Zur Vorbereitung eines möglichen Einsatzes in der Straße von Hormus nach einem Ende des Iran-Kriegs will Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bereits deutsche Marine-Einheiten ins Mittelmeer schicken. „Wir werden einen Minensucher ins Mittelmeer verlegen und ihm ein Führungs- und Versorgungsschiff zur Seite stellen“, sagte Pistorius der „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe).
„Damit wir in der Straße von Hormus unterstützen können, werden wir das Engagement an anderer Stelle temporär sinnvoll und mit den Partnern abgestimmt reduzieren“, ergänzte der Minister. Er erinnerte zudem daran, dass ein Einsatz in der Straße von Hormus nur möglich sei, „wenn wir ein Mandat des Deutschen Bundestags haben“. Für diesen Fall sollten aber bereits Vorbereitungen getroffen werden.
„Um Zeit zu sparen, haben wir uns entschieden, einen Teil der deutschen Einheiten frühzeitig ins Mittelmeer zu verlegen, um dann – nach Mandatsbeschluss – keine weitere Zeit zu verlieren“, legte Pistorius in der „Rheinischen Post“ dar.Genauso sei er vorgegangen, als es um den Start der EU-Marinemission „Aspides“ im Roten Meer gegangen sei. Dies habe „den Einsatzstart dann erheblich beschleunigt“.
Pistorius fügte hinzu: „Unsere Marine ist richtig gut darin, Minen aufzuspüren und zu räumen. Um diese Fähigkeiten würde es gehen. Das könnten wir leisten, um in der Meerenge von Hormus zu einer freien und sicheren Schifffahrt und Navigation beizutragen.“
Als weitere Bedingungen für einen Marine-Einsatz in der Region nannte der Verteidigungsminister „zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen“. Mit Blick auf ein internationales Mandat zog Pistorius eine Ausweitung des bestehenden Mandats der EU-Mission „Aspides“ in Betracht. Dies wäre aus seiner Sicht „eine angemessene und denkbare Option“. Ein UN-Mandat sei zwar „sicher besser“, allerdings „im Augenblick nicht wahrscheinlich“.
Die EU-Marinemission Eunavfor Aspides dient dem Schutz der Schifffahrt vor Angriffen der proiranischen Huthi-Miliz aus dem Jemen. Die EU-Außenminister beschlossen den Einsatz im Februar 2024 vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges, als die mit dem Iran und der Hamas im Gazastreifen verbündeten Huthi Frachtschiffe im Roten Meer angriffen. Die Bundeswehr beteiligt sich seit Februar 2024 an der Mission.
Pistorius hob hervor, das EU-Mandat für die „Aspides“-Mission erstrecke „sich geografisch schon auf den Persischen Golf“. Allerdings dürften die Einheiten bislang nur im Roten Meer Gefahren für die zivile Schifffahrt abwehren und dabei militärische Mittel einsetzen. „Daher müsste der Rechtsrahmen von 'Aspides' angepasst werden“, sagte Pistorius. Außerdem müssten bei einem Einsatz in der Straße von Hormus Großbritannien und die USA eingebunden werden.
Pistorius: Iran-Krieg treibt weltweiten Bedarf an Luftabwehr
Pistorius hat zudem auch noch vor einem massiv gestiegenen Bedarf an Luftabwehrsystemen infolge des Iran-Kriegs gewarnt. „Der Bedarf an Luftverteidigungssystemen ist durch den Iran-Krieg weltweit noch einmal weiter gestiegen“, sagte er laut Vorabbericht. Die Industrie benötige Jahre für die Herstellung der weltweit begehrten Patriot-Systeme. Auch bei den Lenkflugkörpern stünden die Staaten Schlange, da die derzeitigen Produktionskapazitäten nicht ausreichten, um die globale Nachfrage schnell zu decken.
Die deutsche Industrie habe die Lage erkannt, erklärte der Minister weiter. Im Herbst beginne das Unternehmen MBDA, das auch den Taurus herstellt, gemeinsam mit dem US-Konzern Raytheon die Produktion von Patriot-Lenkflugkörpern in Deutschland. Zudem fertige Diehl Defence die bodengestützten Iris-T-Systeme, die sich bei der Abwehr von Angriffen in der Ukraine sehr erfolgreich bewährt hätten. Mit Blick auf bestehende Lieferzusagen der US-Hersteller an die Bundesrepublik pochte Pistorius auf deren Einhaltung. Ausschließen lasse sich angesichts der extrem dynamischen Lage jedoch nichts, weshalb die Bundesregierung mit den USA fortlaufend im Gespräch sei, sagte der Minister weiter.
Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Luftangriffen der USA und Israels begonnen. Als Reaktion sperrte das iranische Militär faktisch die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports passiert. Dies ließ die Energiepreise in die Höhe schnellen. Am Wochenende werden im Vermittlerland Pakistan voraussichtlich neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein mögliches Ende des Iran-Kriegs stattfinden.
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