Donald Trump setzt die militärische Macht der Vereinigten Staaten als Hebel gegen seine europäischen Nato-Partner ein. Bereits beim Streit um Militärhilfen für die Ukraine und mit seiner Drohung einer Übernahme Grönlands folgte der US-Präsident dieser Strategie. Jetzt bringt der US-Präsident die Allianz im Iran-Krieg mit einer ähnlichen Taktik unter Druck.

In einem Interview mit der „Financial Times“ am Sonntag sagte Trump, wenn die von ihm eingeforderte Unterstützung durch Nato-Verbündete in der Straße von Hormus ausbleibe, sehe es „sehr schlecht“ für die Zukunft der westlichen Allianz aus. „Es ist nur angemessen, dass diejenigen, die von der Straße profitieren, auch dazu beitragen, sicherzustellen, dass dort nichts Schlimmes passiert.“

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ will die US-Administration noch diese Woche die Formierung einer internationalen Koalition zur Absicherung der Meerenge ankündigen. Trumps Sprecherin erklärte am Montagmorgen Ortszeit, dass der Präsident „weiterhin mit unseren Verbündeten in Europa spricht und sie zur Unterstützung auffordert – so wie er sie auch aufgefordert hat, ihre Verteidigungsausgaben innerhalb der Nato zu erhöhen. Auch hier fordert er, dass sie mehr tun.“ Insgesamt soll das Weiße Haus sieben Staaten direkt um Hilfe gefragt haben.

Europäische Regierung lehnen Einsatz ab

Die Regierungen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien geraten nach Trumps Forderung aus unterschiedlichen Gründen massiv unter Druck. Einerseits leiden ihre Bürger wegen der Öl-Blockade unter hohen Preisen. Dazu kommt das Wissen, dass Trump eine Unterstützung im Iran-Krieg an die wichtigen US-Militärhilfen für die Ukraine knüpfen könnte. Zudem besitzt das Militär ihrer Länder teilweise die von den USA benötigten Fähigkeiten.

Trotzdem reagierten europäische Regierungen ablehnend auf Trumps Forderung nach einem Eintritt in einen Krieg, in dessen Planung und Durchführung sie in keiner Weise eingebunden waren. „Das ist nicht der Krieg der Nato“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag in Berlin. „Die Nato ist ein Bündnis zur Verteidigung des Bündnisgebietes.“ Für einen Einsatz zum Schutz des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus fehle der Allianz ein Mandat, fügte er hinzu. „Ich sehe den Zusammenhang mit der Nato nicht.“

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte am Montag, „das ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen.“ Der SPD-Politiker stellte infrage, „was Trump von zwei Handvoll europäischen Fregatten erwartet, was die machtvolle US-Navy dort nicht allein leisten kann?“ Die bestehende EU-Mission „Aspides“ sei nicht für einen Einsatz im Golf geeignet, fügte der Minister hinzu. Der EU-Einsatz fokussiere sich ⁠ausschließlich auf die Sicherung am Roten ​Meer. Die Lage im Persischen Golf stufte Pistorius hingegen als eine völlig andere geopolitische Situation ein. Dort handele es sich ⁠um einen direkten militärischen Konflikt zwischen Staaten, ausgelöst durch das Vorgehen der USA und Israels gegen den Iran.

USA wollen deutsche Minenjagdboote für Einsatz

„Wir werden uns merken, wer hilft“, drohte Trump und gab gleich eine Bestellung auf – „gut“ wären vor allem „Minensuchboote“. Dadurch rückt Deutschland potenziell in den Fokus der US-Administration, weil die Bundeswehr zehn Minenjagdboote in ihrem Arsenal hat. Allerdings sind die Boote allesamt mehr als 30 Jahre alt. Eine Erneuerung wird es in den kommenden zehn Jahren nicht geben.

Eines der deutschen Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse

Auch die britische Regierung reagierte ablehnend. „Während wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um uns selbst und unsere Verbündeten zu verteidigen, werden wir uns nicht in einen größeren Krieg hineinziehen lassen“, erklärte der britische Premier Keir Starmer am Montag. London werde „weiterhin auf eine schnelle Lösung hinarbeiten, die Sicherheit und Stabilität in die Region zurückbringt und die Bedrohung durch Iran für seine Nachbarn beendet“.

Trump hat Starmer mehrfach öffentlich scharf kritisiert, nachdem der Brite sich den Forderungen widersetzt hatte, Kriegsschiffe der Royal Navy zur Sicherung der wichtigen Schifffahrtsroute zu entsenden. Schon zu Beginn des Krieges hatte es Spannungen gegeben, weil Starmer die Nutzung britischer Militärbasen für den US-Einsatz erst nach Zögern erlaubt hatte. Trumps Sprecherin wiederholte am Montag, der Präsident „wünschte, das Vereinigte Königreich hätte früher und schneller gehandelt“, um bei der Öffnung der Straße von Hormus zu helfen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits vergangene Woche eine G-7-Initiative zur Sicherung der Straße ins Gespräch gebracht. Allerdings schränkte er ein, dass die Voraussetzungen dafür derzeit nicht gegeben seien. „Die Meerenge ist ein Kriegsschauplatz, aber diese Arbeit muss organisiert werden“, sagte Macron. Um solche Eskorten zu gewährleisten, sei die Koordination mehrerer Marinen und mehrwöchige Vorarbeit nötig.

Der für den Iran-Einsatz zuständige US-Admiral Brad Cooper sagte am Montag, das US-Militär werde „Irans Fähigkeit, die Freiheit der Schifffahrt in und rund um die Straße von Hormus zu bedrohen, weiterhin rasch schwächen“. Es seien bereits mehr als hundert iranische Militärboote zerstört worden.

Stefanie Bolzen berichtet für WELT seit 2023 als US-Korrespondentin aus Washington, D.C. Zuvor war sie Korrespondentin in London und Brüssel.

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