Die US-Armee hat die vierte Nacht in Folge Ziele im Iran angegriffen. Dutzende militärische Ziele – darunter Raketenstellungen und Verteidigungssysteme – in der Nähe der Straße von Hormus sowie in iranischen Küstengebieten seien getroffen worden. Die Angriffswelle dauerte sieben Stunden.
Mit den neuerlichen Angriffen wollten die USA „die Fähigkeit des Iran, die Handelsschifffahrt und zivile Besatzungen zu bedrohen, weiter schwächen“, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom im Onlinedienst X mit.
Für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen mit Teheran hat US-Präsident Donald Trump mit Angriffen auf Kraftwerke und Brücken in der kommenden Woche gedroht. „Nächste Woche wird es für sie richtig schlimm, denn nächste Woche sind die Kraftwerke dran. Nächste Woche sind die Brücken dran“, sagte Trump in einem Interview mit dem US-Sender Fox News. „Wir werden alle ihre Kraftwerke ausschalten. Wir werden alle ihre Brücken ausschalten, es sei denn, sie setzen sich an den Tisch und verhandeln.“
Auf die Frage des Moderators, welche Botschaft bei dem letzten Gespräch mit iranischen Offiziellen übermittelt worden sei, sagte Trump: „Ihr solltet besser einen Deal machen. Sonst bleibt niemand mehr übrig.“
Unterdessen hat das US-Militär die Seeblockade gegen iranische Häfen wieder aufgenommen. Der Einsatz habe um 16 Uhr US-Ostküstenzeit (22 Uhr MESZ) begonnen, teilte Centcom mit. Derzeit seien „mehr als 20 Kriegsschiffe der US-Marine und hunderte Militärflugzeuge im gesamten Nahen Osten im Einsatz“. Die amerikanischen Streitkräfte seien „wachsam, schlagkräftig und einsatzbereit“, erklärte das Regionalkommando.
Die USA hatten die Blockade erstmals Mitte April verhängt und sie dann Mitte Juni, einen Tag nach der Unterzeichnung des vorläufigen Rahmenabkommens, das auf eine dauerhafte Beendigung des Krieges abzielte, wieder aufgehoben. Das Abkommen sah eine Frist von 60 Tagen vor, um auch eine Einigung über das iranische Atomprogramm auszuhandeln, doch die Gespräche sind ins Stocken geraten und der Konflikt um die Meerenge hat sich verschärft. Trump kündigte daraufhin am Montag eine Wiederaufnahme der Blockade an.
Der Iran hatte den USA kurz vor Inkrafttreten der neuerlichen Seeblockade vorgeworfen, dadurch das zwischen den beiden Ländern ausgehandelten Rahmenabkommen „demontiert“ zu haben.
Iranische Angriffe auf Jordanien, Kuwait und Bahrain
Der Iran führte ebenfalls neue Angriffe auf Jordanien, Kuwait und Bahrain durch. Die iranische Armee erklärte nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders Irib, sie habe vom US-Militär genutzte Hangars auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asrak in Jordanien mit Drohnen angegriffen.
Die iranischen Revolutionsgarden feuerten nach eigenen Angaben Marschflugkörper auf ein Logistikzentrum der US-Armee in Kuwait ab. Kuwaits Armee meldete zuvor vier verletzte Soldaten bei einem Angriff auf eines ihrer Marineschiffe. Das Militär machte den Iran für die Attacke verantwortlich. Die Streitkräfte hätten zudem eine ballistische Rakete, fünf Marschflugkörper und 33 Drohnen abgefangen, hieß es in einer Mitteilung weiter. Die Angriffe hätten sich gegen zivile und strategisch wichtige Einrichtungen gerichtet. „Die kuwaitische Luftabwehr wehrt derzeit feindliche Drohnenangriffe ab“, erklärte die kuwaitische Armee. Sie sprach von einer „schändlichen iranischen Aggression“.
Auch in Bahrain ertönten wieder die Warnsirenen. Bürger wurden aufgerufen, Anweisungen der Behörden zu befolgen und sich in Sicherheit zu begeben, wie das Innenministerium mitteilte. Der Iran meldete einen Angriff auf Einrichtungen der fünften Flotte der US-Marine in Bahrain, darunter ein Kommandozentrum, Lagerhallen und Treibstofflager.
Die Revolutionsgarden erklärten, dass die Vergeltungsmaßnahmen für die US-Angriffe fortgesetzt würden. Zudem bekräftigten sie, dass die Straße von Hormus geschlossen bleibe, „bis die Vereinigten Staaten ihre Aggressionen beenden“. Vize-Außenminister Kasem Gharibabadi bezeichnete die Hoheit über die Straße von Hormus als Teil der nationalen Sicherheit des Landes. Der Iran werde die Souveränität darüber um jeden Preis ausüben, sagte er in einem Interview des staatlichen Fernsehens. Der Iran habe keine Verpflichtungen im Zusammenhang mit der mit den USA unterzeichneten Absichtserklärung.
Trump zieht Forderung nach Hormus‑Gebühr überraschend wieder zurück
Zuvor war US-Präsident Trump von einer anderen Ankündigung abgerückt. So wolle er nun doch keine Gebühr für die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus verlangen, teilte er mit. Stattdessen schwebten ihm nun Handels- und Investitionsabkommen mit Golfstaaten vor.
Trump kündigte zuletzt auf seiner Plattform Truth Social an, er habe nach „äußerst produktiven Gesprächen“ mit namentlich nicht genannten Vertretern von Staaten im Nahen Osten beschlossen, die Gebühr „durch Handels- und Investitionsabkommen zu ersetzen, die die verschiedenen Golfstaaten mit den Vereinigten Staaten abschließen werden“.
Der Präsident behauptete, dass die nicht bezifferten Investitionen „massiv“ und von Vorteil für die Golfstaaten werden würden. Unklar war zunächst, mit wem Trump gesprochen hat und ob Golfstaaten tatsächlich derartigen Plänen zugesagt haben.
Über den plötzlichen Sinneswandel sagte Trump bei einer Pressekonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten Ali al-Saidi, dass er von Menschen aus verschiedenen Ländern angerufen worden sei. Diese hätten andere Ideen vorgeschlagen und dabei auch Milliardeninvestitionen in den USA ins Spiel gebracht.
Trump betonte dabei auch, dass er es gut fände, dass „niemand“ eine Gebühr für die Nutzung im Kontext der Straße von Hormus verlangen sollte. „Ich mag das Konzept einer Gebühr nicht“, sagte er weiter.
Gestern noch Verfechter von Gebühr für US-Geleit gewesen
Dass nun rund 24 Stunden nach seinem jüngsten Truth-Social-Post das Projekt wieder eingestampft wird, ist als Rückschlag zu sehen: Trump hatte erst am Montag die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe angekündigt, die iranische Häfen ansteuern oder von diesen abfahren. In diesem Zuge sagte er auch, dass die USA fortan für die sichere Durchfahrt der für den weltweiten Ölhandel strategisch wichtige Meerenge aus „Fairnessgründen“ Einnahmen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes für sich beanspruchen.
Dies solle die Kosten, die im Zuge der Sicherstellung der Passage anfallen, kompensieren. Der Prozess und die Umsetzung würden umgehend beginnen, schrieb er weiter.
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