Nach der jüngsten Attacke von US-Präsident Donald Trump gegen die Nato hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seinem Amtskollegen das „Aushöhlen“ der Allianz vorgeworfen. Der Wert der Nato basiere auf dem Vertrauen der Mitgliedstaaten, sagte Macron bei einem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. „Wenn man jeden Tag Zweifel an seinem Engagement nährt, dann höhlt man die Substanz aus“, betonte Macron. Er reagierte damit auf Trumps jüngste Aussagen gegenüber der britischen Zeitung „The Telegraph“, in denen dieser die Nato erneut als einen „Papiertiger“ kritisierte und zudem angedeutet hatte, dass er einen Austritt der USA aus dem Militärbündnis ernsthaft erwägt.

Wer ein Bündnis eingehe, müsse seinen Verpflichtungen gerecht werden, sagte nun Macron. „Man kommentiert das nicht jeden Morgen, weder um zu sagen, dass man sie erfüllen wird, noch dass man sie nicht erfüllen wird“, fügte er hinzu. „Man kann nicht jeden Tag das Gegenteil dessen sagen, was man am Vortag gesagt hat“, mahnte er. Es wäre sinnvoller, weniger zu reden und sich stattdessen für einen gerechten Frieden einzusetzen.

Der Iran-Krieg sei nicht das geeignete Mittel, um die Frage des iranischen Atomprogramms dauerhaft zu lösen, meinte Macron. „Wenn es keinen diplomatischen und technischen Verhandlungsrahmen gibt, kann sich die Lage innerhalb weniger Monate oder Jahre wieder verschlechtern“, betonte er. Nur ein ausgehandeltes Abkommen ermögliche eine langfristige Kontrolle und Stabilität für alle. Eine Befreiung der Straße von Hormus durch Waffengewalt bezeichnete Macron als „unrealistisch“. „Es würde unendlich lange dauern und alle, die die Meerenge durchqueren, großen Risiken aussetzen“, sagte Macron. Frankreich bestehe darauf, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet werden müsse, „aber das kann nur im Einvernehmen mit dem Iran geschehen“, sagte er.

US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor über Macron mokiert – weil dessen Frau Brigitte ihn angeblich „extrem schlecht“ behandele. In einem Video von einem privaten Mittagessen am Mittwoch, das für kurze Zeit auf dem offiziellen Youtube-Kanal des Weißen Hauses zu sehen war, verknüpfte Trump seinen Spott mit neuer Kritik an der Nato.

„Wir brauchen sie nicht, aber ich habe dennoch gefragt“, erzählte Trump in der Aufnahme, die nach kurzer Zeit nicht mehr auf dem ursprünglichen Kanal abrufbar war. Mitschnitte sind jedoch derzeit auf X zu finden. „Ich rufe also Frankreich an, Macron, dessen Frau ihn extrem schlecht behandelt. Er erholt sich noch immer von ihrem rechten Schwinger auf den Kiefer.“ Trump bezog sich damit auf eine Aufnahme aus dem Jahr 2025, auf der Brigitte Macron ihren Mann auf einer Vietnam-Reise ins Gesicht greift. Macron wies später zurück, dass seine Frau ihm eine Ohrfeige gegeben habe. Diese Interpretation sei Teil einer Desinformationskampagne.

„Und ich sagte: ‚Emmanuel, wir hätten gerne ein bisschen Hilfe am Golf, auch wenn wir gerade Rekorde darin brechen, böse Menschen auszuschalten und Raketen auszuschalten. Wenn du kannst, könntest du bitte sofort Schiffe schicken“, fuhr Trump in dem Video fort, um dann Macrons französischen Akzent nachzuäffen. „Nein, nein, nein, wir können das nicht machen, Donald. Wir können es machen, wenn der Krieg gewonnen ist.“

Der US-Präsident begann dann, sich über die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung der Nato im Iran-Krieg zu beklagen. „Ich habe das also über die Nato gelernt, die Nato wird nicht da sein, wenn es jemals zu der großen Sache kommt, ihr wisst schon, was ich mit der großen Sache meine“, sagte Trump, ohne seine Ausführungen zu vertiefen.

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