Die Bundesregierung hat nach Berechnung des Ifo-Instituts ihre eigentlich für Investitionen vorgesehenen neuen Milliardenschulden bislang hauptsächlich zum Füllen von Haushaltslöchern ausgegeben. Von den 2025 im Rahmen des „Sondervermögens für Klimaneutralität und Infrastruktur“ (SVIK) aufgenommenen Krediten in Höhe von 24,3 Milliarden Euro seien 95 Prozent nicht für Investitionen genutzt worden, schreiben die Münchner Ökonomen in ihrer Analyse.

„Wir haben festgestellt, dass die Politik die schuldenfinanzierten Mittel nahezu vollständig für andere Zwecke, also zum Stopfen von Haushaltslöchern, genutzt hat“, kritisierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Das ist ein großes Problem.“ Im August 2025 hatte bereits die Bundesbank der Bundesregierung vorgehalten, dass ein beträchtlicher Teil der neuen Schulden nicht in Investitionen fließt.

Auch die Bundesbank übte schon Kritik

Laut Ifo nahm der Bund im vergangenen Jahr im Rahmen des „Sondervermögens“ zwar 24,3 Milliarden Euro zusätzliche Schulden auf, doch die zusätzlichen Neuinvestitionen des Bundes seien nur um 1,3 Milliarden Euro höher gewesen als im Vorjahr.

Die Zweckentfremdung resultiert laut Ifo daraus, dass die Regierung die Investitionen im Kernhaushalt im Vergleich zu 2024 kürzte: „Es kam zu Verschiebungen einzelner Posten vom Kernhaushalt in das kreditfinanzierte SVIK“, sagte Studienautorin Emilie Höslinger. „Dazu gehören insbesondere Zuschüsse im Verkehrsbereich, weshalb im Kernhaushalt weniger investiert wurde als in den Vorjahren.“ Dies deckt sich mit der Kritik der Bundesbank.

Konstruktion des Schuldenpakets erschwert Nachvollziehbarkeit

Hauptquellen der Ifo-Berechnungen sind die von Bund und Bundesbehörden veröffentlichten Daten: Haushaltspläne und -rechnungen, die vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Monatsberichte zur Kreditaufnahme sowie die vierteljährlichen Kassenberichte des Statistischen Bundesamts.

Höslinger und ihr Co-Autor Max Lay kritisieren in dem Aufsatz, dass allein die komplexe Konstruktion des Schuldenpakets „die Nachvollziehbarkeit der Mittelverwendung und die Untersuchung der Zweckmäßigkeit erschwert“. Den Berechnungen der beiden Wissenschaftler zufolge gab der Bund 2024 insgesamt 68,6 Milliarden Euro für Investitionen aus. Die Gesamtinvestitionen in 2025 beziffern Höslinger und Lay auf 69,9 Milliarden Euro, trotz der hohen Schuldenaufnahme im „Sondervermögen“ nur geringfügig mehr.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Dem IW zufolge beliefen sich die tatsächlichen Investitionsausgaben des Bundes 2025 einschließlich des „Sondervermögens“ nach Bereinigung um finanzielle Transaktionen auf rund 71 Milliarden Euro. Das entspreche einem nominalen Anstieg von nur zwei Milliarden Euro im Vergleich zu 2024 – „gerade genug, um die Inflation auszugleichen“.

Das „Sondervermögens für Klimaneutralität und Infrastruktur“ in Höhe von 500 Milliarden Euro wurde am 18. März 2025 noch vom alten Bundestag beschlossen, obwohl der neue bereits gewählt war. Die Zweidrittelmehrheit kam zustande, weil neben Union ​und SPD ‌auch die Grünen dafür stimmten.

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