleimanija verlegt worden und hielten sich in Bereitschaft. Ein Vertreter der Komala, einer weiteren kurdisch-iranischen Gruppe, erklärte, ihre Kräfte seien bereit, innerhalb von einer Woche bis zehn Tagen die Grenze zu überschreiten, und warteten auf geeignete Bedingungen.

PAK-Vertreter Nadiri sagte, US-Vertreter hätten wegen eines möglichen Einsatzes Kontakt zu Anführern kurdischer Oppositionsgruppen aufgenommen, nannte jedoch keine Details. Wie die „New York Times“ berichtet, soll die CIA kurdische Gruppen vor Kriegsausbruch mit leichten Waffen beliefert haben.

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Angesprochen auf Berichte, wonach die US-Regierung eine Bewaffnung kurdisch-iranischer Gruppen erwägt, sagte Kriegsminister Pete Hegseth am Mittwoch: „Keines unserer Ziele basiert auf der Unterstützung oder Bewaffnung irgendeiner bestimmten Gruppierung.“

Sollten die Kurden in den Krieg eingreifen, würde sich für Teheran eine weitere Front eröffnen. Kurdische Kämpfer haben eine lange Geschichte des Aufstandes gegen die Unterdrückung durch die Mullahs der Islamischen Republik, als auch bereits durch Schah Mohammad Reza Pahlavi. Zudem sind sie durch den Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ kampferprobt.

Allerdings würde durch eine Bodenoffensive auch der Irak weiter in den Krieg hineingezogen werden. Der stellvertretende Ministerpräsident des irakischen Kurdistans, Qubad Talabani, erklärte am Dienstag in einer Stellungnahme, er habe in einer Sicherheitssitzung betont, dass die Region „kein Teil des regionalen Konflikts ist und eine neutrale Haltung einnimmt“.

Trump besprach Iran-Pläne mit Kurden-Vertretern

Die AP, „Axios“ und die „New York Times“ berichten auch übereinstimmend, dass US-Präsident Donald Trump in dieser Woche mit zwei irakisch-kurdischen Politikern, Massoud Barzani und Bafel Talabani, telefoniert hat. Sie sind die Vorsitzenden der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), den beiden wichtigsten kurdischen Parteien im Irak. Trump soll sie gebeten haben, einen Einmarsch kurdisch-iranischer Kämpfer aus dem Irak in den Iran zu unterstützen.

Auf die Frage nach dem Anruf und den Berichten, dass Trump um militärische Unterstützung für iranisch-kurdische Gruppen gebeten habe, sagte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt: „Er hat mit kurdischen Führern über unsere Basis im Nordirak gesprochen“. Sie bestritt, dass Trump einem konkreten Plan zugestimmt habe.

Kurden-Vertreter: „Kein einziger irakischer Kurde hat die Grenze überschritten“

Ein Vertreter der Regierung der Autonomen Region Kurdistan widersprach in der Nacht zum Donnerstag Medienberichten über Beteiligung irakisch-kurdischer Gruppen an einer Bodenoffensive. „Kein einziger irakischer Kurde hat die Grenze überschritten“, schrieb Aziz Ahmad, stellvertretender Stabschef von Premier Masrour Barzani (57) bei X. „Das ist offenkundig falsch.“

Ein irakisch-kurdischer Beamte sagte der AP, die irakischen Kurden seien besorgt, dass eine direkte Beteiligung an dem Konflikt eine harte Reaktion des Iran nach sich ziehen würde. Der stellvertretende Ministerpräsident des irakischen Kurdistans, Qubad Talabani, erklärte am Dienstag in einer Stellungnahme, er habe in einer Sicherheitssitzung betont, dass die Region „kein Teil des regionalen Konflikts ist und eine neutrale Haltung einnimmt“.

In den letzten Tagen gab es in der kurdischen Region im Nordirak bereits eine Reihe von Drohnen- und Raketenangriffen des Iran und verbündeter irakischer Milizen, die sich gegen US-Militärstützpunkte und das US-Konsulat in Erbil sowie gegen Stützpunkte kurdischer Gruppen richteten.

Auch in der Nacht zum Donnerstag griffen iranische Streitkräfte erneut kurdische Ziele an. Es seien drei Raketen auf das Hauptquartier oppositioneller Verbände abgefeuert worden, meldete die staatlichen Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf die Militärführung in Teheran.

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