• Nebenwirkungen für Fahrschulen: Lernschwache Fahrschüler könnten es schwerer haben, einen Platz zu finden.
  • Sachsens Verkehrsministerin sieht Vorteile von Führerscheinreformplänen
  • Kleine Fahrschulen können nicht mithalten

Der Führerschein droht zum Luxus zu werden: bis zu 6.000 Euro sind inzwischen möglich. Verkehrsminister Patrick Schnieder will die Preise drücken, setzt auf mehr Marktwirtschaft und Konkurrenzkampf, etwa mit Vergleichsportalen: Preise und Bestehens-Quoten sollen im Internet einsehbar sein.

Nebenwirkungen für Fahrschulen

Doch das könnte Nebenwirkungen haben, sagt Peter Losleben vom sächsischen Fahrlehrerverband: "Die besten Quoten wird der haben, der die besten Schüler nimmt oder die leichtesten Schüler." Man habe heute schon Fahrschüler, die zwei Jahre bräuchten, ehe sie über den Theorietest kämen. Nicht, weil sie sich nicht anstrengen würden, sondern weil es ihnen aus irgendwelchen Gründen schwerfalle, erklärt Losleben: "Was glauben Sie, wer solche Schüler noch annehmen kann, nach einem neuen Ranking? Das wäre ja betriebswirtschaftlicher Selbstmord."

Nicht-Muttersprachler oder Schüler mit Leserechtschreibschwäche könnten es so schwerer haben, überhaupt eine Fahrschule zu finden. Auch das neue Vorgaben bei den Schulungsräumen geplant sind, irritiert Losleben. Hier könnte Fahrschulen ein neuer Kostentreiber drohen, fürchtet er. "Selbst viele Unterrichtsräume, die jetzt bestehen, könnten gar nicht mehr genutzt werden. Also es kommt ja nicht zu einer günstigeren Regelung, sondern zu einer Verschärfung."

Man verbindet die strengeren Vorgaben mit der Idee, den Online-Unterricht und den Einsatz von Simulatoren zu stärken, vermutet Losleben: "Es geht Herrn Schnieder eigentlich nicht um eine Erweiterung oder um mehr Digitalunterricht, es geht ihm um den Wegfall des Präsenzunterrichtes." Und das könne gerade kleinere Fahrschulen belasten, die vielleicht nicht so viel Geld für Video-Equipment oder neue Räumlichkeiten haben. Ähnlich bei Simulatoren, an denen zum Beispiel zukünftig das Schalten gelernt werden kann.

Sachsens Verkehrsministerin sieht Vorteile

Sachsens Verkehrsministerin Regina Kraushaar sieht hingegen die Vorteile: "Ich glaube schon, dass auch kleinere Fahrschulen über solche Simulatoren-Anschaffungen nachdenken werden." Oder sie würden mit anderen kooperieren , die das anbieten, "damit die unbedingte Verknüpftheit zwischen Fahrschule, die da ist, und dem Fahrlehrer mit dem Fahrschüler, dass die sich auch auflösen kann, weil ansonsten nützt der Simulator ja vielleicht doch nicht so viel." So könnte ein Markt für Fahrsimulatoren entstehen, unabhängig von Fahrschulen und ohne Kosten für Benzin oder Versicherung, glaubt Kraushaar.

Kleine Fahrschulen können nicht mithalten

Ob sich kleine Fahrschulen wirklich einen Simulator leisten wollen, der preislich mit einem Kleinwagen mithält, bezweifelt Mike Fischer, Fahrschulbesitzer in Gera: "Mit der Reform sehe ich schon, dass Großfahrschulen allein schon durch ihre Infrastruktur und der Möglichkeit, verschiedene Wege zur Führerscheinausbildung anbieten zu können, im Vorteil sind."

In seine Fahrschule mit 14 Fahrlehrern bietet Fischer schon jetzt verschiedene Ausbildungswege an: Simulatoren, Internat und Übungsplatz. Für ihn sind viele der Überlegungen daher nicht neu. Und so prognostiziert er: Preiswerter werde die eigentliche Ausbildung nicht. Die Wissensvermittlung in ihrer Gesamtform auch im Interesse der Verkehrssicherheit werde sich nicht verringern, die sei ja in der EU-Führerscheinrichtlinie geregelt: "Und deswegen glaube ich eigentlich, dass der Führerschein in seiner Form gar nicht so kostengünstiger werden kann."

Sachsens Verkehrsministerin rechnet mit Umbruch

Von einem Sterben der kleinen Fahrschulen will niemand sprechen, aber die Neuregelung wird zu einem Umbruch führen. Davon geht auch Ministerin Kraushaar aus: "Ich glaube, dass das zu einer Veränderung der Landschaft führen wird, alleine schon, weil eben neue Elemente verwendet werden dürfen in einer Fahrschulausbildung, die es bisher so nicht gibt."

Offene Fragen gibt es trotzdem noch: Etwa beim Wohnortprinzip. Denn deutschlandweite Transparenz bringt wenig, wenn Schüler ihre Fahrschule nicht frei wählen können. Darüber müsse in den Verhandlungen noch gesprochen werden, sagt Kraushaar.

MDR AKTUELL

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