Bayerischer hätte die Kulisse kaum sein können: In brauner Trachtenjacke mit dunklen Paspeln am Stehkragen, dazu ein schlichtes weißes Hemd – so präsentierte sich Markus Söder beim ZDF-Sommerinterview auf einem Holzsteg am Starnberger See. Doch vor der idyllischen Postkartenkulisse ging es schnell um die harten politischen Themen. Und um eine Tragödie.

Gleich zu Beginn der Aufzeichnung verurteilte der bayerische Ministerpräsident den Terroranschlag am Rande der CSD-Parade am Vortag in Berlin scharf. Eine Attacke auf den Christopher Street Day sei besonders verwerflich, denn die Veranstaltung sei ein zentraler „Ausdruck von Lebensfreude, von Freiheit und von Toleranz“. Der „feige Anschlag“ dürfe „auf keinen Fall ungesühnt bleiben“.

„Es ist auch ein bewusster Anschlag auf die Freiheitsidee unseres Landes, und deswegen muss mit aller Härte dagegen vorgegangen werden“, sagte Söder. Nur wenige Stunden nach dem Gespräch erschoss die Polizei den mutmaßlichen Attentäter Abdul B. bei einem Zugriff in einer Gartenlaube in Berlin-Spandau.

Trotz der Schwere der Ereignisse warnte der CSU-Chef im Interview vor Resignation. Man dürfe sich durch solche Attentate „nicht die gesamte Lebensfreude nehmen lassen“, betonte Söder. Erst danach nahmen er und Moderator Wulf Schmiese für das eigentliche, rund 20-minütige Interview Platz.

Darin stärkte der bayerische Landesvater demonstrativ Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Rücken. Ministerpräsident Söder lobte dessen Personalentscheidungen beim Kabinettsumbau mitten in der Legislaturperiode. „Ich finde die ersten Personalien sehr gut, auch eine Stärkung“, sagte Söder zu den Weichenstellungen aus dem Kanzleramt. Dass Nina Warken künftig als erste Frau das Kanzleramt leitet und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann das Gesundheitsressort übernimmt, bezeichnete der CSU-Chef als angemessen.

Dass es auch in den Reihen der Union wegen des Kabinettsumbaus kräftig rumort, bügelte Söder ab. Die Posse um Verkehrsminister Patrick Schnieder, die für Unmut in der CDU sorgt, spielte er herunter. Selbst Altbundesminister Peter Altmaier hatte sich zuvor öffentlich „betroffen und wütend“ über den Führungsstil des Kanzlers geäußert.

Journalist Schmiese (l.), CSU-Chef Söder vor der Interview-Kulisse am Tegernsee

Söder zeigte für die Kritik jedoch wenig Verständnis – und nahm Merz in Schutz: Der Kanzler sei zu der Überzeugung gelangt, dass im Verkehrsressort eine Veränderung notwendig sei, gerade mit Blick auf die anstehenden Milliarden-Investitionen in die Infrastruktur. Dass die Nachfolge zum Chaos geriet, weil der vorgesehene CDU-Abgeordnete Fritz Güntzler erst zu- und morgens um vier Uhr wieder absagte, liege nicht in der Verantwortung des Kanzlers.

Als CSU-Chef trägt Markus Söder die Bundespolitik als einer der drei Koalitionspartner maßgeblich mit. Konfrontiert mit den historisch schlechten Beliebtheitswerten der Regierungsarbeit, wählte der bayerische Ministerpräsident die Flucht nach vorn und warb um Geduld für die anstehenden Vorhaben.

„Der Inhalt muss am Ende überzeugen“, betonte Söder im Gespräch. Dass die bisherige Bilanz der Koalition bei den Bürgern noch nicht verfangen hat, räumte er dabei offen ein. Das Angebot der Regierung habe schlicht noch nicht gereicht – werde „jetzt aber massiv besser mit großen Reformen“.

Zugleich zeigte sich Söder pragmatisch: Politische Entscheidungen dürften nicht auf dem Papier enden, die Menschen müssten die spürbaren Verbesserungen im Alltag auch tatsächlich wahrnehmen. Unabhängig von momentanen Umfragewerten und der Stimmung im Land müsse die Regierung Führungsstärke beweisen. „Man muss das tun, was notwendig ist“, sagte der CSU-Chef. Das Land brauche dringend Reformen und genau die würden nun geliefert.

Jegliche Zusammenarbeit mit der AfD lehne er weiterhin ab, bekräftigte Söder im Interview. Er reagierte damit auf Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der angesichts der politischen Mehrheitsverhältnisse im Osten Deutschlands eine Bereitschaft zu Gesprächen mit allen Parteien gefordert hatte.

Für den bayerischen Ministerpräsidenten aber ein klares No-Go: Dies „würde zu einer massiven Spaltung der Union führen“, sagte der bayerische Ministerpräsident. Die Union dürfe nicht „eine Art Steigbügelhalter“ werden und der AfD den Weg zur Macht ebnen. „Ich beteilige mich da nicht dran. Ich bin da dagegen, grundlegend. Ich glaube, wir müssen Politik für Demokratie, Politik in der Mitte machen. Und deswegen gehört die AfD nicht dazu“, betonte Söder.

Die AfD habe zudem „sehr brutal“ erklärt, sie wolle die Union aus dem Amt jagen, die Union sei der Hauptfeind, so Söder. „Da passieren Sachen und Worte fallen, die sind jenseits dessen, was demokratische Kultur ist. Mit solchen Leuten, vor allem den Menschen dort in der Partei und den Führungskräften, Höcke und Co., kann und will ich nicht zusammenarbeiten.“

Auch für seine persönliche Zukunft in München stellte der CSU-Chef im Gespräch die Weichen: Söder strebt bei der nächsten Landtagswahl 2028 eine weitere Amtszeit an. Danach gefragt, zeigte er sich gewohnt angriffslustig und signalisierte klare Bereitschaft – vorausgesetzt, Partei und Wähler ziehen mit. „Wenn die Partei und die Wähler das wollen, ​ja gerne“, sagte der CSU-Chef zum Abschluss des ZDF-Sommerinterviews.

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