Ungarns Wahlsieger Péter Magyar wirft Vertrauten des abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orbán vor, nach der Wahl Vermögen außer Landes zu schaffen. „Orbán-nahe Oligarchen transferieren zig Milliarden Forint in die Vereinigten Arabischen Emirate, in die Vereinigten Staaten, nach Uruguay und in andere weit entfernte Länder“, schrieb Magyar am Samstag in den sozialen Medien. Zugleich forderte der Oppositionspolitiker den Generalstaatsanwalt, den Polizeichef und den Leiter der Steuerbehörde auf, „die Kriminellen festzunehmen“ und ihre Ausreise in Länder ohne realistische Chance auf Auslieferung zu verhindern.
Der britische „Guardian“ berichtet unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld von Fidesz, seit der Wahl hätten mindestens drei Mitglieder des inneren Machtzirkels um Orbán damit begonnen, Vermögen ins Ausland zu verlagern. Demnach sollen Gelder vor allem in Staaten des Nahen Ostens wie Saudi-Arabien, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate fließen. Andere hätten Australien und Singapur im Blick. Nach Angaben der Zeitung sollen zudem Privatjets, mutmaßlich beladen mit Wertsachen aus dem Umfeld des abgewählten Regierungschefs, wiederholt von Wien aus gestartet sein.
Magyar nannte auch konkrete Namen. Unter denjenigen, die das Land verlassen könnten, sei nach seinen Worten die Familie des Bauunternehmers Lőrinc Mészáros. Mészáros gilt als einer der engsten Vertrauten Orbáns und reichsten Männer Ungarns. Mehrere „Oligarchen-Familien“ hätten das Land bereits verlassen.
Im Wahlkampf hatte Magyar immer wieder Korruption und Vetternwirtschaft angeprangert. Er hat einen umfassenden Kampf gegen Korruption angekündigt. „Unser Land hat keine Zeit zu verlieren, denn Ungarn steckt in jeder Hinsicht in Schwierigkeiten – es wurde geplündert, ausgeraubt, verraten, verschuldet und ruiniert“, sagte Magyar nach der Wahl.
Das ungarische Investigativportal „VSquare“ berichtete, das Orbán-Lager befinde sich im „Panikmodus“. Mehrere regierungsnahe Quellen hätten geschildert, dass Schlüsselakteure ihr Vermögen außer Reichweite der künftigen Regierung bringen wollten, bevor Magyars Kabinett es einfrieren, beschlagnahmen oder verstaatlichen könne. Laut „VSquare“ sollen Privatjets Bargeld und andere Wertgegenstände in den Nahen Osten bringen. Ein „besonders bekannter Regime-Profiteur“ soll sogar Hunderte Milliarden Forint nach Saudi-Arabien transferiert oder dort investiert haben, berichtete „VSquare“, ohne einen Namen zu nennen. Weitere Ziele seien die Emirate und andere Golfstaaten, für ältere Generationen zudem Singapur und Hongkong.
Orbáns bisher regierende Fidesz-Partei hatte bei der Parlamentswahl am 12. April lediglich 52 von 199 Mandaten gewonnen und muss damit in die Opposition gehen. Der Wahlsieger, die bürgerliche Tisza-Partei von Péter Magyar, kam auf 141 Mandate und verfügt über eine verfassungsändernde Zwei-Drittel-Mehrheit.
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