Unionsfraktionschef Jens Spahn lehnt die Begriffe „homosexuell“ und „queer“ für sich ab. Er habe schon zu seinem Vorgänger Volker Kauder (CDU) gesagt: „Ich möchte von dir nie wieder homosexuell genannt werden“, sagte Spahn in einem Doppelgespräch mit seinem Kollegen Matthias Miersch (SPD) mit der Wochenzeitung „Die Zeit“, die ihn in dem Interview als homosexuell bezeichnet hatte.

Auf die Frage, wie dann, antwortete Spahn: „Schwul. Homosexuell, das klingt für mich furchtbar. Steril.“ Miersch erklärte, ihm gehe es genauso: „Es klingt klinisch, nach einer technischen Einordnung.“ Auch mit dem Begriff „queer“ könne er nichts anfangen, sagte Spahn (CDU). „Ich bin schwul, nicht queer. Dieses Identitätspolitische – als wäre das ein Konzept.“

Als queer bezeichnen sich nicht-heterosexuelle Menschen beziehungsweise Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen gesellschaftlichen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

Auf Nachfrage von Miersch, warum er mit dem Wort „queer“ Probleme habe, und ob „es diese Politisierung und Abgrenzung“ brauche, antwortete Spahn: „Ich habe gar kein Problem damit, dass die Gesellschaft da offen ist, es kann sich auch jeder queer nennen. Im Gegenteil, ich bin sehr liberal, was das Private angeht. Ich halte aber nichts von der Verknüpfung mit politischer Ideologie.“

Wenn alles zu einer Frage der Selbstdefinition erklärt werde, „selbst das Geschlecht“, stelle man damit „die Emanzipationsgeschichte infrage“, erklärte Spahn. „Dann verschwindet doch alles, was erreicht wurde, auch für die Emanzipation von Frauen. Wer sitzt eigentlich dann auf der Toilette – oder im Frauengefängnis?“

2001 sei seine sexuelle Orientierung parteiintern zum Thema gemacht worden, berichtete Spahn. „Da hatte sich gerade der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit geoutet, und es hieß: Mit Spahn kriegen wir ein Wowereit-Problem. Uns wählt keiner mehr, wenn wir den aufstellen.“

Offenkundig seien die Mehrheitsmeinungen 2001 im Münsterland – Spahns Wahlkreis – schon andere gewesen. „Man muss aber auch deutlich sagen: Es war das Glück der späteren Geburt, das haben andere erkämpft“, betonte Spahn. „Einen offen schwulen Bundesminister hätte es in der CDU in den 1980er-Jahren nicht gegeben, Punkt, Ende, aus.“

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