In der Öffentlichkeit betende Muslime sind immer häufiger Gegenstand von Diskussionen, auch außerhalb des Ramadan. Zuletzt entschied etwa auch in Deutschland der hessische Verwaltungsgerichtshof, dass sich immer donnerstags und freitags Muslime vor der Imam-Ali-Moschee in Frankfurt-Rödelheim als Protest gegen die Schließung vor der Moschee versammeln und auf der Straße beten dürfen. In Großbritannien streitet die Politik nun um eine Großveranstaltung auf dem Londoner Trafalgar Square.
Hunderte Muslime waren vor zwei Wochen an dem weltbekannten Platz im Herzen Londons anlässlich des Ramadan zu einer sogenannten „Open Iftar“-Veranstaltung zusammengekommen. Das Ramadan Tent Project veranstaltete während des gesamten Ramadan kostenlose, offene Iftar-Mahlzeiten, bei denen Muslime an öffentlichen Orten wie Windsor Castle und in der Westminster Hall des britischen Parlaments zusammenkamen.
Auf Videos ist zu sehen, wie am Trafalgar Square Hunderte Männer ihre Gebetsteppiche ausbreiten. Frauen sind nicht zu sehen. Dann schallen Muezzin-Rufe über den Platz, die Muslime beten, während Passanten an der Szenerie vorbeilaufen. Auch Londons Labour-Bürgermeister Sadiq Khan nahm an der Veranstaltung teil.
Die Bilder des öffentlichen Gebets wurden anschließend kontrovers diskutiert. Der konservative Parlamentsabgeordnete Nick Timothy veröffentlichte auf X einen Beitrag, in dem er die Veranstaltung scharf kritisierte: „Zu viele sind zu höflich, um das auszusprechen. Doch das rituelle Massengebet an öffentlichen Plätzen ist ein Akt der Vorherrschaft.“
Der Adhan – der Gebetsruf der Muslime – verkünde, dass es keinen Gott außer Allah gibt und Mohammed sein Gesandter ist. „Das ist, wenn er an einem öffentlichen Ort gerufen wird, eine Machtdemonstration“, so Timothy weiter. Wer diese Rituale in Moscheen vollziehen möchte, könne dies gerne tun. „Doch in unseren öffentlichen Plätzen und gemeinsamen Einrichtungen sind sie nicht willkommen. Und angesichts ihrer expliziten Ablehnung des Christentums haben sie erst recht nichts in unseren Kirchen und Kathedralen zu suchen.“
Er behaupte nicht, dass alle, die auf dem Trafalgar Square waren, Islamisten seien, schreibt der Parlamentsabgeordnete weiter. Doch die Besetzung öffentlicher Plätze sei ein typisches Beispiel für islamistische Taktiken.
Für diese Aussagen erhielt Timothy viel Kritik, vor allem von der regierenden Labour-Partei. Premierminister Keir Starmer forderte während einer Fragestunde im britischen Parlament, dass die Vorsitzende der Konservativen, Kemi Badenoch, die Äußerungen von Timothy „verurteilen“ und ihn entlassen solle. Timothy habe mit seinem Post erklärt, dass Muslime, die öffentlich beteten, darunter auch der Londoner Bürgermeister, „nicht willkommen seien“.
Weiter behauptete Starmer, dass die Tories ein „Problem mit Muslimen“ hätten. Timothys Äußerungen bedeuteten zudem, dass sich die Konservativen mit dem bekannten rechtsradikalen Aktivisten Tommy Robinson verbündet hätten, weil dieser die Äußerungen von Timothy unterstützt hatte.
Badenoch erwiderte daraufhin, dass Timothy lediglich „britische Werte“ verteidige. Ein Sprecher der Vorsitzenden sagte zudem, die Äußerungen von Timothy basierten auf Aufnahmen, die von Frauen getrennte Männer beim Gebet während der Veranstaltung zeigten. „Die Konservative Partei bekennt sich zu britischen Werten, und diese britischen Werte bedeuten, dass wir eine offene und tolerante Gesellschaft sind, aber mit Grenzen.“ Religionsfreiheit bedeute nicht die Freiheit, alles tun zu dürfen. Sie bringe auch Verantwortung mit sich.
Es stehe jedem frei, seinen Glauben auszuüben, erklärte der Tories-Sprecher, aber diese Ausübung erfordere nicht die ausschließliche Nutzung gemeinsamer öffentlicher Räume. „Das hat nichts mit Gottesdienst zu tun. Es wird zu etwas anderem, das den sozialen Zusammenhalt untergräbt. Genau da ziehen wir die Grenze. Und genau das meinte Nick Timothy.“
Auf dem Trafalgar Square werden regelmäßig Veranstaltungen abgehalten, darunter auch religiöse aus verschiedenen Glaubensrichtungen. So feierten Hindus Diwali (hinduistisches Lichterfest), Juden Chanukka oder Christen die Passion Christi. Starmer warf den Konservativen deshalb in der Debatte auch vor, dass er es noch nie erlebt habe, dass die Tories etwas anderes als muslimische Veranstaltungen kritisiert haben. „Es passiert immer nur, wenn Muslime beten.“
Der kritisierte Timothy verwies in seinem X-Beitrag darauf, dass das öffentliche Gebet der Muslime keine gewöhnliche Veranstaltung sei. „Es war nicht wie ein im Fernsehen übertragenes Fußballspiel oder eine Feier zum St. Patrick’s Day. Es war ein Akt der Vorherrschaft und damit der Spaltung. So etwas darf nicht wieder vorkommen.“
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