• Ex-THW-Chef begrüßt geplante Milliarden-Investition
  • Wissen um Risiken als zentrales Thema
  • Broemme für resilitente Liegenschaften, Spezialfahrzeuge und eine App
  • Kabinett will Milliarden-Paket am Mittwoch beschließen

Der Katastrophenschutzexperte Albrecht Broemme hat die angekündigten Milliardeninvestitionen in den Schutz der Zivilbevölkerung begrüßt. Der ehemalige Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) sagte MDR AKTUELL, er sei nahezu begeistert. "Man kann ja sonstwas für Konzepte machen, ohne Hinterlegung von Geld ist nichts machbar. Mit zehn Milliarden kann man an vielen Stellen genau die richtigen Schritte einleiten."

Früherer THW-Chef: Bildung für Kinder und Erwachsene entscheidend

EX-THW-Chef Albrecht Broemme begrüßt die Pläne für den Zivilschutz.Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Christoph Gollnow

Ganz zentrales Thema sei der Schulunterricht, die Bildung von Kindern, Jugend und auch Erwachsenen. "Das Wissen um solche Risiken ist natürlich dort nicht vorhanden, wo man nicht darüber spricht." Leider sei die Welt nicht mehr auf Frieden eingestellt. Das Thema 'Kriegerische Auseinandersetzung' sei weltweit wieder ein Thema. Am Wichtigsten sei: Jeder müsse damit rechnen und auch darüber reden sowie sich selbst kümmern und organisieren.

Der zweite Schritt ist: Was kann jeder für sich tun, für sich selber ganz persönlich, für seine Familie, seine Freunde, seine Nachbarschaft.

EX-THW-Chef Albrecht Broemme

Liegenschaften, Spezialfahrzeuge und eine App im Blick

Dazu komme die Resilienz von Liegenschaften: "Also welche THW-Unterkunft, Feuerwache, DRK-Stützpunkt ist auch unabhängig von Strom und Wasser einsatzfähig." Broemme nannte zudem Spezialfahrzeuge und eine App, die den nächstgelegenen Schutzraum anzeigen könne. Das seien Dinge, die es woanders längst gebe und die man sicher mit kleinem Geld adaptieren könne.

Kritik wegen fehlendem Konzept für Schutzräume

Broemme kritisierte, dass es bislang kein Konzept für Schutzräume gegeben habe – von Bunkern wolle er bewusst nicht reden. Für eine App brauche man ein Netzwerk von Schutzräumen. Als Beispiel nannte er die Ukraine: "Wenn man sich dort aufhält, dann wird man nicht nur bei Luftalarm gewarnt, sondern bekommt automatisch angezeigt, wo ist der nächste Schutzraum."

Bericht: Dobrindt plant Milliarden für den Zivilschutz

Die Bundesregierung plant einem Bericht zufolge milliardenschwere Investitionen in den Zivil- und Katastrophenschutz. Nach Recherchen der "Bild" sollen dafür zehn Milliarden Euro in einem Sonderprogramm bereitgestellt werden. Aus Regierungskreisen hieß es am Montag laut Nachrichtenagentur Reuters, dass das Bundeskabinett das entsprechende Paket am Mittwoch beschließen will.

Dobrindt: "Unterstützung ehrenamtlicher Kräfte"

Das Geld soll dem Bericht zufolge in eine bessere Ausstattung und eine umfassende Ausbildung von Zivil- und Katastrophenschützern fließen – beispielsweise beim THW. Bis 2029 sei unter anderem die Beschaffung von 1.000 neuen Spezialfahrzeugen geplant.

Neue Kommandostruktur und Ergänzungen für Warnsystem

Beim Bundesinnenministerium werde eine neue Stabsstelle mit dem Namen "Kommando zivile Verteidigung" geschaffen. Sie solle im Verteidigungsfall die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr koordinieren.

Dobrindt plant laut "Bild" zudem eine Art Zivilschutz-Unterricht an Schulen. Außerdem sollen alle öffentlichen Schutzräume wie Bunker, gesicherte Keller oder U-Bahnhöfe bundesweit erfasst werden. Diese Informationen sollen dann in das digitale Warnsystem des Bundes und die Notfall-Informations- und Nachrichten-App (Nina-App) integriert werden.

Quelle: MDR AKTUELL/ Reuters/AFP (kkö)

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