- Mehrheit will nicht zurück nach Syrien
- Kinder in Deutschland geboren
- Befristete Aufenthalte positiv aufgenommen
Nader Raslan ist 41 Jahre alt und lebt seit 2017 in Deutschland. Ursprünglich kommt er aus Syrien, mittlerweile hat er die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Als Vorsitzender des Syrischen Kulturvereins in Erfurt ist er gut in der syrischen Community vernetzt.
Über den Vorschlag einer "Schnupper-Heimkehr" für Syrer habe er sich richtig gefreut, erzählt Raslan. Viele Menschen hätten momentan richtig großes Interesse, nach Syrien zurückzukehren: "Sie haben ihr Land 2015, 2016 verlassen und sie haben keine Ahnung, wie ist die Situation und die Lage da. Für den Staat, für die Infrastruktur und auch für die Wohnungen, wo sie gelebt haben."
Mehrheit will nicht zurück nach Syrien
Trotzdem glaubt Raslan nicht, dass die Mehrheit zurückkehren will. Er selbst war vor Kurzem in Aleppo. Im Großen und Ganzen habe er sich zwar sicher gefühlt. Aber es fehle noch an vielen Dingen. Häufig müssten sich die dort lebenden Menschen im Alltag ganz grundlegende Fragen stellen, sagt er: "Ob es Wasser heute gibt, ob es Strom heute gibt. Die wirtschaftliche Lage ist auch sehr schlecht. Die Leute haben Hoffnung, dass sich das Land besser entwickelt, aber das braucht natürlich Zeit." Deshalb glaubt er, dass die meisten Syrer erst einmal weiter in Deutschland bleiben wollen.
Kinder in Deutschland geboren
Ähnlich denkt Saeed Saeed. Auch er kommt ursprünglich aus Syrien und hat mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft. Der 26-jährige Informatikstudent ist Vorsitzender des Syrisch-Deutschen Kulturvereins in Magdeburg. Es gebe Familien, deren Kinder hier in Deutschland geboren seien. Die wüssten gar nicht, was Syrien bedeutet. "Die sind hier geboren, die gehen in deutsche Schulen. Und die können kein Arabisch sprechen. Es ist unmöglich, dass die nach Syrien zurückkehren. Ich würde sagen, dass ist die Mehrheit."
Befristete Aufenthalte positiv aufgenommen
Trotzdem findet Saeed den Vorschlag gut, in Deutschland lebenden Syrern befristete Aufenthalte im Heimatland zu ermöglichen. Viele Syrer würden seit Jahren mit der Frage leben, ob eine freiwillige Rückkehr irgendwann möglich sei: "Gibt es dort Sicherheit? Gibt es ein Haus, Arbeit, Schule, medizinische Versorgung? Wie geht es einfach der Familie dort? Eine sogenannte Erkundigungsreise kann helfen, die Fragen realistisch zu prüfen."
Falls sich die Betroffenen danach aber entscheiden, lieber in Deutschland weiterzuleben, sollte das auch akzeptiert werden, findet Saeed. Es dürfe dann kein Druck auf die Menschen ausgeübt werden, damit sie wieder zurückkehren.
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