• Der Leipziger Chefarzt Stöhr begrüßt die Reform der Notfallversorgung, die Notfälle besser priorisieren und Bagatellfälle umlenken soll.
  • Auch die Johanniter-Unfall-Hilfe begrüßt die Reform, da sie Rettungsdienste entlaste.
  • Es besteht noch Klärungsbedarf, da bundesweite Vorgaben mit den Zuständigkeiten der Länder abgestimmt werden müssen.

Die Zentrale Notaufnahme im St.-Georg-Krankenhaus in Leipzig gehört in Sachsen zu den drei größten Einrichtungen ihrer Art. Zwischen 130 und 180 Patienten werden hier jeden Tag mit Dringlichkeit eingeliefert. Rund 100 Mitarbeiter – Ärzte und Pflegekräfte – kümmern sich um sie.

Priorisierung von medizinischen Notfällen

Robert Stöhr ist der Chefarzt. Für ihn gehen die Reformpläne der Bundesregierung in die richtige Richtung, denn viele Fragestellungen würden nun endlich rechtssicher geklärt. "Die mittelfristigen Auswirkungen können positiv sein. Die langfristigen Auswirkungen sind aus meiner Sicht noch nicht abzusehen. Aber die Themen, die die Notaufnahmen und die Krankenhäuser haben, werden durchaus für die Notfallversorgung mit angegangen", sagt Stöhr.

So sollen Patienten künftig mit ernsten Verletzungen und schwerwiegenden Erkrankungen schneller drankommen. Bagatellfälle dagegen sollen vorab aussortiert und in die reguläre Versorgung geschickt werden. Ziel ist es, dass weniger schlimme Fälle nicht länger die Notaufnahmen belasten.

Für Chefarzt Robert Stöhr ist die Veränderung dringend nötig, da viele Bagatellfälle in der Notaufnahme landen: "Nach den Reformplänen ist ein Tresen der Notaufnahme und der Portalpraxis geplant, wo eine medizinische Ersteinschätzung durchgeführt wird, in der die nötige Versorgungsstufe für den Patienten festgelegt wird – wenn der Patient nicht vorher schon über eine telefonische Zuweisung über die Hotline 116 117 an uns verwiesen wird." Danach würden die Patienten entweder der Portalpraxis oder der Notaufnahme zugeordnet.

Erleichterungen für Rettungskräfte

Auch für die Einsatzfahrten von Rettungsfahrzeugen soll die Notfall-Reform Erleichterung bringen. Für die Johanniter-Unfall-Hilfe ist das ein längst notwendiger Schritt. Rund 857.000 Einsätze fahren die Johanniter deutschlandweit im Jahr.

Und der Bedarf nehme zu, weil es für viele Patienten keine greifbare Grundversorgung mehr gebe, erzählt Kevin Grigorian. Er leitet die Stabsstelle für das Rettungswesen. Er betont, man unterstütze, dass schon die Leitstelle Fälle bewerte und bei Nicht-Notfällen weiterverweise. Auch sei es aus seiner Sicht richtig, dass der Rettungsdienst vor Ort mehr Entscheidungsspielraum erhalte, um Patienten etwa an Haus- oder Bereitschaftsärzte zu verweisen.

Abstimmung zwischen Bund und Ländern

Nachbesserungsbedarf sieht Grigorian bei der Frage veränderter Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern. Denn für die Rettungsdienste sind die Länder zuständig, während der Bund den rechtlichen Rahmen vorlegt: "Maßnahmen, die der Bund einführen möchte, müssen in Abstimmung mit den Ländern passieren. Da ist kritisch zu beleuchten, was er bundesweit vorgeben darf und was Kompetenz der Länder ist."

Das betreffe vor allem das Fachgremium zur medizinischen Notfallrettung, das neu eingerichtet werden soll. Es soll bundesweit für einheitliche Standards sorgen, ohne aber die Zuständigkeiten der Länder für Planung und Organisation aufzuheben.

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