Ökonom und Regierungsberater Jens Südekum hat seinen Plan für eine Kopplung der Rente an Beitragsjahre konkretisiert. „Das Ziel bleibt eine effektive Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Insofern müssten es schon mindestens 45 Jahre sein“, sagte Südekum im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Ich erwarte, dass die Rentenkommission entsprechende Berechnungen aufstellt und Vorschläge macht. Die Festlegung auf eine Jahreszahl ist am Ende natürlich Sache der Politik.“
Das Konzept des persönlichen Wirtschaftsberaters von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) war im Dezember publik geworden. „Ich schlage vor, die starre Altersgrenze für alle, die manche ja gern auf 70 Jahre anheben möchten, was die Gerechtigkeitskluft noch vergrößern würde, durch eine fixe Zahl an Beitragsjahren zu ersetzen“, sagte Südekum der Zeitung. „Nur, wer die erreicht, soll abschlagsfrei in Rente gehen können. Manche würden das schon vor 67 erreichen, manche erst später.“
Südekum: Äquivalenzprinzip bei Rente bleibt erhalten
Der Wirtschaftswissenschaftler wies den Vorwurf, er wolle Akademiker bestrafen, zurück. „So ist es mitnichten“, sagte er in dem Interview. Auch das sogenannte Äquivalenzprinzip bliebe bestehen. „Was an Rente rauskommt, hängt von der Höhe der Einzahlungen beziehungsweise den gesammelten Rentenpunkten ab. Ausbildungsjahre und die Regelstudienzeit, aber auch Zeiten der Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen könnten wie gehabt angerechnet werden, etwa um Frauen besser zu stellen.“
Wer früher aufhören wolle, könne das tun, müsse aber mit Abschlägen bei der gesetzlichen Rente leben. „Wer dank Studium gut verdient hat, kann allerdings auch wesentlich leichter privat vorsorgen“, sagte Südekum.
Ein starres Renteneintrittsalter, das aktuell bei 67 liegt, sei aus zwei Gründen problematisch. „Zum einen: Wer mit 17 anfängt, muss bis 67 fünf Jahrzehnte lang schuften. Langzeitstudenten arbeiten womöglich nur 30 oder 35 Jahre bis zum regulären Renteneintrittsalter“, sagte Südekum. Zum zweiten lebten Leute mit höherem Einkommen – und das seien in der Regel Akademiker – durchschnittlich deutlich länger als Menschen, die körperlich arbeiten. „Besserverdiener zahlen also nicht nur kürzer in die Rentenkasse ein, sie beziehen auch noch deutlich länger Rente.“
Auf die Frage, ob er damit rechne, dass sein Vorschlag eine Chance auf Umsetzung habe, sagte der Ökonom zur „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Ja klar. Und ich habe tatsächlich noch nie so viel positive Resonanz, so viele dankbare und anerkennende Briefe und Mails bekommen wie auf diesen Vorschlag.“ Und zwar „hauptsächlich von Leuten, die nicht studiert haben“.
Der Vorschlag sei auch nicht zu kompliziert, findet der Volkswirt. „Fragen des Bestandsschutzes wären juristisch zu klären. Aber wenn die Regierung den Mut zu neuen Wegen aufbringt, sehe ich keine unüberwindbaren Hürden“, so Südekum. „Dann kann das in dieser Legislaturperiode erledigt werden.“
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