Am Sonntag verschickt der AfD-Abgeordnete Matthias Moosdorf eine Mail an die gesamte Fraktion im Bundestag – mit scharfer Kritik an den eigenen Reihen. „Politico“ liegt das Schreiben vor. Der frühere außenpolitische Sprecher erhebt dabei vor allem schwere Vorwürfe gegen seinen Nachfolger: Markus Frohnmaier, Vize-Chef der AfD-Bundestagsfraktion.

Moosdorf zeichnet das Bild einer Fraktion, in der zentrale politische Themen zunehmend ausgeklammert würden. Wichtige Themen werden „in unseren Präsenzsitzungen zielgerichtet ausgespart oder gar unmöglich gemacht“, heißt es in dem Schreiben. Debatten würden durch Geschäftsordnungsanträge beendet, Redebeiträge künstlich verkürzt. Angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage sei es „sehr befremdlich“, dass ausgerechnet eine große Oppositionsfraktion keine vertiefte außenpolitische Diskussion zulasse.

Im Zentrum der Kritik steht Frohnmaier, der Moosdorf als außenpolitischer Sprecher abgelöst hat. Frohnmaier war „Ministerpräsidentenkandidat“ der AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März. Gegen ihn erhebt Moosdorf Vorwürfe mangelnder Transparenz und verweist auf Debatten über Vetternwirtschaft im Umfeld des Abgeordneten. Solche Entwicklungen seien „nicht geeignet“, so Moosdorf, „Vertrauen nach innen wie nach außen zu stärken“. Besonders im sensiblen Bereich der Außenpolitik schade dies der Glaubwürdigkeit der Partei.

Darüber hinaus stellt Moosdorf die fachliche und persönliche Eignung seines Nachfolgers infrage. Es fehle an „analytischer Präzision, diplomatischem Gespür“ sowie an einer angemessenen politischen Kommunikation. Die jüngsten Äußerungen Frohnmaiers bewertet er als „eklatante“ Fehlleistungen. So kritisiert er unter anderem Frohnmaiers Wortwahl zu den militärischen US-Einsätzen im Iran, die angesichts ziviler Opfer „zynisch und unangemessen“ gewirkt habe.

Auch strukturelle Probleme innerhalb des Fraktionsarbeitskreises Außen werden benannt. Moosdorf spricht von einem „wiederkehrenden Muster mangelnder Urteilskraft“ und verweist auf Positionen, die selbst innerhalb der Fraktion Irritationen ausgelöst hätten.

Auch Frohnmaiers USA-Reisen kritisiert Moosdorf scharf. So sei eine Washington-Reise ohne nennenswerte politische Ergebnisse geblieben, bei gleichzeitig hohen Kosten. „Termine von Belang? Fehlanzeige. Kosten von über 40.000 Euro Fraktionsgeld stehen was genau gegenüber?“, heißt es in dem Schreiben.

Moosdorf wurde im Mai 2025 als außenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion abgelöst. Zuvor stand der AfD-Abgeordnete wegen ungenehmigter Reisen nach Russland in der Kritik. Moosdorf ist seit August 2024 Honorarprofessor an der Russischen Gnessin-Musikakademie in Moskau. Als außenpolitischer Sprecher folgte Frohnmaier auf Moosdorf.

Zudem kritisiert Moosdorf, dass Frohnmaier auch während der entscheidenden Phase des Landtagswahlkampfs in Baden-Württemberg in den USA gewesen sei — bei der er selbst als Ministerpräsidentenkandidat seiner Partei antrat. Dies habe sich negativ auf das Wahlergebnis ausgewirkt, schreibt Moosdorf. Frohnmaier weist das mit dem Verweis auf eine Wahlnachbefragung gegenüber „Politico“ zurück.

Doch Moosdorf fordert Konsequenzen und eine grundlegende Neuaufstellung: Die personelle Besetzung im Arbeitskreis Außen müsse überprüft, klare Eignungskriterien müssten definiert und regelmäßige, fundierte Debatten etabliert werden. Ziel müsse es sein, außenpolitisch als „ernstzunehmender Akteur“ wahrgenommen zu werden.

Frohnmaier weist die Vorwürfe zurück. Wer „wiederholt Unwahrheiten über Kollegen“ verbreite, „nimmt eine öffentliche Schädigung der Partei bewusst in Kauf“, erklärte er gegenüber „Politico“. Das Verhalten werde intern aufgearbeitet.

Pauline von Pezold ist Reporterin beim Newsletter „Playbook“ von „Politico“ Deutschland. Seit Februar 2026 erscheint wöchentlich ihr Podcast „Inside AfD“.

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