Wenig Geld, die politische Laufbahn vorerst vorbei – aber auf Social Media läuft es für Jette Nietzard wieder. Nachdem die 26-Jährige vor einem halben Jahr verkündet hat, nicht wieder als Sprecherin der ­Grünen Jugend zu kandidieren, wurde es still um sie.

Nun gibt Nietzard in einem Interview mit dem „Spiegel“ ein Update aus ihrem Leben – und fragt sich, was sie mit ihrem Leben nach der Politik anfangen soll.

Gelegentlich gibt sie inzwischen Weiterbildungskurse wie beim DGB Bildungswerk NRW zum Thema Fake News. Gerade einmal fünf Menschen hätten an dem Kurs teilgenommen, schreibt das Magazin. Doch Nietzard würde für ihren einstündigen Auftritt mit Präsentation 200 Euro bekommen.

Zudem arbeitet Nietzard nun drei Tage in der Woche im Bundestag bei der Grünenabgeordneten Lena Gumnior als „Mädchen für alles“ – eine Übergangslösung, wie sie betont. Die Teilzeitstelle laufe zum Sommer aus. Was danach komme, wisse sie noch nicht. Das sei für jemanden mit einem so großen Sicherheitsbedürfnis wie sie beängstigend.

Dauerhaft im Bundestag arbeiten will Nietzard laut eigener Aussage ohnehin nicht. Sie sehe dort Leute, „die ihre Hand heben für Dinge, hinter denen sie nicht stehen“. Für den Parteifrieden, den Koalitionsfrieden, „ihre Scheißkarriere“.

Früher habe Nietzard als Referentin beim Deutschen Kinderhilfswerk gearbeitet und ein Projekt für ­unbegleitete Flüchtlinge geleitet. Einfach wieder Sozialarbeit zu machen, erscheint ihr heute aber zu wenig: „Ich wäre ja dumm, den ganzen Leuten, die mir folgen, jetzt zu sagen, ich lösche mein Instagram.“ Schließlich wolle sie weiter politisch wirken, für Feminismus kämpfen und gegen Rechtsextreme.

Bessere Jobchancen habe ihr die Zeit in der Spitzenpolitik ohnehin nicht gebracht. Ihre konfrontative Art habe sie für viele Arbeitgeber unmöglich gemacht. Auf die Frage, was ihr also geblieben sei, antwortet Nietzard, Geld sei es nicht. Die 50.000 Follower auf ihren Kanälen seien ihr Asset.

Welt hat „Pause“ von Nietzard gebraucht

Drei Monate lang, sagt Nietzard dem „Spiegel“, habe sie auf TikTok kaum Views gehabt, „als ob die Welt eine Pause von mir gebraucht hätte“. Doch dann habe alles wieder Fahrt aufgenommen. Die müssten nun weiter bewirtschaftet werden. „Ich war die neuntmeistgegoogelte Politikerin letztes Jahr“, sagte Nietzard. „Was soll man da machen, außer das Beste rausholen? Sonst hätte sich der Hass über das Jahr ja gar nicht gelohnt.“

Ihre Strategie online beschreibt Nietzard mit den Worten „Raum einnehmen“. Sonst mache das jemand anders. „Jedes Reel von mir, so dumm es auch sein mag, bindet Zeit, in der jemand keines von der AfD gucken kann.“ Deshalb bereue sie auch ihren Böller­tweet nicht.

Rechten Populismus, sagte sie dem Magazin, könne man nur mit linkem Populismus bekämpfen. „Fotzig sein ist die Hauptqualität, die ich mitbringe“, sagte sie in Anlehnung an Rapperin Ikkimel und Musikerin Shirin David, die rappt: „Ich bin jung, fotzig und frech.“

Was ihre Reichweite weiter pushen würde? „Ich müsste konservativ werden“, vermutet Nietzard. Mit so einer Wandlung – der Erzählung von der geläuterten Linksextremen – könne sie richtig viel Geld verdienen. Das werde sie aber natürlich nicht tun.

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