Während US-Präsident Donald Trump mit verheerenden Angriffen droht, signalisiert Israel, dass es mehr Zeit haben will, um den Krieg gegen Teheran fortzusetzen und das Regime weiter zu schwächen.

Trump und Vizepräsident J.D. Vance sagten am Dienstag, die USA hätten ihre Ziele in dem Konflikt mit dem Iran weitgehend erreicht; nun liege es an Teheran, einen Deal zur Beendigung des Krieges zu schließen – andernfalls werde „heute Nacht eine ganze Zivilisation sterben“.

Israels Führung und andere Offizielle senden eine andere Botschaft: Die Operation sei nicht vorbei, sagen sie – und dies sei ein entscheidender Moment, um den Druck auf Teheran zu erhöhen. Israel hält eine Waffenruhe zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht und hofft, dass der Militäreinsatz noch mindestens einen weiteren Monat andauern kann. Das sagten zwei ehemalige hochrangige israelische Beamte mit engen Verbindungen zum Militär im Gespräch mit dem Axel Springer Global Reporters Network, zu dem WELT gehört.

Den Personen wurde Anonymität zugesichert, damit sie offen über die Strategie der israelischen Regierung sprechen konnten. Mehr Zeit, so sagten sie, würde Israels längerfristigem Ziel dienen, das iranische Regime so weit zu schwächen, dass die Voraussetzungen für seinen späteren Zusammenbruch geschaffen werden – auch wenn dieses Ergebnis möglicherweise erst in Monaten oder Jahren eintritt.

„Verändern das Kräfteverhältnis grundlegend“

Einer der Beamten sagte, Israel gehe davon aus, dass „ein oder zwei weitere Monate“ militärischer Kampagne den Niedergang des Regimes beschleunigen könnten: „Niemand kann das mit Sicherheit sagen. Aber was wir heute sehen, ist, dass sie bereits am Rande des Zusammenbruchs stehen.“

Diese Aussagen passen zu öffentlichen Verlautbarungen der israelischen Regierung: „Das ist nicht mehr derselbe Iran, und auch Israel ist nicht mehr dasselbe. Wir verändern das Kräfteverhältnis grundlegend“, sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in einer am Dienstagnachmittag veröffentlichten Videobotschaft.

Auch Eyal Zamir, Generalstabschef der israelischen Streitkräfte, deutete an, dass die Kampagne in eine entscheidende Phase eintrete – und nicht etwa auslaufe. „Wir nähern uns in der gemeinsamen Operation gegen den Iran einem strategischen Wendepunkt“, sagte er am Dienstag bei einem Treffen mit israelischen Militärkommandeuren. „Bislang haben wir bedeutende Erfolge erzielt. Wir werden entschlossen weiterhandeln und die Schwächung des Regimes vertiefen.“

Der zweite ehemalige Beamte sagte der Welt-Partnerpublikation „Politico“, „in vielerlei Hinsicht ist dieses Regime bereits tot“, doch jede dauerhafte Veränderung werde „Zeit brauchen“. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten lehnte eine Stellungnahme ab. Die IDF reagierten nicht auf eine Anfrage.

Trump behauptete zuletzt mehrfach, dass sich das iranische Regime bereits grundlegend verändert habe. „Wir haben einen vollständigen und totalen Regimewechsel, bei dem sich andere, klügere und weniger radikalisierte Köpfe durchsetzen“, schrieb er auf der Plattform „Truth Social“ – zusammen mit seiner Drohung, der iranischen Zivilisation ein Ende zu setzen.

Israel hatte seine Angriffe auf iranische Infrastruktur bereits vor Trumps Ultimatum verschärft. Am Dienstag griff das israelische Militär Brücken und Bahninfrastruktur an, die der Iran nach Angaben der IDF für den Transport von Waffen und militärischer Ausrüstung nutzt. Am Montag hatte das israelische Militär zwei petrochemische Anlagen attackiert, in denen der Iran nach israelischen Angaben Materialien für Sprengstoff entwickelte.

Auch die USA griffen in der Nacht Dutzende militärische Ziele auf Irans Insel Kharg an – darunter Bunker, Radaranlagen und Munitionslager. „Wir werden Energie- und Infrastrukturziele nicht angreifen, bis die Iraner entweder einen Vorschlag vorlegen, den wir unterstützen können, oder eben keinen Vorschlag machen“, sagte Vance am Dienstag in Ungarn. Zugleich erweitert das Pentagon seine Liste iranischer Energieanlagen, die für Angriffe infrage kommen – darunter Standorte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden –, während Israel und die USA ihre Ziellisten ausweiten und die Vereinigten Staaten zusätzliche Bodentruppen in die Region verlegen.

Dieser Text erschien zuerst in der WELT-Partnerpublikation „Politico“.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.