• Schneider: Fortschritte zu langsam
  • Große Herausforderungen: Verkehr und Gebäude
  • Reform des Gebäudeenergiegesetzes sorgt für Streit

Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind 2025 erneut gesunken – allerdings nur um 0,1 Prozent. Das geht aus der Klimabilanz 2025 hervor, die Bundesumweltminister Carsten Schneider gemeinsam mit dem Umweltbundesamt in Berlin vorstellte. Insgesamt wurden 649 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt, rund 0,9 Millionen Tonnen weniger als 2024. Der Rückgang fiel damit geringer aus, als es erste vorläufige Zahlen im Januar vermuten ließen. Dennoch wurde das Jahresziel von 661,6 Millionen Tonnen eingehalten.

Schneider: Fortschritte zu langsam

Schneider sprach von einem "gemischten Bild". Zwar gibt es dem SPD-Politiker zufolge eine wachsende Akzeptanz für Klimaschutztechnologien wie Elektroautos und Wärmepumpen. Zudem seien noch nie so viele Windkraftprojekte genehmigt worden wie im Jahr 2025. Gleichzeitig räumte Schneider ein: "Bei den Emissionen waren die Fortschritte zu langsam." Für das Erreichen der Klimaziele ab 2030 seien deshalb zusätzliche Anstrengungen unverzichtbar.

Deutschland hat Emissionen seit 1990 fast halbiert

Umweltbundesamt-Chef Dirk Messner fordert weitere politische Maßnahmen.Bildrechte: IMAGO / KreativMedia Press

Seit 1990 hat Deutschland seine Emissionen um 48 Prozent reduziert, wie das Umweltbundesamt erklärte. Das gesetzliche Ziel für 2030 sieht eine Reduktion um 65 Prozent vor. Nach aktuellen Projektionen sei dieses Ziel zwar erreichbar – jedoch nur mit weiteren politischen Maßnahmen. Zentral bleibe "eine erfolgreiche Energiewende mit einem weiterhin starken Ausbau der erneuerbaren Energien, den dafür erforderlichen Speicher- und Netzinfrastrukturen und der Elektrifizierung im Verkehr und Gebäude sowie ein gezielter Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft", betonte Behördenchef Dirk Messner.

Ein neues Klimaschutzprogramm der Bundesregierung soll Ende März vorgestellt werden. Die Berechnungen des Umweltbundesamtes werden nun von einem Expertenrat für Klimafragen, einem unabhängigen Wissenschaftler-Gremium, überprüft. Es legt später einen eigenen Bericht vor.

Große Herausforderungen: Verkehr und Gebäude

In den verschiedenen Sektoren zeigt sich ein sehr uneinheitliches Bild. In der Industrie gingen die Emissionen zurück, was vor allem auf die schwache Konjunktur und geringere Produktionsmengen in energieintensiven Branchen zurückzuführen ist. Nahezu unverändert blieben hingegen die Emissionen in der Energiewirtschaft sowie in der Landwirtschaft. Im Verkehrssektor stiegen die Treibhausgase trotz eines wachsenden Bestands an Elektroautos, da der Absatz fossiler Kraftstoffe im Vergleich zum Vorjahr zunahm. Auch im Gebäudebereich erhöhten sich die Emissionen – insbesondere wegen einer kälteren Heizperiode und eines weiterhin zu langsamen Umstiegs auf erneuerbare Energien. Damit bleiben vor allem Verkehr und Gebäude die zentralen Sorgenkinder der deutschen Klimapolitik.

Reform des Gebäudeenergiegesetzes sorgt für Streit

Die geplante Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) durch Union und SPD sorgt für zusätzliche Diskussionen. Kern der Reformpläne: Der Einbau von Gas- und Ölheizungen soll weiterhin möglich bleiben, sofern ab 2029 klimafreundliche Brennstoffe anteilig genutzt werden.

Umweltverbände warnen vor Rückschritten. Eine Studie des Öko-Instituts zufolge würden die Änderungen zu "deutlich höheren Emissionen" im Gebäudesektor führen – und damit die Lücke zum Klimaziel weiter vergrößern.

Kritik an Klimapolitik der Bundesrepublik

Die klimapolitische Sprecherin der Grünen, Lisa Badum, warf Bundesumweltminister Schneider vor, sich in der Klimapolitik auf Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen. Die Fortschritte der früheren Ampel-Koalition seien gefährdet, das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz verursache Klimafolgekosten von bis zu 186 Milliarden Euro.

Auch die Deutsche Umwelthilfe warnte, Deutschland werde seine Klimaziele deutlich verfehlen. Der neue Projektionsbericht zeige eine drohende Lücke von 255 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 in Bereichen außerhalb des Emissionshandels – mit möglichen Milliardenstrafen nach EU-Vorgaben.

AFP, dpa, Reuters (das)

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.