Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) haben sich ausgesprochen: „Wir haben alles geklärt unter uns, wie man das tut“, sagte Klingbeil im Gespräch mit dem Podcast „Machtwechsel“ in Bezug auf eine Auseinandersetzung der beiden beim Koalitionsgipfel in der Villa Borsig.

Für die Zusammenarbeit mit Merz fand der SPD-Chef lobende Worte: „Ich habe den Kanzler als jemanden kennenlernen dürfen, der auch bereit ist, zuzuhören, mit dem man Dinge entwickeln kann.“ Merz und er hätten ein „belastbares Vertrauensverhältnis und das ist eine wichtige Grundlage für alles, was kommt“, so Klingbeil mit Blick auf die anstehenden Reformen.

Nach dem Koalitionsgipfel in der Villa Borsig war eine Auseinandersetzung zwischen Merz und Klingbeil publik geworden, in der der Kanzler gebrüllt haben soll. Klingbeil hatte anschließend auf einer Parteiveranstaltung diese Erzählung befeuert: „Wenn es um die Abschaffung von Karenztagen oder den 1. Mai geht, lasse ich mich als SPD-Vorsitzender auch gerne mal anbrüllen“, hatte er vor SPD-Bundestagsabgeordneten in Bielefeld gesagt. Im Gespräch mit „Machtwechsel“ räumte Klingbeil ein, dass er aus heutiger Sicht diesen Satz wohl nicht wiederholen würde: „Ich glaube, ich habe kommunikativ schon eine sehr hohe Disziplin, aber manchmal rutscht mir dann vielleicht auch der ein oder andere Spruch raus. Kann auch sein, dass ich aus heutiger Sicht das nicht mehr tun würde.“

Klingbeil kritisierte auch den Umgang des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) mit Merz. „Sowohl die Situation bei den Arbeitgebern als Bärbel Bas ausgebuht wurde und auch Friedrich Merz beim DGB, das will ich nicht“, so Klingbeil. Er appellierte an die Verantwortung der Sozialpartner. Beides seien Situationen, „die ich für mich in meinem politischen Denken so nicht akzeptieren will und sage, Leute, ihr tragt mit eine Verantwortung“.

Merz war vergangene Woche auf dem DGB-Bundeskongress ausgepfiffen und ausgebuht worden, als er dort über die bevorstehende Rentenreform sprach. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) wiederum war Ende vergangenen Jahres auf dem Arbeitgebertag vom Publikum wegen ihrer Äußerungen zur Finanzierung des Rentenniveaus ausgelacht worden.

„Dieser Arbeitgebertag plus DGB zeigen, wie aufgewühlt die Gesellschaft ist“, so Klingbeil weiter. Zwei wichtige Flügel dieser Gesellschaft seien Arbeitgeber und Gewerkschaften. „Eine Philosophie, wo jeder sagt, hier sind meine 100 Prozent, und ich bewege mich keinen Zentimeter, wird zu Applaus in den eigenen Reihen führen, aber nicht dazu, dass wir als Land stärker werden“, sagte der SPD-Vorsitzende. Arbeitgeber und Gewerkschaften „tragen eine Verantwortung für dieses Land“.

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