Die Lage im Iran-Krieg eskaliert weiter. Die USA haben auch in der elften Nacht in Folge Ziele im Iran angegriffen. Diesmal dauerte die Welle allerdings nur eine Stunde und 15 Minuten, ehe sie das zuständige US-Regionalkommando Centcom auf X für beendet erklärte.

Das US-Militär griff nach eigenen Angaben „militärische Einsatzzentralen, maritime Kapazitäten, Flugzeughangars, Lager für Drohnen sowie militärische Logistikinfrastruktur an, um die Fähigkeit des Iran, die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen, weiter zu schwächen.“

Erstmals seit Beginn der jüngsten Eskalation im Iran-Krieg wurde die Flugabwehr in der Hauptstadt Teheran aktiviert. Im Nordosten der Millionenmetropole waren in der Nacht dumpfe Detonationen zu hören, wie ein dpa-Reporter berichtete. Auch iranische Staatsmedien berichteten über Flugabwehrfeuer in verschiedenen Bezirken der Stadt, in der rund 15 Millionen Menschen leben.

Die bislang letzten Angriffe auf die Metropole hatte es Anfang Juni gegeben, also vor mehr als einem Monat. Damals hatte die israelische Luftwaffe als Reaktion auf iranische Raketenangriffe Ziele in der Stadt attackiert.

Die Meldung des Staatsfernsehens deutet darauf hin, dass US-Kampfflugzeuge den Raum Teheran ins Visier genommen haben. In der Region befinden sich unter anderem Militärstützpunkte, Einrichtungen des iranischen Raketenprogramms sowie Anlagen, die mit hochrangigen Regierungsvertretern in Verbindung stehen. Unklar blieb zunächst, welches konkrete Ziel die USA bei dem Einsatz in der Region der Hauptstadt angegriffen haben.

Die Islamische Republik reagierte auf die US-Angriffe zuletzt mit Vergeltungsschlägen auf Golfstaaten in der Region, die als US-Verbündete gelten. Dabei geht das US-Militär inzwischen nach einem iranischen Angriff auf einen Stützpunkt in Jordanien vom mutmaßlichen Tod einer dritten Soldatin aus. Bei der Soldatin handelt es sich demnach um eine 28-Jährige aus dem Bundesstaat New York. Das Pentagon hatte zuvor bereits den Tod eines 25-jährigen Soldaten aus dem Bundesstaat Hawaii und einer 19-jährigen Soldatin aus Texas bestätigt.

Nach dem Angriff hatte Centcom mitgeteilt, dass zwei Militärangehörige getötet worden seien und eine weitere Person vermisst werde. Am folgenden Tag erklärte das Kommando, Soldaten hätten nicht identifizierte Überreste gefunden. Eine Untersuchung zur Identifizierung der Überreste sei eingeleitet worden. Nach der Bergung nicht identifizierter Überreste gehe das Militär nun davon aus, dass es sich um die 28-Jährige handelt, erklärte das Pentagon. Ihr Status wurde auf „Dienststatus – Aufenthaltsort unbekannt“ geändert; sie gelte als „mutmaßlich tot“. Sie gehörte derselben Einheit an wie die 19-jährige Soldatin – dem in Ansbach in Deutschland stationierten 10th Army Air and Missile Defense Command.

Beide Parteien überziehen sich zudem mit gegenseitigen Drohungen. US-Präsident Donald Trump drohte am Dienstag mit weiteren Angriffen, unter anderem auf die unterirdische iranische Atomanlage Pickaxe Mountain. Die USA seien mit dem Iran „noch lange nicht fertig“, sagte Trump bei einem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun im Weißen Haus. Mit Blick auf die in der Nähe von Natans gelegene Atomanlage Pickaxe Mountain sagte Trump: „Wir werden dieses Gebiet ziemlich bald und sehr hart angreifen.“

Trump fügte hinzu, normalerweise würde er keine Ziele für Angriffe bekanntgeben, doch der Iran könne „nichts dagegen tun“. Westliche Geheimdienste vermuten, dass der Iran in der tief unter der Erde gelegenen Nuklearanlage Pickaxe Mountain eine geheime Urananreicherungsanlage errichtet.

Trumps Schätzungen zufolge wird der Wiederaufbau im Iran mindestens 20 Jahre dauern. „Wenn wir jetzt rausgehen, würde der Iran 20, 25 Jahre brauchen, um sich wieder aufzubauen“, sagte er. Der US-Präsident betonte aber: „Wir sind noch lange nicht fertig. Wir ziehen jetzt noch nicht ab.“

Der US-Generalstabschef Dan Caine warnte in der Debatte über die aktuellen Angriffe vor einer Überschätzung der Luftwaffe. Ein militärischer Erfolg lasse sich nicht allein aus der Luft erzielen. „Wenn man die gesamte Geschichte betrachtet, dann hat Luftmacht ihre Grenzen, und dessen müssen wir uns immer bewusst sein“, sagte Caine. „Ich denke, die besondere Stärke Amerikas liegt darin, dass wir das gesamte Spektrum diplomatischer, informationeller und wirtschaftlicher Mittel mit militärischer Macht verbinden. Und in all diesen Bereichen wird derzeit intensiv gearbeitet.“

Iran kontert mit eigener Drohung

Das oberste Militärkommando des Iran reagierte seinerseits mit einer Drohung auf die Äußerungen von Trump. Sollten die USA iranische Atomanlagen oder andere „sensible Einrichtungen“ angreifen, werde Teheran dies als Ausweitung des Krieges auf die gesamte Region werten, erklärte das zentrale Hauptquartier „Chatam Al-Anbija“, wie staatliche Medien berichteten.

„Alle Interessen der Vereinigten Staaten, ihrer Verbündeten und ihrer Unterstützer werden zu Zielen kraftvoller Angriffe der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran“, hieß es in der Erklärung. Ein Angriff auf Nuklearanlagen oder andere sensible Einrichtungen würde demnach eine schwerwiegende Eskalation darstellen.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezifferte die Kosten für den Iran-Krieg unterdessen auf inzwischen 37,5 Milliarden Dollar (rund 32 Milliarden Euro). Das sagte Hegseth bei einer Anhörung im US-Senat auf Nachfrage des demokratischen Senators Dick Durbin. Die bisherige Schätzung hatte bei 29 Milliarden Dollar gelegen.

Hegseth machte zugleich deutlich, dass es sich nicht ausschließlich um bereits angefallene Kosten handelt. Die Summe umfasse neben den bisherigen Ausgaben auch erwartete Kosten bis zum Ende des laufenden Haushaltsjahres am 30. September. Dazu zählten unter anderem Soldzahlungen für Militärangehörige sowie Betriebs- und Wartungskosten.

Die Anhörung Hegseths wurde von Protesten gestört. Gleich mehrmals nacheinander wurde er von Demonstranten unterbrochen, die ein Ende des Iran-Kriegs forderten. Beamte führten die Protestler aus dem Raum im Kapitol.

Eine Demonstrantin zeigt ein „Kein Krieg im Iran“-Transparent

Durbin fragte bei der Anhörung, ob die anhaltenden Gefechte darauf hindeuteten, dass die Kosten in den kommenden Monaten weiter steigen könnten. Hegseth antwortete, ein Teil der genannten 37,5 Milliarden Dollar berücksichtige bereits voraussichtliche Ausgaben bis Ende September.

Hegseth warb im Kongress für einen Nachtragshaushalt in Höhe von 67 Milliarden Dollar für das Verteidigungsministerium. Das Geld soll unter anderem die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte sichern, verbrauchtes Material ersetzen und Investitionen in Munition sowie neue Waffensysteme beschleunigen.

Er betonte mehrfach, dass der beantragte Nachtragshaushalt den regulären Verteidigungsetat nicht ersetzen solle. Er sei als zusätzliche Soforthilfe gedacht. Sein Ziel sei angesichts der weltweiten Sicherheitslage ein Verteidigungshaushalt von 1,5 Billionen Dollar für das Haushaltsjahr 2026.

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