Nun kommt es wie angekündigt: Das Pentagon hat am Freitag in Washington erklärt, dass die USA 5000 Soldaten von Militärbasen in Deutschland abziehen werden – und damit eine Drohung von US-Präsident Donald Trump umgesetzt, die er nach einem Schlagabtausch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ausgesprochen hatte.

Bei dem Schritt handelt es sich um einen vergleichsweise geringfügigen Abbau eines Truppenaufwuchses, der unter US-Präsident Joe Biden als Reaktion auf Russlands groß angelegte Invasion der Ukraine im Februar 2022 begonnen hatte.

Auch nach dem jetzt geplanten Abzug werden weiterhin etwa 38.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert sein.

Trump, der wiederholt beklagt hatte, dass Nato-Staaten den Angriff auf Iran nicht unterstützt hätten, hatte seit Monaten gewarnt, dass die USA Streitkräfte aus Europa abziehen würden.

Er und Merz hatten lange ein gutes Verhältnis – bis zuletzt. Anfang der Woche erklärte der Bundeskanzler: „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.“ Die USA, so der Kanzler, könnten den Krieg nicht schnell zu Ende bringen, „weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben“.

Im Anschluss ging Trump persönlich auf Merz los. „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, schrieb er auf der Plattform „Truth Social“. Es sei kein Wunder, „dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!“. Sein Vorwurf gegenüber dem Kanzler: Dieser sei damit einverstanden, dass Iran Atomwaffen habe.

Am Freitag erklärte Pentagon-Sprecher Sean Parnell dann, Kriegsminister Pete Hegseth habe den Abzug nach einer Überprüfung des US-Truppenaufwuchses in Europa angeordnet. „Wir erwarten, dass der Abzug in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein wird“, so Parnell.

Trump brachte erstmals am Mittwoch einen Truppenabzug aus Deutschland ins Gespräch – als Ausdruck seiner Frustration über die Nato und die aus seiner Sicht nur begrenzte Unterstützung der europäischen Verbündeten im Krieg gegen Iran. Der Vorschlag überraschte nach Informationen von WELT und „Politico“ Pentagon-Beamte, die vor der Drohung des Präsidenten nichts von einem möglichen Truppenabzug gehört hatten.

Etwa 38.000 US-Soldaten sind in Deutschland stationiert, wo sich auch das U.S. European Command und das Africa Command befinden — mit Abstand die größte Stationierung amerikanischer Streitkräfte in Europa.

Ein militärisches Transportflugzeug startet von der US-Airbase in Ramstein, der zentralen Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten

Das Pentagon hatte eine Überprüfung seiner weltweiten militärischen Aufstellung Anfang dieses Jahres abgeschlossen. Dieser Bericht empfahl keinen größeren Truppenabzug aus Europa, enthielt aber den Rat, mehr Ressourcen auf die westliche Hemisphäre und den Pazifik zu konzentrieren und die europäische Sicherheit den europäischen Staaten zu überlassen.

Nach Einschätzung von Militärbeobachtern dürfte der jetzige Abzug keine größeren Auswirkungen auf die europäische Sicherheit haben. Der wichtigste Grund: Die meisten Nato-Verbündeten geben mehr für ihre eigenen militärischen Fähigkeiten aus und erhöhen die Größe ihrer Streitkräfte.

Nicht alle Republikaner sind mit der Anordnung einverstanden. Brad Bowman, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater der republikanischen Senatoren Kelly Ayotte und Todd Young, sagte, ein Truppenabzug aus Deutschland würde vor allem den USA schaden – und US-Gegnern wie Russland nutzen.

„Die US-Militärpräsenz in Europa, einschließlich in Deutschland, stärkt nicht nur die Abschreckung gegen weitere Aggression des Kremls, sondern erleichtert auch die Projektion amerikanischer Militärmacht in den Mittelmeerraum“, sagte Bowman.

Mitarbeit: Leo Shane III

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