- Psychotherapeuten protestieren gegen Honorarkürzungen in elf Städten.
- Die Folgen aus dem Sparkurs könnten sein, dass Therapeuten weniger Kassenpatienten behandeln.
- Es werden nicht mehr Kassensitze für Therapeuten vergeben, es kommt aber häufiger vor, dass diese geteilt werden.
"Wir helfen, ihr kürzt" – unter diesem Motto protestieren am Mittwoch Psychotherapeuten in elf Städten, darunter auch in Berlin. Hintergrund der Proteste ist das Sparpaket von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Die gesetzlichen Krankenkassen stehen vor einem Milliardenloch. Ohne Sparmaßnahmen wird es in den kommenden Jahren größer und größer.
Eine geplante Maßnahme, um Kosten zu senken, sind Honorarkürzungen für Psychotherapeuten. Seit dem 1. April können Psychotherapeuten 4,5 Prozent weniger Honorar abrechnen.
Weniger Kassenpatienten behandeln als Konsequenz
Die Honorare von Fachmedizinern sind seit 2013 durchschnittlich um 33 Prozent gestiegen, die der Psychotherapeuten aber sogar um 52 Prozent. Damit sollte die psychotherapeutische Versorgung verbessert werden. Jetzt aber wird mit dieser Zahl die Kürzung begründet.
Die Psychotherapeuten drohen damit, dass nun weniger Kassen-Patienten behandelt werden. Für Privat-Patienten gebe es mehr Geld und weniger Bürokratie. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die auch die Psychotherapeuten vertritt, will gegen die Honorarkürzung klagen.
Verdienstverlust von mehreren tausend Euro
Auch eine Psychotherapeutin aus Stendal fährt zu der Kundgebung nach Berlin. Für sie ist die Kürzung an sich ein Warnsignal, sagte sie MDR AKTUELL. "4,5 Prozent hört sich nicht viel an, aber wenn man es auf die Masse rechnet, sind es ein paar Tausend Euro pro Jahr. Und was viel besorgniserregender ist, ist nicht die Zahl sondern der Schritt an sich. Es wurde noch nie bei einer Arztgruppe pauschal das Honorar gekürzt."
Die Therapeutin erklärt die Kürzung so: "Ein Hausarzt schleust vielleicht 40 bis 100 Leute durch. Ich habe pro Tag vier bis fünf Patienten. Wir können ja auch gar nicht so viel schaffen, weil eine Psychotherapiestunde eben exakt 50 Minuten gehen muss." Sie rechnet damit, dass sie durch die Kürzung etwa fünf bis sechstausend Euro weniger pro Jahr verdient. "Auf jeden Fall verstärke sich die Unsicherheit unter den Kollegen. Nimmt man mehr Privatpatienten an oder wechselt man den Beruf."
Es wird an Kassensitzen gespart
Der Präsident der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer, Gregor Peikert, verdeutlicht, dass den Therapeuten durch die Kürzung kurzfristig weniger Geld übrig bleibt. Langfristig werde die Planbarkeit für psychotherapeutische Versorgung unsicherer, für diejenigen, die sich niederlassen wollen, sagte er MDR AKTUELL. Das bedeute, dass Psychotherapeuten möglicherweise auf andere Berufstätigkeiten ausweichen.
Peikert zufolge arbeiten immer mehr junge Kollegen als niedergelassene Therapeuten. "Aber das kam nicht dadurch zustande, dass die Krankenkassen mehr Therapeutensitze ermöglicht haben, sondern dass viele Kolleginnen und Kollegen ihre Sitze geteilt haben." Dadurch habe man auch relativ viele Patienten behandeln können. "Das ist ja einer der Gründe, auch weshalb die Krankenkassen versuchen, an dieser Stelle Geld zu sparen. Aber diese Einsparungen werden immer auf Dauer zu Lasten der Versicherten gehen."
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