Die Mehrheit der Europäer lehnt ein Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor ab. Das ergab eine Umfrage von „Politico“ in den sechs EU-Ländern Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, Polen und Belgien. 58 Prozent der Befragten stellten sich gegen eine EU-Vorgabe, die Verbrennerautos ab 2035 faktisch verbietet. Das Gesetz wird als Reaktion auf Kritik aus der Autoindustrie und Mitgliedstaaten wie Deutschland aktuell überarbeitet.
Die stärkste Ablehnung zeigen laut der internationalen Umfrage „European Pulse“, die das Unternehmen Cluster17 erhob, die Belgier: 72 Prozent sprechen sich gegen die Gesetzgebung aus. Ihr Widerstand liegt sogar über den Kernländern der europäischen Autoindustrie. In Deutschland sprachen sich 60 Prozent gegen ein Verbot des Verkaufs neuer Verbrenner ab 2035 aus.
Die Flottengrenzwerte für den CO2-Ausstoß sollen einen Beitrag zum Ziel leisten, die Union bis 2050 klimaneutral zu machen. Die Gestaltung des Gesetzes schürte aber Sorgen über die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Autoindustrie gegenüber China und den USA.
Die Ergebnisse verdeutlichen den Konflikt zwischen den Wünschen vieler Verbraucher und den Dekarbonisierungsplänen der EU-Kommission. Die EU verabschiedete 2023 ein Gesetz, das vorschreibt, dass alle ab 2035 neu produzierten Fahrzeuge emissionsfrei am Auspuff sein müssen.
Autohersteller argumentieren, dass der Umstieg der Verbraucher auf E-Autos langsamer verlaufe als erwartet. Ein Verbot von Verbrennungsmotoren könne Europas wichtige Autoindustrie schwächen. Sie ist bereits mit hohen Energiekosten, starker Konkurrenz durch technologisch starke und subventionierte chinesische Anbieter und US-Zöllen konfrontiert.
Die Kommission legte im Dezember ein Autopaket vor. Verbrennungsmotoren und gemischte Antriebe sollen unter engen Bedingungen über 2035 hinaus erlaubt bleiben. Die Hersteller müssten die Emissionen aber ausgleichen, etwa durch grünen Stahl oder alternative Kraftstoffe.
Die Skepsis, die die „Politico“-Umfrage zeigt, ist nicht neu. Eine Deloitte-Umfrage aus dem Jahr 2025 ergab, dass 45 Prozent der belgischen Verbraucher möchten, dass ihr nächstes Auto mit Diesel oder Benzin betrieben wird – trotz steuerlicher Anreize, die die Verbreitung von Elektrofahrzeugen gefördert haben.
Gleichzeitig werden Autos mit reinen Verbrennermotoren in der EU unbeliebter. Ihr Marktanteil sank im Februar 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozentpunkte auf 30,6 Prozent, wie Zahlen des Autoverbands ACEA zeigen. Stattdessen wenden sich Verbraucher zunehmend Hybridfahrzeugen zu, die sowohl einen Verbrenner als auch einen Elektromotor besitzen. Ihr Marktanteil lag im Februar bei 39 Prozent. Reine Elektroautos erreichen einen Anteil von 18,8 Prozent.
Der Iran-Krieg und der folgende Anstieg der Spritpreise sind in der Umfrage noch nicht berücksichtigt. Erste Anzeichen deuten auf mehr Interesse an gebrauchten Elektroautos hin. Veränderungen bei den Neuwagenverkäufen zeigen sich aufgrund der Lücke zwischen Bestellung und Auslieferung neuer Autos erst in einigen Monaten.
Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch bei „Politico“
Die Umfrage „European Pulse“ wurde von Cluster17 für „Politico“ und „beBartlet“ vom 13. bis 21. März durchgeführt. Dabei wurden 6.698 Erwachsene online befragt, mit jeweils mindestens 1.000 Teilnehmern aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Spanien. Die Ergebnisse wurden für jedes Land gewichtet, um Repräsentativität hinsichtlich Alter, Geschlecht und geografischer Verteilung sicherzustellen.
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