- Der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der KI-Nutzung beträgt 16 Prozentpunkte.
- Ausgerechnet bei der jungen Generation ist der sogenannte Gender AI Gap besonders ausgeprägt.
- Die Studienautoren fordern, die Nutzung von KI nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gezielt Weiterbildungen anzubieten.
Frauen nutzen Künstliche Intelligenz seltener und weniger intensiv als Männer. Das geht aus einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Digitalisierungs-Initiative D21 hervor, die das IAB am Donnerstag veröffentlichte. Demnach beträgt der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der KI-Nutzung 16 Prozentpunkte.
Unter Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Bildung und Haushaltseinkommen – also wenn Männer und Frauen mit ähnlichen Voraussetzungen verglichen werden –, verringert sich die Lücke zwar, bleibt aber auch dann bestehen. Dieser sogenannte bereinigte Gender AI Gap beträgt demnach rund 8 Prozentpunkte.
Studienautorin Sandy Jahn, die auch Mitglied im Digitalbeirat Thüringen ist, zeigte sich darüber alarmiert. Der Gender AI Gap sei "sogar größer als der Gender Pay Gap, also der Unterschied in der Bezahlung von Männern und Frauen", sagte sie MDR AKTUELL. Der bereinigte Gender Pay Gap lag im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt bei 6 Prozent.
Geschlechter-Lücke bei junger Generation besonders ausgeprägt
Bei bestimmten Gruppen ist der Gender AI Gap sogar besonders ausgeprägt, so ausgerechnet bei der Generation Z+. Das sind Menschen, die zwischen 1996 und 2010 geboren wurden und als besonders technikaffin gelten. In dieser Gruppe nutzen vor allem Jungs und junge Männer KI intensiv (50 Prozent), bei Mädchen und jungen Frauen sind es nur 31 Prozent. Allerdings weisen diese immer noch eine stärkere KI-Nutzung auf als Frauen und Männer aller höheren Altersgruppen. Grundsätzlich sinkt die KI-Affinität mit steigendem Alter.
KI-Nutzung bei Frauen wird mehr dem Zufall überlassen.
Dennoch warnen die Autoren mit Blick auf die junge Generation, dass sich Unterschiede verstetigen könnten: "Ohne gezielte Intervention droht, dass sich diese Lücke nicht schließt, sondern sich in der nächsten Erwerbsgeneration strukturell verfestigt", heißt es in der Studie. Autorin Sandy Jahn sagte MDR AKTUELL, die Vermutung liege nahe, dass junge Männer etwa aufgrund von klassischen Rollenbildern stärker an die Nutzung von KI herangeführt würden, während KI-Nutzung bei Frauen "mehr dem Zufall überlassen wird".
Auch bei Bildungsgrad und Haushaltsnettoeinkommen gibt es den Angaben zufolge deutliche Unterschiede. So ist der Gender AI Gap bei hoher Bildung und hohem Einkommen (über 4.000 Euro netto) besonders ausgeprägt. Heißt: Höherqualifzierte und einkommensstärkere Männer nuzten Künstliche Intelligenz vergleichsweise häufiger, während bei Frauen der Effekt deutlich geringer ausfällt. In der Studie heißt es: "Ressourcen allein schaffen keine Gleichheit. Sie entfalten für Männer stärkere Effekte und verfestigen ihren KI-Vorsprung."
Studienautoren fordern Weiterbildungen rund um digitale Themen
Die Studienautoren empfehlen Politik und Wirtschaft, Kompetenzen der Menschen gezielt aufzubauen und die unterschiedlichen Ausgangslagen bei der digitalen Transformation zu berücksichtigen. Autorin Jahn sagte MDR AKTUELL, man dürfe die Nutzung von KI nicht einfach dem Zufall überlassen.
Auch die Digital Natives wachsen nicht einfach in die KI rein.
Die Unterschiede in der Generation Z zeigten, dass "auch die Digital Natives da nicht einfach reinwachsen". Deshalb müsse man das Problem strategisch angehen, beispielsweise durch Weiterbildungen rund um digitale Themen. Tatsächlich profitieren laut der Studie besonders Frauen von einem solchen Wissenserwerb. Der Studie zufolge könnte sich als der Geschlechterunterschied in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz dadurch verringern.
MDR/AFP (mze)
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.