• Jüngere Befragte sind häufiger zufrieden mit ihrer finanziellen Situation.
  • Eine Mehrheit empfindet die Steuerlast als zu hoch.
  • Unterschiede beim Geld werden mit großer Sorge betrachtet.

Während die einen über einen Kurzurlaub nachdenken, überlegen andere, ob gemeinsam essen gehen überhaupt noch ins Monatsbudget passt. Auch das Kino-Ticket oder ein Ausflug am Wochenende sind für viele Menschen eine Ausnahme. Das zeigt ein aktuelles MDRfragt-Stimmungsbild. Ein Drittel (36 Prozent) der Befragten sagt, dass das Geld nicht reicht, um am sozialen und öffentlichen Leben so teilzunehmen, wie sie es möchten. Ihr Budget reiche nicht für gesellschaftliche Teilhabe.

Das bedeutet, die angespannte finanzielle Lage zeigt sich nicht erst bei großen Anschaffungen, sondern schon im Alltag. Roman (53) aus Leipzig schreibt dazu in einem Kommentar bei MDRfragt: "Letzte Woche einmal Auto volltanken 170 Euro, 2,68 Euro der Liter Diesel. Damit war der geplante Kinobesuch erledigt." Heidrun (73) aus dem Landkreis Greiz meint: "Es ist einfach traurig für uns, dass im Alter das Geld nicht mehr reicht und nur noch an das gesparte Geld gegriffen werden muss, was wir eigentlich für Urlaube vorgesehen hatten, die wir in dem Umfang auch nicht mehr durchführen können." Wolfgang (79) aus dem Landkreis Meißen beschreibt seine Lage so: "Ich kann mir die Tageszeitung, die ich über vierzig Jahre gelesen habe, nicht mehr leisten. Ich würde gern häufiger in ein Konzert oder Theatervorstellung gehen. Das geht nur noch selten."

Jüngere Befragte bewerten ihre Lage besser

Insgesamt zeigen sich kaum Unterschiede im Abstimmungsverhalten der Menschen aus Sachsen, Sachsen‑Anhalt und Thüringen. Auffällig ist jedoch, dass Männer ihre Lage etwas besser bewerten als Frauen. Außerdem zeigen sich jüngere Befragte (16 bis 29 Jahre) mit ihrer finanziellen Situation am zufriedensten. Fast drei Viertel (72 Prozent) können sich ausreichend am gesellschaftlichen Leben beteiligen.

Mehrheit empfindet Steuerlast als zu hoch

Die persönliche Steuerbelastung wird von mehr als zwei Dritteln als zu hoch empfunden. 68 Prozent sind der Meinung, dass vom Brutto nicht genügend übrig bleibe. Besonders Menschen im Alter von 50 bis 64 Jahren sind unzufrieden mit dem, was sie netto zur Verfügung haben.

Unterschiede beim Geld werden mit Sorge betrachtet

Die Sorge über Unterschiede beim Einkommen und beim Vermögen fällt besonders deutlich aus. 89 Prozent der MDRfragt-Teilnehmenden stimmen der Aussage zu, dass sich Einkommens- und Vermögensunterschiede in eine problematische Richtung entwickelten.

Außerdem empfindet eine große Mehrheit die ungleiche Wohlstandsverteilung als eine mögliche Gefahr für die Demokratie. 80 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage zu. Hierbei ist die Zustimmung unter den Über-65-Jährigen besonders hoch.

Wie sieht die gerechte Verteilung aus?

93 Prozent der Befragten haben kein Vertrauen in die Bundesregierung, dass sie für eine gerechte Verteilung innerhalb der Gesellschaft sorge. Was eine gerechte Verteilung konkret bedeutet, sehen die Menschen unterschiedlich. MDRfragt wollte wissen, welche Punkte besonders wichtig sind. Dass sich Leistung auch lohnen sollte, befürworten die meisten Befragten (81 Prozent). Dazu lässt sich ein Vergleich mit einer aktuellen Umfrage von #NDRfragt ziehen. Bei gleichen Auswahlmöglichkeiten geben die Befragten in Niedersachsen dem Punkt "Leistung soll sich lohnen" weniger Zustimmung und vergeben in der Liste nur den dritten Platz mit 66 Prozent.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der MDRfragt‑Community zeigt sich außerdem breite Unterstützung für das Ziel, soziale und öffentliche Teilhabe für alle zu ermöglichen (69 Prozent). Mehr Umverteilung durch Eingriffe in Erbschaften wird von 40 Prozent unterstützt. Eine Begrenzung großer Unterschiede in Einkommen und Vermögen wünschen sich 39 Prozent.

Die Frage, ob der Sozialstaat angesichts steigender Ausgaben noch in seiner bisherigen Form finanzierbar ist, wird derzeit intensiv diskutiert – besonders mit Blick auf das Gesundheitswesen. 29 Prozent der Befragten finden es grundsätzlich richtig, Sozialleistungen zu kürzen, um die Kosten in den Griff zu bekommen.

Um Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten, werden unterschiedliche Ideen diskutiert. Derzeit gilt ein Spitzensteuersatz in Höhe von 42 Prozent ab etwa 70.000 Euro. Die größte Zustimmung erhält die Idee, dass der Spitzensteuersatz erst später greift und gleichzeitig für höhere Einkommen erhöht wird. Diesem Modell gaben 46 Prozent der MDRfragt-Teilnehmenden ihre Zustimmung.

Über diese Befragung

Bei der Befragung "Weniger Wachstum, mehr Kosten – Wie teilen wir gerecht?" vom 07. bis 15. April 2026 haben 23.780 Menschen teilgenommen.

Bei MDRfragt können alle mitmachen, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt wohnen.
Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Argumente sichtbar zu machen. Die Kommentare der Teilnehmenden helfen uns, die Gründe für unterschiedliche Positionen und das gesamte Meinungsspektrum abzubilden.

Wir ziehen keine Stichprobe, sondern laden alle Interessierten ein, ihre Meinung einzubringen. Deshalb sind die Ergebnisse strenggenommen nicht repräsentativ. Aber: An den Befragungen beteiligen sich jeweils zehntausende Menschen aus den drei Bundesländern. MDRfragt wird zudem wissenschaftlich begleitet und überprüft. Die Ergebnisse werden nach bewährten Methoden gewichtet – anhand soziodemografischer Merkmale wie Alter, Geschlecht und Bildungsgrad – und so an die tatsächliche Bevölkerungsverteilung in Mitteldeutschland angepasst. Dadurch sind die Ergebnisse aussagekräftig für die Stimmung im Sendegebiet. Durch Rundungen ergeben die Prozentwerte bei einzelnen Fragen nicht immer exakt 100.

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