Nach fünf Jahren Haft in Belarus ist ein prominenter polnischsprachiger Journalist im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen worden. „Andrzej Poczobut ist frei! Willkommen im polnischen Haus, mein Freund“, schrieb Polens Regierungschef Donald Tusk auf der Plattform X. Dazu postete er ein Foto, das ihn bei der Begrüßung des von der Haft gezeichneten, abgemagerten Poczobut an der Grenze zeigt.

Der 53 Jahre alte Journalist gehört zur polnischen Minderheit in Belarus. Er hatte viele Jahre für die polnische Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ aus dem autoritär regierten Land berichtet, auch ausführlich über die wochenlangen Massenproteste nach der Präsidentenwahl 2020, die dem seit 1994 amtierenden Machthaber Alexander Lukaschenko eine weitere Amtszeit einbrachte.

Der Journalist blieb auch während des harten Vorgehens der Behörden gegen die Proteste im Land. Im Frühjahr 2021 wurde er festgenommen. Die belarussische Staatsanwaltschaft legte ihm „Anstiftung zu nationalem und religiösem Hass“ zur Last. Dabei hatte er lediglich über die Massenproteste gegen Diktator Lukaschenko berichtet.

Wegen seines Engagements für die polnische Minderheit in Belarus geriet er zusätzlich ins Fadenkreuz der Behörden. Polen gilt als wichtiger Unterstützer der belarussischen Opposition. Lukaschenko nahm das als Vorwand, eine Verhaftungswelle gegen die polnische Minerheit im Land loszutreten.

Im Juli 2023 wurde Poczobut zu acht Jahren Strafkolonie verurteilt. Polens Regierung hatte sich in den vergangenen Jahren immer wieder für die Freilassung Poczobuts eingesetzt. Am Dienstag gab Außenminister Radoslaw Sikorski bekannt, dass er sich am Vortag mit dem US-Unterhändler John Coale getroffen habe. Dieser hat seit 2025 mehrmals die Freilassung von Gruppen politischer Gefangener aus Belarus erreicht.

Nach Angaben der staatlichen belarussischen Agentur Belta wurden insgesamt neun Gefangene ausgetauscht. „Dies ist ein Beispiel für eine hervorragende Allianz mit den USA; dieser Tag wäre ohne Präsident Donald Trump und seine Entscheidung nicht möglich gewesen“, sagte Polens Außenminister Sikorski.

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