Zwischen Budapest und Kiew entbrennt ein immer heftigerer Streit um den geplanten Besuch einer ungarischen Delegation in der Ukraine, die den Zustand der Ölpipeline „Druschba“ („Freundschaft“) überprüfen will. Weil der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, er wisse nichts von einer solchen Reise, warf ihm Ungarns Außenminister Péter Szijjártó Lüge vor. „Der ukrainische Präsident lügt“, die Ukrainer seien in einer offiziellen Notiz über den anstehenden Besuch informiert worden, schrieb Szijjártó bei Facebook.
Der Konter aus Kiew kam umgehend: „Vielleicht haben sie dort schon vergessen, was bilaterale Beziehungen sind, aber offizielle Besuche sind eine Vereinbarung und keine ‚hingeworfene Notiz‘“, sagte Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn dem Internetportal „Ukrajinska Prawda“ zufolge.
Der Streit dreht sich um die Forderung Budapests nach einer umgehenden Reparatur der durch russische Angriffe beschädigten Ölpipeline „Druschba“. Über diese Leitung floss bis zuletzt russisches Öl über die Ukraine nach Ungarn – trotz des vor vier Jahren von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen das Nachbarland.
Kiew erklärte, die Leitung sei so schwer beschädigt worden, dass sie frühestens in anderthalb Monaten – also nach der Parlamentswahl in Ungarn – wieder in Betrieb gehen könne. Budapest bezweifelt diese Aussage und besteht darauf, die Pipeline selbst in Augenschein zu nehmen. Regierungschef Viktor Orbán versucht, im Wahlkampf mit antiukrainischen Tönen seinen Rückstand in Umfragen aufzuholen.
Selenskyj wirft Orbán Erpressung vor
Selenskyj kritisiert Orbán in einem Interview mit „Politico“ und WELT scharf. „Er steht auf der Seite des russischen Präsidenten“, sagte der ukrainische Präsident.
Orbán blockiere „alles für die Ukraine“: Geld, Waffen und „unseren Weg in die EU“. Es gebe lediglich eine Sache, die er nicht so mache wie Russlands Präsident Wladimir Putin: Ungarn feuere keine Raketen auf die Ukraine ab und schicke keine Soldaten.
Der ukrainische Präsident warf Orbán Erpressung vor. Die Europäische Kommission habe ihm – Selenskyj – gesagt: „Sie wollen russisches Öl, und wenn die Ukraine das russische Öl nicht durchleitet, dann blockieren sie das Geld.“
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