Im Gespräch mit Moderatorin Bettina Böttinger in deren Podcast „Zwischen den Zeilen“ hat Marcel Reif gesagt, er könne sich vorstellen, in die Schweiz auszuwandern. Der 76-jährige Ex-Fußball-Kommentator sagte: „Mit Schweizer Pass kann ich jederzeit wieder zurückgehen.“ Reif hatte lange dort gelebt und 2013 die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten, die deutsche im Gegenzug aufgegeben. Heute lebt er in München.

Anlass war eine Diskussion um die Wahlerfolge der AfD. Er kritisierte, diese nicht ernst zu nehmen: „Es ist gefährlich zu sagen, das ist Satire. Die sehen uns lächeln und sagen: Euch wird das Lächeln schon noch vergehen.“

Vielleicht gehe es den Deutschen zu gut, sagte er. Daraus hätte sich eine „Gleichgültigkeit gegenüber falschen Tendenzen und Strömungen entwickelt“, die man so laufen lasse. Die aktuellen Entwicklungen verglich er mit denen in der Weimarer Republik.

40 Prozent der Deutschen seien „keine Nazis“, sagte er. Es verfange jedoch „zunehmend irgendein Quatsch“, den man als Quatsch identifizieren könne: „Aber wir kriegen es nicht hin.“

Reif kam 1949 als Sohn eines polnischen Juden zur Welt. Der Vater war vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten gerettet worden. 2024 hielt er eine Bundestagsrede zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Reif berichtete außerdem, dass er in Schulklassen gehe, um die Kinder über den Holocaust aufzuklären. Er bläue den Schülern ein, dass niemand sie verantwortlich machen könne für das, was damals war, „aber wenn es sich wiederholt, ist jeder Einzelne von euch schuldig, das sage ich euch, und ich werde euch finden“. Reif resümierte: „Es ist noch nicht alles verloren.“

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