Es ist die große Frage dieser Tage: ob kurdische Bodentruppen in den Iran einmarschieren. Nun knüpft ein führender Kurdenvertreter im Nordirak einen möglichen Einsatz an eine zentrale Bedingung: eine internationale Flugverbotszone über den kurdischen Gebieten im Westen Irans. Dies sei nötig, „damit die Islamische Republik nicht aus der Luft angreifen und ihre militärische Überlegenheit ausspielen kann“, sagte Reza Kaabi in einem Interview mit WELT in Erbil.
Kaabi ist der Generalsekretär der Partei Komala of the Toilers of Kurdistan, einer bewaffneten Partei iranischer Kurden mit Sitz in der Region Kurdistan im Irak. Die Partei unterhält eigene Peschmerga-Einheiten und gehört zu den kurdischen Gruppen, die im Fall einer Eskalation Bodentruppen stellen könnten.
Für die weiteren Entwicklungen seien „zum einen die Politik von Präsident Trump, zum anderen die Kurden selbst“ entscheidend. Direkte Gespräche mit der Trump-Regierung habe es nicht gegeben, aber die Forderung nach einer Flugverbotszone sei „verbreitet worden“, sagte er. „Die Forderung ist klar“, sagte er. „Wir erwarten, dass sie umgesetzt wird.“
Ob und wann kurdisch-iranische Kräfte aus dem Irak „auf ihr eigenes Gebiet zurückkehren, entscheidet die jeweilige Lage. Ich glaube, dass wir uns solchen Bedingungen annähern“, sagte Kaabi. Ein solcher Schritt hänge von mehreren Faktoren ab. Neben der Einsatzbereitschaft der Peschmerga müssten die politische Geschlossenheit der kurdischen Parteien gestärkt, die Bevölkerung vorbereitet und vor allem die internationale Unterstützung gesichert sein.
Kaabi verwies auf die Zeit nach dem Golfkrieg 1991. Damals richteten die USA, Großbritannien und Frankreich im Norden des Irak eine Flugverbotszone ein, um kurdische Gebiete vor Luftangriffen Saddam Husseins zu schützen. In der Folge konnte sich in dem militärisch gesicherten Raum die kurdische Autonomieregion entwickeln.
Kaabi ist eine der zentralen Führungspersonen einer kürzlich gegründeten Allianz iranisch-kurdischer Oppositionsparteien, die im Zusammenhang mit einer möglichen Bodenoffensive im Iran immer wieder genannt wird. „Wir (…) kämpfen für den Sturz der Islamischen Republik“, sagte Kaabi über die Ziele des Zusammenschlusses. „Wir fordern einen demokratischen, säkularen und föderalen Iran.“
Die Komala-Partei im Irak ist Teil dieser Allianz und hat eigene militärische Strukturen. „Wir haben drei Lager“, sagte Kaabi. „In diesen drei Lagern sind unsere Peschmerga stationiert, sie wurden ausgebildet und sind bereit. Es sind derzeit ungefähr tausend Kämpfer einsatzbereit.“ Auch die anderen Gruppen der Allianz verfügen über bewaffnete Truppen. Sie werden dezentral geführt; eine zentrale Kommandostruktur ist laut Kaabi aktuell nicht geplant.
Die Haltung der USA mit Blick auf eine mögliche kurdische Bodenoffensive im Iran ist bislang widersprüchlich. Am Donnerstag hatte Trump in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters eine Offensive iranisch-kurdischer Milizen gegen Teheran noch „voll und ganz“ unterstützt. Am Samstag sagte er hingegen: „Ich möchte nicht, dass die Kurden dorthin gehen.“
Die Türkei hatte zuvor gewarnt, dass „durch die Instrumentalisierung ethnischer oder religiöser Gruppen“ ein Bürgerkrieg im Iran ausgelöst werden könne. Das sagte der türkische Außenminister Hakan Fidan am Samstag in Istanbul. Er habe über das Thema auch mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio gesprochen.
Die kurdische Minderheit im Irak steht seit Tagen unter iranischem Beschuss. In Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak, wurde der Flughafen mit Drohnen angegriffen. Zudem gab es zahlreiche Angriffe in Sulaimaniyya nahe der Grenze zum Iran.
Carolina Drüten ist International Security Correspondent.
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