Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt hat sich nach einem Angriff auf Journalisten im nordthüringischen Fretterode betroffen gezeigt. „Der Übergriff auf drei Journalisten in Fretterode ist erschütternd. Ich verurteile das auf das Schärfste“, teilte der CDU-Politiker mit.
Es handele sich um eine Attacke auf die Pressefreiheit und die grundlegenden Werte der Demokratie. „Unser Rechtsstaat ist wehrhaft und stark. Deshalb ist es gut, dass die Strafverfolgungsbehörden konsequent handeln“, so Voigt.
In der Gemeinde Fretterode (liegt im Norden von Thüringen, knapp 170 Einwohner) waren am Mittwoch Journalisten von „Spiegel-TV“ angegriffen worden. Nach Angaben des Spiegel-Verlags hätten zwei der drei Journalisten durch den Einsatz von Reizgas, aber auch durch Schläge Verletzungen davongetragen. „Die Betroffenen wurden medizinisch versorgt und konnten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen“, teilte eine Sprecherin mit. „Spiegel TV“ habe Anzeige bei der Polizei erstattet.
Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sagte, es handele sich um einen „unerträglichen Angriff auf die Pressefreiheit“. Man müsse nun aber zunächst die Ermittlungen abwarten.
Vater und Sohn, die der rechtsextremen Szene zugeordnet werden
Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Es gibt zwei Tatverdächtige: einen 56-Jährigen und seinen 22-jährigen Sohn. Bei dem 56-Jährigen handelt es sich nach dpa-Informationen um einen bundesweit bekannten Rechtsextremisten.
Polizisten vor dem Haus in FretterodeDie beiden Männer wurden noch am Abend der Tat festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gelassen. Auch gab es eine Durchsuchung auf dem Grundstück eines der Verdächtigen. Bei mehreren sichergestellten Gegenständen prüfen die Ermittler, ob sie in strafrechtlicher Weise gegen das Waffengesetz verstoßen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Polizei hatte erst von „mehreren Zufallsfunden“ gesprochen.
Der Angriff weckt Erinnerungen an eine acht Jahre zurückliegende Attacke auf Medienvertreter in dem kleinen Ort im Eichsfeld – und tatsächlich gibt es eine Verbindung.
Ein Journalist war bereits in Eichsfeld betroffen
Das Team habe im Rahmen einer Recherche über „rechtsextreme Strömungen und Gruppierungen in Deutschland“ vor Ort Dreharbeiten durchgeführt, teilte der Spiegel-Verlag mit. „Unser Team ging dabei seiner üblichen redaktionellen Arbeit nach“, erklärte die Sprecherin.
Nach dpa-Informationen ging es bei der journalistischen Arbeit auch um eine acht Jahre zurückliegende Attacke auf Journalisten in dem kleinen Ort im katholisch geprägten Eichsfeld – ebenfalls im Norden Thüringens. Im Zuge dieser aktuellen Dreharbeiten war nach übereinstimmenden Angaben mehrerer mit dem Vorfall vertrauter Personen auch einer der vor acht Jahren angegriffenen Journalisten erneut nach Fretterode gekommen. Auch ein Anwalt der beiden damals angegriffenen Journalisten war dabei.
Damals waren zwei Journalisten aus Göttingen in Fretterode und in der Region um das Dorf herum attackiert und schwer verletzt worden. Sie hatten zu einem Treffen der rechtsextremen Szene in dem Ort recherchiert, als sie entdeckt wurden. Es folgte eine Verfolgungsjagd durch das Dorf und umliegende Orte, bis das Auto der Journalisten in einem Graben zum Stehen kam. Daraufhin wurden die beiden Journalisten von zwei Männern unter anderem mit einem Schraubenschlüssel, einem Baseballschläger, einem Messer und Pfefferspray angegriffen.
Wegen dieses Übergriffs hatte eine Kammer des Landgerichts Mühlhausen zwei Rechtsextremisten 2022 für schuldig befunden, sie aber nur zu geringen Strafen verurteilt. Der Bundesgerichtshof hatte dieses Urteil 2024 wegen erheblicher Rechtsfehler aufgehoben. Nun muss sich eine andere Kammer dieses Gerichts erneut mit dem Fall befassen. Dieser zweite Prozess läuft derzeit.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und auch der Nebenklageanwalt, der wegen der Dreharbeiten des „Spiegel TV“-Teams am Mittwoch in der Region war, kritisierten das Agieren der Thüringer Justiz im zurückliegenden Fall von 2018. „Das laxe Urteil aus dem ersten Fretterode-Prozess hat einen Raum geschaffen für das, was jetzt hier passiert ist“, sagte der Nebenklageanwalt Sven Adam. Wenn die Justiz dieses Mal nicht massiv gegen die Tatverdächtigen vorgehe, „dann wird es auch weiter solche Übergriffe geben“.
Die Thüringer Linke-Politikerin Katharina König-Preuss sagte, Fretterode drohe „zu einer ‚national befreiten Zone‘ zu werden“. „Die gewaltbereiten Neonazi-Strukturen vor Ort agieren seit Jahren mit erschreckender Selbstverständlichkeit.“
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